Easy Intruder


Die Intruder M1800R hatte eine gute Basis, aber ein grottiges Outfit.
Easy hat den dicken Tapir ordentlich rasiert

Suzukis Intruder ist eine Ikone, und die Lobeshymnen auf den einzig wahren Japan-Chopper sind so unendlich wie amerikanische Highways. Allerdings reden wir vom Ursprungsmodell, der VS1400.
Welcher Teufel die Designabteilung in Hamamatsu geritten hatte, als sie das verbaute Plastikmonster mit dem Kürzel M1800R auf den Markt brachte, weiß heute niemand mehr. Der klingende Name „Intruder“ war in die Modellbezeichnung mit eingeflossen, das war wohl ein Marketing-Gag. Intruder-Fans wollten das Ungetüm nicht als Erbe und Nachfolger einer Legende akzeptieren.

Intruder M1800R

Die Basis stimmte

Dabei waren die Zutaten der M1800R nicht von schlechten Eltern. Der Zweizylindermotor wuchs auf respektable 1800 Kubikzentimeter an, und mit einer Leistung von 125 PS und einem Drehmoment von gut 160 Newtonmetern packte er locker jede Harley in die Tasche. Das gab’s aus Milwaukee höchstens in der ungeliebten V-Rod.
Darüber hinaus spendierten die japanischen Ingenieure ihrem Biest ein zeitgemäßes Fahrwerk mit Upside-down-Gabel, Zentralfederbein und einer bissigen Bremsanlage. Den fetten 240er-Hinterreifen gab es als Zugabe oben drauf.

Intruder M1800R

Radikal-Diät für den Tapir

Der Customizer Easy in Rüsselsheim hat dem Japancruiser nun eine Radikal-Diät verordnet: Weg mit dem Plastikkram, weniger ist mehr! Und so sind die unsäglichen Kühlerverkleidungen verschwunden, das abartig hässliche Heck hat sich ins Nirwana verabschiedet und die Scheinwerfermaske samt Innenleben ist in die Tonne getreten. Das ungewöhnliche Frontdesign hatte der M1800R in einschlägigen Motorrad-Foren den Spitznamen „Tapir“ eingebracht.

Zwei Scheinwerfer-Linsen geben dem Easy-Bike eine neue Front

Choppen heißt weglassen

Das leuchtende Custombike von Easy hat nichts mehr mit dem Design-Unfall zu tun. Der Arsch ist noch breiter geworden, eine 280er-Walze wird von einem mitschwingenden Heckfender abgedeckt, selbstkreierte Luftfilter rechts und links sind ein Blickfang, und die zwei mattschwarzen Auspuffrohre versprechen einen Mördersound. So dünn wie sie sind, dürften sie wohl ungehindert die Macht des 1,8-Liter-Motors rausbrüllen.
Schalldämpfung? Fehlanzeige. Ein Knopfdruck auf den Anlasser bestätigt unsere Hoffnung. Der V2 bollert und rumpelt, dass es uns warm ums Herz wird.
Lärmvorschriften sind was für Muschis. Wenn die Cops uns abgreifen, gibt es garantiert Ärger, aber das nehmen wir jetzt in Kauf. Also rauf auf den Sattel, den Easy so konstruiert hat, als schiene er über dem Heckfender zu schweben. Beine ausstrecken und ab geht’s!

Die M1800R kann flott durch die Kurven geknüppelt werden

Powercruising macht Laune

Beim Hochdrehen brabbelt der V2 dumpf, doch mit jeder Umdrehung brüllt er schärfer. Noch mehr Spaß bereitet der Intrudermotor beim Gaswegnehmen. Dann röchelt er heiser und böse. Die Blechdosentreiber der Opel-Stadt stieren aufgeregt in ihre Rückspiegel.
Hinter der Stadtgrenze können wir der Suzi endlich Feuer unterm Hintern machen. Easy hat uns versichert, dass sich seine Bikes sehr gut fahren lassen, schließlich lege er selbst Wert auf Performance und Fahrbarkeit. Und tatsächlich, in den ersten Kurven wird schnell klar: Das Fahrwerk kann was. Klar, ein Gummimonster der Dimension 280 will in die Kurven gedrückt werden. Aber das klappt so gut, dass mit jeder Kurve die Geschwindigkeit steigt und wir die Fuhre immer weiter in Schräglage bringen. Angstnippel kratzen wir heute nicht. Die Easy-Suzuki hat die notwendige Bodenfreiheit.

Easy Suzuki M1800R

Bulliges Drehmoment

So genießen wir das bullige Drehmoment sogar in der Kurve: Anpeilen, drücken, hart ans Gas gehen und am Kurvenausgang herauskatapultieren lassen. Ja, so muss Powercruising sein. Alles untermalt von dieser abartigen Klangkulisse der Auspuffanlage. Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer zeigen uns einen nach oben gereckten Daumen.
Zurück bei Easys Werkstatt überkommt uns kurz der Gedanke, ihm die Karre einfach zu entwenden. Es gibt nicht viele Exemplare der M1800R, die so viel Spaß machen. Warum haben die das in Japan nicht gleich im Werk so hinbekommen?

Unter dem orangefarbenen Lack verstecken sich zahlreiche Skulls

        Technische Daten       

Easy Suzuki M1800R
  • Motor    54°-V2-Motor, dohc, 8 Ventile, flüssigkeitsgekühlt
  • Hubraum    1783 ccm
  • Leistung    125 PS bei 6200 U/min
  • Drehmoment    160 Nm bei 3200 U/min
  • Bohrung x Hub    112 x 90,5 mm
  • Getriebe    Fünfgang
  • Sekundärtrieb    Kardan
  • Rahmen    Doppelschleifen-Stahlrohr
Federung
  • vorn    46-mm-Upside-down-Gabel, 130 mm Federweg
  • hinten    Stahlschwinge, zentrales Gasdruckfederbein, 118 mm Federweg
Bremsen
  • vorn    310-mm-Doppelscheibe, Vierkolben-Festsättel
  • hinten    275-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel
Reifen
  • vorn    130/60/18
  • hinten    280/35/18
  • Lenker    Thunderbike „Hollywood“
  • Riser    Rick’s
  • Spiegel    Paaschburg & Wunderlich
  • Scheinwerfer    Paaschburg & Wunderlich „Flat Elly“
  • Lampenhalter    Easy
  • Gabelcover    Easy
  • Abdeckungen    Easy
  • Frontfender    Thunderbike
  • Heckfender    Easy, mitschwingend
  • Luftfilterdeckel    Easy
  • Kühler-Ausgleichsbehälter    Easy
  • Fußrastenanlage    Thunderbike
  • Sitz    Take-a-seat
  • Kennzeichenträger    Thunderbike
  • Auspuff    Dragpipes, angepast
  • Armaturen    Motogadget
  • Gabelfedern    Wilbers
  • Gabelöl    Wilbers
  • Lackierung    Beutler Lackdesign, Graphix Rodgau

Easy Motorradwerkstatt
Darmstädter Straße 91
65428 Rüsselsheim
Tel 06142 - 40 78 01
www.easy-motorradwerkstatt.de


Text: Christian Heim
Bilder: Volker Rost




03.12.2014
Text: Christian Heim Bilder: Volker Rost
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