Happy Birthday


Die beiden prominentesten Member des
Hells Angels MC feiern ihren 75. Geburtstag


Poker Run in Arizona. Johnny Angel wertet die Resultate. Er grinst verschmitzt einen Teilnehmer an: „Da hast du kein Glück gehabt!“ Mit Schwung wirft er den Umschlag in die Mülltonne. Zwanzig Meter weiter haben zwei Freebiker mehr Glück. Sie posieren gemeinsam mit Sonny Barger für ein Erinnerungsfoto. Zwei Legenden im vollen Einsatz, zwei berühmte Namen zum Anfassen, zwei große Figuren im Dauerstress: Die Hells Angels-Ikonen zelebrieren ihren Anniversary. Unfassbar die Zahlen: Johnny Angel und Sonny Barger sind seit mehr als einem halben Jahrhundert Mitglied in ihrem Club. Johnny ist 54 Jahre, Sonny ist 56 Jahre dabei. Zweifellos sind beide die berühmtesten Rocker der Welt. Und beide feiern sie in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag.

Johnny Angel und Sonny Barger: Zwei Biker-Legenden auf einem Foto
Johnny Angel und Sonny Barger: Zwei Biker-Legenden auf einem Foto

Auf den Spuren der Hells Angels-Großväter

Zehn Tage in Phoenix, Arizona, zehn Tage auf den Spuren der legendären Hells Angels-Großväter. Es sind sehr tiefe Spuren, denn in diesen Tagen kommt man kaum an ihnen vorbei. Geradezu überall präsent ist Sonny Barger. Er wusste schon immer, wie man sich gut vermarktet. Profitiert hat davon neben ihm selbst vor allem sein Club. Wenn man heute Negatives von den Hells Angels hört, hat das mit Barger nichts zu tun. Er scheint geradezu abgekoppelt vom Bild des Clubs in der Öffentlichkeit. Allerorten werden ihm Respekt und sogar Ehrerbietung entgegengebracht, ein Autogramm von ihm oder ein gemeinsames Foto haben enormen Wert – für seine Brüder, für andere Biker und auch für Menschen, die gar kein Motorrad fahren.

Sonny steht für alles, was sich die Menschen aus der guten alten Zeit zurückwünschen: Ehrliche Werte, klare Kante, echte Zugehörigkeit. Wenn Sonny Barger mit seiner wilden Horde einfiel, dann waren die Fronten abgesteckt, wurden die Töchter im Haus gehalten und die Kneipen gemieden. Gut und schlecht waren noch übersichtlich geordnet, die Rollen klar verteilt. Über die meisten Missetaten von damals ist Gras gewachsen, und vieles scheint regelrechter Kinderkram gewesen zu sein.

Natürlich war nicht alles harmlos, das beschreibt Sonny selbst in seinen Büchern, doch das kollektive Gedächtnis kann verzeihen. Wie anders ist es erklärbar, dass Sonny sich auf seiner eigenen Homepage ohne Widerspruch als „American Legend“ bezeichnet? „Maybe the baddest man on two wheels“ schrieb mal der Rolling Stone. Das war einmal. Und so profitiert der Club zumindest in den Vereinigten Staaten vom „Chief“, wie Sonny Barger allgemein genannt wird, obwohl er es auch nach eigener Aussage längst nicht mehr ist.


Autogramme und Fotos gehören zum Tagesprogramm
Autogramme und Fotos gehören zum Tagesprogramm


Den vollständigen Text lest ihr in der aktuellen Ausgabe der BIKERS NEWS
 

Im Rampenlicht der Öffentlichkeit

Seine Jahre in den Gefängnissen von Kalifornien und Arizona sowie das Alter haben Sonny milder werden lassen, wenngleich er selbst von sich sagt, dass er schon immer „eher sanft und entspannt war und für eine ausgeglichene Situation“ sorgen wollte. Bewundernswert sind seine Geduld, seine Ausgeglichenheit. Keinerlei Allüren, stets freundlich und gut gelaunt steht er in der Öffentlichkeit. Er scheint die Wünsche nach Fotos und Autogrammen zu genießen. Woher sonst nimmt ein fast 75-Jähriger die Kraft und den Willen, sich zehn Tage hintereinander in ein Kino zu begeben, sich zwanzig oder dreißig Mal den gleichen Film reinzuziehen und dazwischen mit jedermann zu posieren?

Eine Woche lang hatten wir die Gelegenheit, Sonny zu treffen. Wir fuhren mit ihm im Pack, fütterten seine Pferde, saßen in seiner Küche und unter seinem Sonnendach an seinem Tisch. Wir beobachteten ihn auf den Film-Releases im Super Saver Silver Cinema in Phoenix, beim Box-Event im Chino Valley, auf dem Poker Run anlässlich des Anniversary. Überall sprachen die Leute hochachtungsvoll von Sonny, aber die wenigsten hatten die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Der berühmte Hells Angel kann nicht alles bewältigen. Einen Moment, in dem er allein steht oder sich selbst überlassen bleibt, gibt es nicht.

Gelegentlich sahen wir ihm an, dass er dem ganzen Rummel am liebsten entflohen wäre: Die Sekunde, als er sich von der Menge auf seinem Grundstück absetzte und allein bei seinen Pferden stand. Der Moment, als er sinnierend in der Küche den Gesprächen der jungen Mädchen lauschte, die mit ihren Freunden, meist Angels aus Kalifornien, gekommen waren. Oder die halbe Stunde inmitten des belebten Lokals, als ihn sein Bodyguard „Cowboy“ abschirmte, so dass er wenigstens in Ruhe etwas essen konnte.


In der Küche führen die Ladys das Regiment
In der Küche führen die Ladys das Regiment

„Meine Frau hält mich auf Trab“, kokettiert er mit dem Alter. In Wahrheit ist ihm Zorana engste Helferin, Managerin und Kommunikatorin zugleich. Sie erledigt die Mails, kümmerte sich beim Filmdreh um alles Mögliche und ist fast immer an seiner Seite zu finden. Man kennt das Sprichwort ja: Ein Mann ist nur so stark wie die Frau an seiner Seite. Und Zee (54) ist stark und selbstbewusst, und das endet nicht am Tor des Grundstücks. Sie fährt eine Victory, wie ihr Mann, und sie begleitet ihn auch auf den vielen Fahrten, die sie oft in einem Ritt bis in die Bay Area nach Oakland führen. 750 Meilen, also fast 1200 Kilometer, liegen zwischen den beiden Orten, die Sonnys Lebensmittelpunkte waren.

 

Sonny studiert die BIKERS NEWS mit dem letzten Artikel über ihn
Sonny studiert die BIKERS NEWS mit dem letzten Artikel über ihn

„Ich würde liebend gern nach Deutschland kommen.“


Auch Donna ist eine starke Frau. Sie lebt mit ihrem Mann John Palomar, besser bekannt als „Johnny Angel“, 50 Meilen entfernt. Hier, mitten in der Wüste, wo es im Sommer schnell mal bis zu 55 Grad heiß wird, kämpft sie gegen ein tückisches Schicksal. Ihr Sohn Jamie ist komplett auf ihre Hilfe angewiesen, kann nicht reden, nicht essen, sich nicht bewegen. Und das seit 19 Jahren, seit seiner Geburt. Die Tage, an denen sie aus dem Haus kommt, zählt sie an einer Hand. Jamie braucht ihre volle Kraft, denn er besucht die Schule und hat Bedürfnisse wie andere 19-Jährige auch. Ihr Mann, Johnny, hat sich in den 54 Jahren seiner Zugehörigkeit zu den Hells Angels selten geschont. Heute stellt er fest: „An mir ist alles kaputt.“ Das Alter halt. Viele Arztbesuche, doch eine Operation der Bandscheiben kommt nicht in Frage. „Niemals. Ich kenne viele, wo das überhaupt nichts gebracht hat. Dann halte ich lieber die Schmerzen aus!“
Doch unterkriegen lässt er sich nicht. Johnny besucht die Meetings des Clubs, er nahm die Strapazen der Reise zum World Run in Ungarn auf sich, und er diskutiert mit seiner Frau über eine Einladung der deutschen Brüder. „Ich würde liebend gern nach Deutschland kommen. Mal sehen, ob es gehen wird.“


Sonny schleicht sich an Johnny heran und überrascht seinen Freund
Sonny schleicht sich an Johnny heran und überrascht seinen Freund

So trägt er seine Bürde eben, wie er gelebt hat: Unangepasst und gegen den Strom. Er macht, was er will, und das konsequent. Niemals das, was man erwarten würde. Und er hat nach wie vor seinen Spaß daran. Er sagt, dass er trotz allem glücklich ist. Und wenn wir ihn lachen hören, auf seine liebenswerte, herzliche Art, wenn er sich über einen kleinen Joke freut, mit dem er uns kurz verunsichert hat, dann glauben wir ihm das gerne.

In der BIKERS NEWS 10/13 geht es noch weiter mit Sonny Barger, er redet über sein Alter, den Ruf seines Clubs und über seinen neuen Film „Dead in 5 Heartbeats“.


Die Darsteller des Filmes im Original. Die Kutten sind echt, sie werden im wahren Leben getragen
Die Darsteller des Filmes im Original. Die Kutten sind echt, sie werden im wahren Leben getragen


Text: Jens Fuge


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BIKERS NEWS 25.09.2013
Text: Jens Fuge
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