Harley-Davidson in Deutschland


Die Firma Suck in der Hamburger Karolinenstraße, ZwanzigerjahreAm 12. Mai stieg in der Harley-Zentrale in Neu-Isenburg bei Frankfurt eine große Party. Das Team von Harley-Davidson Germany feierte mit Händlern, Customizern, Journalisten und anderen geladenen Gästen das 35-jährige Bestehen –
am 12. Mai 1981 war Harley-Davidson Germany GmbH als solche offiziell ins Handelsregister eingetragen worden.
Doch die Geschichte von Harley-Davidson in Deutschland ist älter als 35 Jahre. Bereits 1910 bringt der Hamburger Georg Suck die ersten Harleys über den großen Teich. In seinem Betrieb im Karolinenviertel hat der damals 20-jährige Schlosser zuvor Fahrräder verkauft – und alles repariert und gewartet, was zwei- oder vierrädrig „rauchte, stank und Krach machte“. 1910 bittet ihn dann ein Hamburger Reeder, seine Harley zu warten, die er sich aus den Staaten mitgebracht hat. Suck organisiert sich die nötigen Ersatzteile aus den USA und erledigt den Job. Weil er Spaß an dem außergewöhnlichen Motorrad hatte, bestellt er auf eigene Faust einige Bikes. Die bringt er auch problemlos an den Mann, schließlich ist Hamburg schon damals eine reiche Stadt.Die Firma Suck im Hamburger Nagelsweg, Sechzigerjahre
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sucht die Company einen offiziellen Partner in Deutschland – und entscheidet sich für den kompetenten Hamburger, dessen guter Ruf sich bis in die amerikanische Chefetage herumgesprochen hat. Erst wird er die offizielle deutsche Auslandsvertretung, 1924 dann offizieller Importeur. In den Zwanziger- und Dreißigerjahren kann
 
er jährlich bereits rund einhundert Maschinen in ganz Deutschland verkaufen. Über Hamburg läuft damals auch der Ersatzteilhandel: Suck bestellt die Teile und leitet sie an die Werkstätten weiter, in denen die amerikanischen Bikes repariert werden. Nach der Machtergreifung der Nazis ist es damit weitestgehend vorbei. Ein Importverbot für Waren aus den USA macht es Suck und seinem Team unmöglich, neue Motorräder oder Zubehör zu importieren. Trotzdem hält er das Geschäft im Verborgenen und auf niedrigem Level am Leben, denn irgendwie lassen sich selbst in Nazi-Deutschland Teile besorgen.

Ewald Suck hat das Geschäft seines Vaters 1961 übernommenSpäter, als Georg Suck und sein Sohn Ewald an der Front sind, wird ihre Werkstatt durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Mit vierzig Mark Startkapital bauen Vater und Sohn sie nach dem Krieg wieder auf. Da weder neue Motorräder noch Ersatzteile vorhanden sind, bringen sie zunächst mit selbstgefertigten Teilen die Bikes zum Laufen, die verschüttet oder von ihren Besitzern zerlegt worden sind, damit sie während des Krieges nicht eingezogen werden können. Erschwerend kommt ein neues Handelsverbot hinzu, dieses Mal von der anderen Seite: Die Amerikaner verbieten den Export an die Deutschen, die sie gestern noch bekämpft haben. Erst 1956 wird dieses Verbot aufgehoben, doch die beiden wissen sich durch ihre guten Beziehungen zu Harley in den USA bereits vorher zu helfen: Die Company schickt die benötigten Teile einfach als „Geschenk“. „Dafür bin ich heute immer noch dankbar“, erinnert sich Ewald Suck 2003 im Interview mit unserem Schwestermagazin DREAM- MACHINES. „Es war wie ein Kredit ohne Unterschrift. Das zeugte von absolutem Vertrauen. Die Rechnung von 1956 hätten Sie mal sehen sollen, doch so sicherte Harley sich den Verkauf in Europa.“

 Jahrelang war die Anlaufstelle für Harleys in Hamburg in dieser unter Bahnschienen gelegenen Behausung untergebracht ? als die Company es schicker wollte, machte die Firma Suck nicht mit, sondern zuAb 1956 ist die Firma Suck der neue, alte „Generalimporteur“. Eine schwere Zeit, denn nur wenige können oder wollen sich eine Harley leisten. Wer Geld hat, kauft sich ein Auto. Und wenn dann noch Geld für ein Motorrad übrig ist, fällt die Wahl selten auf das amerikanische Eisen, das damals fast doppelt so viel kostet wie vergleichbare europäische Fabrikate. 1961 übernimmt Ewald Suck dann offiziell den Laden, nachdem sein Vater verstorben ist. Zunächst mit seiner Mutter, später dann mit seiner Frau, die er auf einem Harley-Treffen kennenlernt. Zu dieser Zeit hat die Firma den wirtschaftlichen Tiefstand Ende der Fünfziger bereits überstanden und profitiert davon, Harley-Davidson die Treue gehalten zu haben.
In den Siebzigerjahren besetzt Harley die Rolle des Generalimporteurs dann mit „Eysel Motorsport“ aus Langenselbold neu. Von 1971 bis 1974 ist die Firma der einzige Importeur, danach übernimmt die Firma „AMF-Tyrolia“ diese Aufgabe, eine Tochterfirma des großen AMF-Konzerns, zu dem Harley damals zeitweise ebenfalls gehört – „was uns gar nicht schmeckte“, wie Ewald Suck seinerzeit erzählt. „Wir und auch die anderen Händler hingen mit Herzblut an der Sache und wir sollten unsere Maschinen plötzlich über eine Firma beziehen, die auch Kaffeemaschinen verkaufte – das passte nicht.“

Von 1971 bis 1974 war ?Eysel Motorsport? aus Langenselbold Harleys deutscher Generalimporteur ? hier das Cover des Katalogs von 1972Zwischen 1974 und 1976 gibt es in Deutschland keinen offiziellen Importeur mehr, in dieser Zeit wurden pro Jahr nur einige Dutzend neue Harleys verkauft. Allein einige engagierte Händler sorgen für diesen Nachschub, vor allem Erich Krafft aus Ludwigshafen, der 1969 der erste deutsche Member der Mannheimer Bones geworden war (siehe „Back to the Roots“ auf Seite 26). Er holt die Bikes in Eigenregie nach Deutschland. Als die Company, die seinerzeit noch immer unter der Regie des AMF-Konzerns steht, im Jahr 1976 in Groß-Gerau eine Werksniederlassung in Deutschland gründet, wird Erich Krafft zu einem der ersten Vertragshändler in Deutschland, bis er sein Geschäft 1982 an seine Mitarbeiter übergibt. Harley-Davidson Rhein-Neckar ist damit neben den Niederlassungen in Bremen und Schaafheim der älteste Harley-Laden Deutschlands, am 2. Juli feierte das Team das 40-jährige Jubiläum im Rahmen des Sommerfestes. Die Niederlassung betreibt seit den ersten Tagen auch das einzige Auslieferungslager für die US-Streitkräfte in Deutschland. „Wir betreuen gemeinsam mit ,Military Car Sales‘ die entsprechenden Importe sowie Auslieferungen und verfügen deshalb über ein entsprechendes Zolllager“, so Geschäftsführer Thomas Gärtner, der den Betrieb seit 1982 leitet.

Erich Krafft * 22.05.1939, ? 25.06.2013.  BIKERS-NEWS-Gründer Fips widmet seine aktuelle Kolumne seinem ehemaligen Bones-Bruder 1981 wird die deutsche Werksniederlassung schließlich GmbH – sie arbeitet nach einigen Ortswechseln im Rhein-Main-Gebiet seit rund drei Jahren von Neu-Isenburg aus. Rund 50 Mitarbeiter kümmern sich hier ums Marketing, die Betreuung der Händler und Finanzdienstleistungen – trotzdem bleiben ölverschmierte Finger nicht aus, wie uns Dr. Christian Arnezeder, der Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz, im Interview erzählte ...

Text: Tilmann Ziegenhain
Bilder: Ben Ott, Archiv DREAM-MACHINES, Archiv H-D Rhein-Neckar, Archiv BIKERS NEWS




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04.08.2016
Text: Tilmann Ziegenhain Bilder: Ben Ott, Archiv DREAM-MACHINES, Archiv H-D Rhein-Neckar, Archiv BIKERS NEWS
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Stand:17 December 2018 18:15:54