Custom-Powercruiser


Du bist mindestens 1,85 Meter groß gewachsen? Du stählst deine Oberarme täglich an der Hantel? Und hast auch sonst ein solides Gemüt? Dann wurden die beiden Riesenhuber, die wir in der Lüneburger Heide zum Vergleichstest gebeten haben, exakt auf dich zugeschnitten. Es stehen sich gegenüber: Die Suzuki M1800R mit drahtigen 1,8 Litern Hubraum, garniert mit feinen Hightech-Komponenten und die gewaltige Kawasaki VN 2000, die in ihren beiden Zylindern über zwei Liter Arbeitsraum vereint. Trotz dieser gigantischen Zahlen würden beide Bikes im Serientrimm ein wenig trutschig wirken. Zugeblecht und arg verspielt.

Daher hat Delta Custom Bikes in sein umfangreiches Sortiment an Umbauteilen gegriffen und die beiden Megacruiser in muskulöse Eyecatcher verwandelt. Aber sind beide gleich mächtig? Vermitteln sie identisch viel Fahrfreude, oder gibt es etwa feine Unterschiede unter den Sauriern? Schließlich kommt die Kawa mit einem sympathisch-altmodischen ohv-Langhuber sowie immerhin 20 Kilo mehr auf den Rippen, die Suzie hingegen macht mit ihrem 125 PS starken dohc-Kraftpaket sowie Fahrwerkskomponenten aus dem Sportler-Regal auf Powercruiser.

Die VN 2000 ist der Riesen-Cruiser par excellence: stämmig, technisch konservativ wie ein US-V8 und von souveräner Leistungsentfaltung

Ich erreiche das erforderliche Gardemaß für die 360-Kilo-Kawa leider nicht ganz und muss daher weit an den Benzintank heranrücken, die Arme so weit ausgestreckt, dass die Schlüsselbeine knacken. Gefühlt neben dem Vorderrad finden meine Stiefel Halt auf den V-Tech-Rasten. Klare Sache, die Kawa ist ein echtes Männermotorrad. Mit vollem Bass meldet sich der Zwei-Liter-Koloss zu Wort. Wobei die verstellbare Delta+-Anlage die Möglichkeit zu maßvoll dumpf und böse grollend eröffnet – ganz einfach per Dreh mit dem Inbusschlüssel. Logisch, dass nur die leise Stellung gestattet ist.

Wie ein Güterzug setzt sich die VN in Bewegung, schüttelt ihre Kraft ganz locker aus den beiden Zylindern. »Die hat Drehmoment bis Meppen!“, ruft mir Delta-Chef Thomas Lottner hinterher, dazu schnüffelt der Motor lässig aus dem Hypercharger-Pro-Luftfilter. »Die Pro Series hat mehr Luftdurchsatz als der normale Hypercharger, bei zwei Litern brauchst du das schon«, hatte uns Thomas erzählt. EinZahnriemen überträgt die maximal 170 Newtonmeter erstaunlich ruckfrei ans Hinterrad. Apropos ruckfrei: Es erstaunt, wie vibrationsarm dieser Monstermotor mit seinen 12,3 Zentimetern Hub arbeitet. Wie haben die Japaner das nur hinbekommen?

Mit vollem Bass meldet sich der Zwei-Liter-Koloss zu Wort. Wobei die Delta-Anlage je nach Laune des Fahrers maßvoll dumpf bis böse grollend klingt

Ein Delta-Breitreifen-Kit ermölicht den Einbau eines 240er-Reifens in die Serienschwinge. Das etwas trägere Einlenkverhalten passt bestens zum behäbig-bulligen Charakter der dicken VN. Sinnigerweise verfügt das Dickschiff vorne über eine Doppelscheibenbremse mit Vierkolbenzangen, die tatsächlich seriös langsamer macht. Erst beim Abbiegen und später beim Rangieren fällt das gewaltige Gewicht wirklich auf. Hier helfen nur trainierte Muskeln.

Rein äußerlich präsentiert sich die von Delta Custom Bikes präparierte Suzuki M1800R ganz ähnlich wie die VN 2000. Sie verfügt über das gleiche Stiletto-Heck, ein Breitreifen-Kit erweitert das Heckgummi von 240 auf 260 Millimeter, auch hier in der Originalschwinge. Der »Zero Cool«-Lenker ist eine um zehn Zentimeter verbreiterte Sonderanfertigung und steht der Breite des VN-Geweihs in nichts nach. Beide Cruiser sind schwarz, beide poltern aus einer Delta+-Auspuffanlage. »Eigentlich wollte ich gar nicht so viel machen«, blickt Besitzer Karsten über seine 1800er. Delta-Chef Thomas Lottner lacht: »Mancher Zündkerzenwechsel artet halt zum Komplettumbau aus.« Keck ragen zwei Forcewinder-Luftfilter rechts und links neben dem Tank hervor. Mit Geräuschdämpfungs-Kit sind die legal fahrbar, wie überhaupt alles an dem Bike eingetragen ist.

Die kurzhubigere Suzuki klingt anders, nicht so entspannt und tief, sondern aggressiver, knackiger. Und beim drehgierigen Fahren setzt sich dieser Eindruck fort

Nach dem Starten zeigen sich die ersten Unterschiede zur Zwei-Liter-Kawa. Die kurzhubigere, hochtourige und sportlichere Suzuki klingt anders, nicht so entspannt und tief, sondern aggressiver, knackiger. Nahtlos setzt sich dieser Eindruck beim Fahren fort. Auch die 1800er brilliert bei tiefen Drehzahlen, stemmt sich aber bei über 6000 Touren zu beinahe sportlichen Fahrleistungen auf. Weitaus drehgieriger als die VN schnalzt sie durch die Heidelandschaft. Dämpferelemente und hochwertige Doppelscheibenbremsen können gut folgen, aufgrund der Tieferlegung um vier Zentimeter gehören tiefe Schräglagen jedoch nicht zur Spielwiese der M1800R. Wobei der 260er-Hinterreifen einen erstaunlich wendigen Eindruck hinterlässt. »Der 260er-Metzeler fährt spürbar besser als der originale 240er«, berichtet Thomas, als die beiden Big-Banger knisternd am Straßenrand abkühlen.

Aus gleichem Schrot und Korn oder mit völlig anderem Charakter? Was kann die Zwei-Liter-Kawa besser als die gestählte Intruder?

Auch wenn die Kawa souveräner, die Suzuki dynamischer fährt, eint beide Bikes ein wesentliches Kriterium. Ein Umbau der schwülstigen Serienbasis tut dringend Not, er gilt beinahe schon als Notwehr. Delta Custom Bikes hat die erforderlichen Teile an Bord. Und auch für alle Biker mit normaldicken Oberarmen und durchschnittlicher Körpergröße gibts gute Nachrichten: Mit den richtigen Custom-Parts lassen sich auch Boliden wie die VN 2000 oder die M1800R zähmen.
 

Text: Dirk Mangartz
Bilder: Volker Rost




29.12.2014
Text: Dirk Mangartz Bilder: Volker Rost
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