Der weiße Riese


In Deutschland kommt die V-Rod noch immer gut an.
Wir haben eine aus Oberfranken getestet



Immer wieder kursieren böse Gerüchte: Die Tage der V-Rods sollen gezählt sein, die Company würde eines Tages die Produktion einstellen. Die Amis scheren sich nicht um den deutschen Markt, der nur einen Bruchteil ihres Heimatmarktes ausmacht. Und die wassergekühlten Powercruiser sind in den Staaten nicht besonders beliebt. So nutzen wir jede sich bietende Gelegenheit, schnell noch eine Muscle zu fahren.

Typisch für V-Rods: Die Klappmesser­haltung
Typisch für V-Rods: Die Klappmesser­haltung

Die letzte ihrer Art?

Bertl’s aus Bamberg hat uns eine 2011er Muscle ausgesucht. Sie strahlt uns in weißem Lackkleid mit zarten Pinstripes an. Bereit, uns mit dem satten Punch ihres V-Twins in den Hintern zu treten. Eine Überraschung wäre das nicht, wir wissen ja schon lange, was das Muskelpaket kann.
Die Farbe steht ihr übrigens verdammt gut. Geblendet von so viel Weißheit fällt uns auf den ersten Blick gar nicht auf, dass sie mehr oder weniger im Serientrimm auf ihren Ausritt wartet. Also das übliche Spiel aus Sitzprobe und Entfaltung der Extremitäten. Und da ist es auch wieder, das vertraute Gefühl, sich einem Taschenmesser gleich zusammenzufalten, damit die Füße die vorverlegten Fußrasten finden und die Arme trotzdem noch den Lenker zu greifen bekommen. „Dragstyle“ nennt man das.
Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Auf einem echten Dragster stemmen sich die Füße ganz weit hinten in die Rasten und der Fahrer liegt mit dem Oberkörper auf dem Tank. Egal, der Druck auf den Anlasserknopf beendet den geistigen Ausflug auf die Rennstrecke. Vor uns liegen schließlich öffentliche Straßen.

Bertl’s V-Rod

Soundorgie aus dem Wasser-Twin

Als der 60°-Twin losbrüllt, zucken wir kurz zusammen. Ganz schön laut. Ein Blick nach unten liefert auch gleich die Erklärung: Eine 2-in-2-Anlage von Jekill & Hyde liefert diese Mörder-Akustik. Und bei der Muscle heißt 2-in-2 ein Topf rechts, ein Topf links. Verdammt, sieht das cool aus. Jetzt nur noch den Geheimknopf finden, damit wir komplett offen fahren können. Schließlich wollen wir das volle Programm genießen. No risk, no fun. Die Cops wissen inzwischen auch um den Kill-Switch, mit dem sich die Anlage manuell steuern lässt. So werden Fahrzeugkontrollen immer wieder zu einem lustigen Suchspiel.
 

In der Ortschaft lassen wir es gemächlich angehen. Dritter Gang, lässiges Bummeln. Wir wollen uns nicht gleich den Zorn der Oberfranken auf uns ziehen. Dann passieren wir das Ortsschild. Freie Bahn. Gashand abknicken und die Soundorgie genießen. Wer braucht schon „Social Soundcontrol“? Wir jedenfalls nicht. Der Revolution-Motor schiebt gewaltig an und beschleunigt das Muskelpaket ganz schnell jenseits der auf Landstraßen zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Im lang übersetzten fünften Gang nehmen wir wieder etwas Gas zurück, der Fahrtwind zerrt am T-Shirt. Nach dem sechsten Gang suchen wir erst gar nicht. Die V-Rod hat nämlich keinen.
Der Geradeauslauf ist perfekt, die Muscle liegt wie genagelt. Mal sehen, wie sie sich in den Hügeln um Bamberg schlägt.

Den 60°-Revolution-V2 hat Sportwagenbauer Porsche mitentwickelt
Den 60°-Revolution-V2 hat Sportwagenbauer Porsche mitentwickelt

Und jetzt die Kurven!

Die ersten schnellen Kurven nimmt Bertl’s Muscle im Galopp. Wir können das Gas stehen lassen. Dann wird es enger und steiler. Vor einer Kehre müssen wir zwei Gänge runter. Die dritte Fahrstufe reicht. Bei dem Drehmoment schiebt die Fuhre auch untertourig durch die Serpentinen. Trotz des langen Radstandes und der fetten 240er-Walze bleibt sie dabei erstaunlich handlich. Wer sich auf der Muscle bewegt und nicht wie versteinert im Sitz kleben bleibt, kann mit dem 300 Kilo schweren Eisenhaufen verdammt schnell unterwegs sein. So schnell und so schräg, dass die gefürchteten Kratzgeräusche das Ende der Freiheit vermelden. Weiter runter geht es eben nicht, sonst droht der Abflug. Abgesehen davon sind die feinen Rasten aus der Skull Collection von Harley nicht gerade billig. Und halb abgefräst sehen sie einfach bescheiden aus.

Der seitliche Kennzeichen­halter ist nur in den USA Serie. Bertl’s hat ihn  modifiziert
Der seitliche Kennzeichen­halter ist nur in den USA Serie. Bertl’s hat ihn modifiziert

Italienische Beißer

Die Stopper haben übrigens keine Mühe mit der V-Rod. Die Bremsen kommen vom Spezialisten Brembo und ankern extrem gut. Aber auch das spät regulierende ABS ist keine Garantie für sturzfreies Fahren. Und vor schweren Fahrfehlern bewahrt es den Treiber schon dreimal nicht. Zeit also, wieder in den Cruising-Modus zu schalten und runterzukommen. Mental zumindest.
Irgendwann geht der Trip durch die ober­fränkische Landschaft zu Ende. Kurven, Sonne und das dumpfe Gebollere des starken Triebwerks. Solche Tage dürfte es öfter geben. Wie oft noch, wenn es eines Tages keine V-Rod mehr gibt?

Bertl’s V-Rod
 

        Technische Daten       

Bertl’s V-Rod
  • Baujahr    2011
  • Motor    Zweizylinder-Viertakt-60-Grad-V-Twin, flüssigkeitsgekühlt
  • Hubraum    1247 ccm
  • Bohrung/Hub    105 mm/72 mm
  • Verdichtung    11,5 : 1
  • Leistung    89 kW (121 PS) bei 8250 U/min
  • Drehmoment    115 Nm bei 6500 U/min
  • Getriebe    Fünfgang
  • Sekundärtrieb    Riemen
  • Rahmen    Doppelschleifen-Stahlrohr
Federung

  • vorn    Upside-down, Ø 43 mm, Federweg 102 mm
  • hinten    Leichtmetall-Zweiarmschwinge, Federweg 74 mm
Bremse
  • vorn    300-mm-Doppelscheibe, Vierkolben-Festsattel, ABS
  • hinten    300-mm-Scheibe, Vierkolben-Festsattel, ABS
Rad
  • vorn    3 x 19 Zoll Fünfspeichen- Leichtmetall-Gussrad
  • hinten    8 x 18 Zoll Fünfspeichen- Leichtmetall-Gussrad
Reifen
  • vorn    120/70 ZR 19 60W
  • hinten    240/40 R 18 79V
  • Radstand    1700 mm
  • Leergewicht    307 kg
  • Tankinhalt    18,9 Liter
Änderungen:
  • Motor    modifizierter Luftfilter und Luftfilterkasten
  • Auspuff    Jekill & Hyde 2-in-2
  • Nummernhalter    H-D, seitlich, nicht klappbar
  • Griffe    H-D Skull Collection
  • Rasten    H-D Skull Collection
  • Fußhebel    H-D Skull Collection
  • Sonstiges    Frontend, Schwinge, Pulley, Riemenschutz und Hupe schwarz beschichtet

Bertl’s Harley-Davidson & Buell
Im Maintal 9, 96173 Unterhaid/Bamberg
Tel: 09503-502900
kontakt@harley-bamberg.de
www.harley-bamberg.de



Text: Christian Heim
Bilder: Volker Rost


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BIKERS NEWS 26.02.2014
Text: Christian Heim Bilder: Volker Rost
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Stand:22 October 2019 15:45:54 Warning: fopen(cache/3d54201ec6b8d86b3c54fdd42e079c2e.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165