Lynes & Co. - Der Schildermaler


Lynes & Co. Der Schildermaler, Grafikkünstler und Glasvergolder Will Lynes haucht mit seiner Kunst einem vergessen geglaubten Handwerk neues Leben ein. Zu seinen Auftraggebern gehören Restaurants, Hotels, Tattoo-Shops und Biker. Erstaunlich, wie viel Kunst in einem Schild stecken kann, wenn man es richtig macht.


 Die Kunst des Schildermalens
Will Lynes malt Schilder, die aussehen sollen, als hingen sie schon seit 100 Jahren an Häuserwänden. Er beherrscht das traditonelle Kunsthandwerk eines Schildermalers. Was zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als Kunsthandwerk galt, hat es heute schwer. Digitaltechnik, mit der sich Beschriftungen einfach plotten lassen, haben der anspruchsvollen Handwerkskunst stark zugesetzt. Zu teuer, zu aufwändig, zu langwierig.

Um die 1920er Jahre herum, zur Blüte der Lichtspielhäuser, waren Schildermaler vor allem im Kinogeschäft gefragt. In tagelanger und mühsamer Arbeit malten sie die großen Hollywood-Stars auf Transparente, stupften Buchstaben auf Glas und beschrifteten Plakate mit Ölfarbe. Heute heißen Schildermaler "Werbetechniker" – und irgendwann in der Zeit der Umbenennung begann auch der künstlerische Anspruch auf der Strecke zu bleiben, heißt es wehmütig in der Branche. Immerhin: Auch heute gibt es noch Liebhaber und Verfechter der ausgefeilten Tradition, die neben einer ruhigen Hand ein gutes Gespür für Farben und Formen einfordert.

Der Meister bei der Arbeit: Will Lynes
Der Autodidakt: Will Lynes


Will Lynes aus Sydney ist einer dieser Traditionalisten, und zudem ein junger. Der Australier begann seine Karriere als Dekorationsmaler und studierte am Sydney Institute Design Centre Emmore. Seit seiner Jugend interessiert er sich für die Formen von Buchstaben. Als er versuchte, mit älteren Schildermalern ins Gespräch zu kommen, um von ihnen zu lernen, waren sie entweder nicht interessiert oder nicht mehr im Business.

Also las er so viele Bücher wie er konnte und brachte sich das Handwerk selbst bei. Mittlerweile hat er mehr als zehn Jahre Erfahrung und sich auf traditionell handgefertigte und -gemalte Schilder, Mauerwerke, italienische Putzarbeiten und dekorative Malerarbeiten spezialisiert.

Er malt Schilder für Restaurants, entwirft Blattgoldtypografie an Hoteleingängen, dekoriert Café-Fenster mit Schmuckschriften, aber verziert auch Tattooläden, Autos und Bikes. Und die Nachfrage steigt: Immer mehr wächst offenbar der Wunsch nach individuell und liebevoll gefertigtem Artwork. So wird aus einem simplen Werbeschild handwerkliche Kunst mit Ausdruck. Zahlreiche Clubs, Bars und Restaurants in Sydney sind inzwischen Ausstellungsorte für Lynes' Werke, denn vor allem in der australischen Großstadt buchen traditionsbewusste Geschäftsleute den Buchstabenkünstler. Auch jenseits von Down Unders wissen Kunden seine Arbeit zu schätzen.

In England hat Lynes gelernt, Blattgoldbuchstaben auf Glas zu leimen. Es ist seine Lieblingsmethode, Oberflächen so zu vergolden. Für seine Kunden sind das eindrucksvolle Schmuckstücke, die sie an frühere Zeiten erinneren. Vintage-Look. Weil er den liebt, hat auch ein befreundeter Tätowierer Lynes beauftragt, das Schaufenster mit goldenen Buchstaben zu versehen.


Lettering in der Custom-Szene


Four Eyes Tattoo Es sind vielfältige Quellen, die Lynes inspirieren: "Natürliche Alterungsprozesse, so genannte Ghost Signs (handgemalte Schilder, die seit Jahrzehnten oder noch länger an Ort und Stelle verbleiben; Anm. d. Red.), Fotografie, Graffiti und Reisen: Ich versuche immer, meine Kamera bei mir zu haben, um jederzeit Inspirationen einfangen zu können."

Schildermalerei ist eine Kunst, die sich nicht auf den ersten Blick offenbart: Ständig sehen wir massenhaft Reklameflächen, doch deren feine Ästhetik versteckt sich oft hinter plakativen Markenzeichen, Werbebotschaften und Slogans. Mit seinem Old-School-Handwerk offenbart Lynes bewusst diese sonst so verborgene gestalterische Komponente im Werbeschilddesign. Durch technologische Neuerungen zwar abgedrängt und zur Besonderheit geraten, erinnert das Kunsthandwerk der Schildermalerei umso intensiver daran, dass auch Schriftzüge und Werbeschilder Ausdruck der Persönlichkeit eines Künstlers sind.


Bilderstrecke: "Lettering" ist "back to the roots": Die eigentlich veralteten Techniken finden ihr Comeback nun auch in der Custom-Szene. Lettering wird immer beliebter, so wie es einst das Pinstriping wurde. Will Lynes gibt einen Einblick in seine Arbeit an einem Motorrad-Tank, den er für die australische Classic und Custom-Motorrad-Show "Throttle Roll" veredelt hat.

Will Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted TankWill Lynes Custom Painted Tank

Die Arbeitsschritte: Zunächst wurde der Tank mehrfach abgeschmirgelt, um etwaige Unebenheiten auszubessern. Dann wurde eine dünne Leimschicht aufgetragen, die nach der Trocknung mit einer Schicht Blattsilber bedeckt wurde. Dies wurde dann mit einer Lasur überzogen, um den fleckigen, unregelmäßigen Look der Grundierung zu erhalten. Das Blattsilber schimmert nun leicht durch und der Tank bekommt mit einem bernsteinfarbenen Überzug einen feinen Retro-Look. Anschließend hat Will sein Design und die Buchstaben aufgetragen.

Mehr von Lynes & Co. gibt es auf seiner Website, seinem Blog oder unserer Bildergalerie zu sehen.



Text: ST/RNR
Bilder: © Lynes & Co.




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04.10.2013
Text: ST/RNR Bilder: © Lynes & Co.
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