United Tribuns


Die United Tribuns feierten in der vergangenen Saison ihr zehnjähriges Bestehen.
Und sie eröffneten ihre ersten MC-Chapter

Wenn die Brüder einander begrüßen, dann hat das eine orientalische Größe: Sie reichen sich die Hand zum Biker-Gruß, neigen sich zueinander und berühren ihre Köpfe an der linken und an der rechten Seite ihrer Stirn. Dann folgt die Umarmung mit gegenseitigem Klopfen des Rückens. Alles in ausdauernder Würdigung des Augenblicks und damit in atemberaubender Langsamkeit.
Das ist anders als die übliche Härte und Heftigkeit unter Bikern. Die United Tribuns sind auch keine Biker, jedenfalls noch nicht. Aber das erste MC-Chapter hatten sie im April 2014 in Passau eröffnet. Es folgten weitere im gleichen Jahr. Die anderen United Tribuns wollen folgen.
Bis dahin verstehen und verstanden sie sich nie als Streetgang, sondern als Bruderschaft.

United Tribuns

Bruderschaft seit 2004

Die Bruderschaft besteht seit dem Jahr 2004, denn da gründete sich das erste Chapter im schwäbischen Villingen-Schwenningen. Inzwischen führen die United Tribuns 80 Chapter in ganz Europa.
Wir trafen die United Tribuns im schwäbischen Ludwigsburg. Dort residiert ihr Chapter „Dirty South“, das auch an der Umstrukturierung zum MC-Chapter arbeitet. Und dort sprachen wir mit Fritz, er ist Member des United Tribuns MC Nomads und der Sprecher aller United Tribuns.
BN: Fritz, du bist der Pressesprecher der United Tribuns. Dein wievieltes Interview gibst du gerade?

Fritz: Soweit ich mich entsinnen kann, ist es das achte oder neunte.

BN: Du hast auch schon Erfahrungen mit der Bild-Zeitung gemacht. Das Spiel mit den Medien scheint zu eurer Politik zu ge-
hören.


Fritz: Was heißt „Politik“? Wir sind eigentlich für korrekte und ehrliche Fragen und Antworten zu haben. So halte ich es beruflich wie privat. Lügen lohnt sich nicht, da es ja doch rauskommt. Nur die Bild-Zeitung braucht Aufhänger, und sie schreibt sowieso, was sie will – trotz Absprachen.

BN: Ihr seid aber auch Stars für die Boulevard-Medien. Als Stars seid ihr nicht die Guten, sondern die Bösen.

Fritz (lacht): Stars sind wir schon. Ich sehe mich aber eher als so ein Star wie Robin Hood.

United Tribuns

„Meistens kommt die Kritik aus der MC-Szene.“

BN: Wir hatten in der Juni-Ausgabe euer erstes MC-Chapter in Passau vorgestellt. Aber wir wissen, wie wenig unseren Lesern eine Berichterstattung über eure Szene schmeckt. Wisst ihr das auch?

Fritz: Wenn die Berichterstattung dem entspricht, was wir leben, dann kommt das auch bei den Leuten so an. Aber meistens kommt die Kritik aus der MC-Szene, weil gewisse Clubs meinen, dass ihre Clubpolitik die bessere oder richtigere ist. Das sehe ich anders. Nur weil sie Onepercenter sind, heißt das nichts.

BN: Langsam bildet ihr eine Größe, mit der unsere Szene rechnen muss. Wir können euch nicht totschweigen, ihr gründet zunehmend MC-Chapter. Steckt ein Plan da-
hinter?


Fritz: Der Plan ist der Weg und das Ziel: Es fahren sowieso schon viele Member Motorrad, das hat sich einfach so entwickelt. Wir werden MC, weil es die stabilste Sache ist. Aber wir werden keine Onepercenter. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen.

In der Mitte Fritz (United Tribuns MC Nomads)

„Mit uns wird die MC-Geschichte eines Tagesvielleicht neu geschrieben.“

BN: Was ist denn für euch der Unterschied zwischen einem MC und Onepercentern?

Fritz: Onepercenter sind die Outlaw-MCs, die Außergesetzlichen. Wir sind nicht außergesetzlich. Mit uns wird die MC-Geschichte eines Tages vielleicht neu geschrieben.

BN: Wo kommt ihr denn eigentlich her? Eure Wurzeln scheinen hier im Schwäbischen zu liegen.

Fritz: Die Wurzeln unserer Bruderschaft liegen in Villingen-Schwenningen.

BN: Es heißt, ihr seid Kampfsportler, Bodybuilder, Türsteher. Die muskelbepackten Arme auf eurem Colour zeugen davon. Aber was bedeutet euer Name, steht der damit in Zusammenhang?

Fritz: Welche Frage: Was bedeutet United Tribuns? Das ist die Vereinigung einer Elite … das sind wir!

BN: Wie viele Chapter führt ihr überhaupt?

Fritz: Weltweit sind es zur Zeit um die 80 in vielen Ländern Europas.

Zunehmend strukturieren sich die Chapter der United Tribuns um: Sie werden MC-Chapter. Auf dem Rücken tragen sie dann die zusätzlichen Buchstaben ?MC?

„Wir sind keine Streetgang, sondern eine Bruderschaft!“

BN: Als „Streetgang“ wollt ihr nicht mehr bezeichnet werden, zumal ihr zunehmend Member aus anderen MCs aufnehmt. Wo kommen die her?

Fritz: Wir sind keine Streetgang, sondern eine Bruderschaft!
Und, stimmt, viele kommen aus anderen MCs, wo sie unsere Art der Bruderschaft nicht erleben durften. Unsere Mitglieder werden gleich behandelt. Einen guten Tribun macht nicht aus, dass er auf einem World Run Toiletten putzen muss. Das gibt es bei uns nicht.

BN: Gelten entsprechende Regeln? Welche Motorräder fahren die MC-Chapter?

Fritz: Wir haben ein paar Regeln: Wer eine Minute zu spät zur Sitzung kommt, zahlt 50 Euro, und wer in der Sitzung kein Deutsch spricht, zahlt auch 50 Euro. Das sind nur zwei Beispiele.

Am 12. April 2014 eröffneten die United Tribuns das erste MC-Chapter. Der ehemalige Imperium MC Passau feierte das Patchover als United Tribuns MC

Zu den Motorrädern: Wir sind offen für alle, die am Bike Spaß haben.

BN: Die großen Onepercenter werden gerade ziemlich bedrängt, nicht zuletzt wegen der Colour-Verbote. Tun sich da Lücken auf, in die ihr hineinspringen wollt?

Fritz: Nein.

BN: Ihr steht ja schon längst selbst unter Beobachtung der Polizei. Verdirbt das die Laune oder spornt das an?

Fritz: Sagen wir es so: Wir haben Brüder, die fühlen sich dadurch bestätigt. Aber die meisten sehen es kritisch, weil es ja Quatsch ist, was über uns geschrieben und behauptet wird. Der Generalverdacht gegen jeden ist typisch deutsch. Komisch ist nur, dass ein Herr Hoeneß Steuern hinterzogen hat, und trotzdem wird nicht jeder Fußballer oder Manager als Verbrecher gehandelt.

Die United Tribuns im Gespräch mit BIKERS NEWS

„Unser President ist nicht verurteilt!“

BN: Euer President und Gründer ist verurteilt und würde bei uns im Knast sitzen, wenn er nicht im Ausland wäre.

Fritz: Achtung: Unser President ist nicht verurteilt! Und an seiner Stelle wäre ich sicher auch im Ausland.

BN: Auf wessen Seite steht ihr denn nun? Es gibt ein paar Onepercenter, denen es gar nicht schmeckt, dass es euch gibt.

Fritz: Wir stehen auf der Seite, auf der wir stehen. Der Rest interessiert uns nicht. Wir sind mit allen gut Freund und respektieren sie. Das erwarten wir auch im Gegenzug.

BN: Wir haben schon öfter von einer neuen Generation der Rocker geschrieben. Seht ihr euch als diese neue Generation?

Fritz: Nein, so sehen wir uns nicht. Rocker oder Outlaws gab es schon immer. Wir sind eine Bruderschaft und keine Rocker. Daher sind wir auch keine Onepercenter.

BN: Stichwort „Migranten“. Viele große Clubs wollen sie jetzt loswerden. Die Migranten haben ihnen zu viele schlechte Schlagzeilen eingebracht. Wie steht ihr zu dem Thema, landen sie dann bei euch?

Fritz: Da kann man darüber diskutieren, und da hat jeder seine eigene Meinung. Aber wenn wir feindselig gegen Migranten wären, dann hätten wir was gegen andere Kulturen und wir wären Ausländerhasser. Das sind wir nicht. Wir sind multikulti, bei uns hat jeder seinen Platz, egal wo er herkommt.
Die typischen Biker der alten Schule sind uns da manchmal zu rechtslastig. Das heißt nicht, dass wir keine Rechten in unseren Reihen haben. Aber unsere Rechten nennen unsere Moslems „Bruder“!

Unsere Gesprächspartner aus der Führungsriege

„Es gibt Regionen, in denen es knistert.“

BN: Habt ihr eine Botschaft an die Adressen der mittleren und kleinen Clubs? Deren Member sind eine Generation älter, und die sehen in euch eine muskelbepackte Bedrohung. Müssen die sich denn von euch bedroht fühlen?

Fritz: Sollen sie doch kommen ... Aber im Ernst: Wir sind da, und wir fragen nicht, ob wir da sein dürfen. Deshalb gibt es Regionen, in denen es knistert. Aber die United Tribuns üben mit allen anderen MCs oder Clubs den Schulterschluss, wenn das beiderseits erwünscht wird.

BN: Werdet ihr Partys ausrichten oder andere Veranstaltungen, auf denen man euch kennenlernen kann?

Fritz: Ja, sowieso. Das wird anstehen. Grundsätzlich ist jeder eingeladen, der uns respektiert. Aber wir geben nichts öffentlich bekannt, alles erfolgt auf unsere Einladung. Und bei der Gelegenheit verrate ich euch noch eines unserer Gesetze: Es gibt Alkohol auf unseren Partys, aber ein United Tribun wird nicht mittrinken, jedenfalls nicht, solange er seine Farben trägt.

 

Text: Michael Ahlsdorf




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11.02.2015
Text: Michael Ahlsdorf
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