Biker-Demo in Kiel gegen Diskriminierung und Kuttenverbote


Über 300 Biker demonstrierten am 22. September in Kiel gegen Diskriminierung und Kuttenverbote

Seit 1993 gibt es den MC Kiowa im schleswig-holsteinischen Groß Kummerfeld. In diesen knapp 20 Jahren war es nie ein Problem, wenn die Kiowas befreundete Clubs besuchten oder zu Events, wie Kieler Woche oder Motorrad-Weihnachtsmarkt Neumünster, fuhren. Doch seit dem Beginn der Schlagzeilen um die Rockerszene im Jahr 2009 und der darauffolgenden „Null-Toleranz-Strategie“ der Behörden mit Kutten- und Clubverboten ist es vorbei damit. Nirgendwo könne man mehr hinfahren, ohne vollständig kontrolliert zu werden, so Kiowa-President Klaus-„Willi“ Meyer. Und das nur, weil man eine Kutte trage.


Polizeispezialisten nahmen Harleys unter die Lupe.  Sieben Bikes wurden eingezogen
Polizeispezialisten nahmen Harleys unter die Lupe. Sieben Bikes wurden eingezogen

Gegen den Generalverdacht

Offenbar enden rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unschuldsvermutung mit dem Tragen einer Lederweste. Gegen diese Diskriminierung wollten die Kiowas etwas unternehmen. Deshalb riefen sie über ihre Homepage zur Demo auf: „Gemeinsam fahren und für unsere Rechte kämpfen“ lautete das Motto.

Die Reaktion der Behörden folgte prompt. Bereits am Donnerstag vor der Demo ließ Innenminister Andreas Breitner (SPD) verbreiten, es sei zu befürchten, dass kriminelle Rocker-Organisationen wie Hells Angels und Bandidos die friedlichen Biker für ihre Zwecke instrumentalisierten. Er rief die Biker auf, sich von entsprechenden Vereinigungen zu distanzieren. Breitner: „Seien Sie auf der Hut und lassen Sie sich nicht für falsche Zwecke missbrauchen.“

Foto: Jogi, Der Korso setzte sich unter Polizeibegleitung in Bewegung
Der Korso setzte sich unter Polizeibegleitung in Bewegung

Verstärkte Kontrollen

Treffpunkt der Demo war das Clubhaus der Kiowas in Groß Kummerfeld. Bereits auf dem Weg dorthin führte die Polizei Kontrollen durch.
Wir hatten im Januar über das in Baden-Württemberg eingesetzte „Kompetenzteam Motorrad“ berichtet. Seine Polizeispezialisten sind besonders im Umgang mit Harleys geschult und sollen auf die Rockerszene angesetzt werden. Und in der Tat hatte die Polizei besondere Kollegen nach Groß Kummerfeld beordert, die schon beim ersten Blick auf ein Bike erkennen, ob etwas nicht stimmt. Das erklärte Lothar Gahrmann, Pressesprecher des Landespolizeiamts (LPA) Schleswig-Holstein. Sieben Bikes wurden schon vor der Demo aus dem Verkehr gezogen, und der zuständige Spezialist von der Polizei schwäbelte verdächtig.
 

Als Willi gegen 13 Uhr auf sein Bike stieg, um die Demo als Road-Captain anzuführen, waren laut Strichliste der Kiowas bereits 300 Biker vor Ort. Über die Bundesstraße 430 ging es dann nach Bornhöved, Stolpe und über die B404 in Richtung Kiel. Dort fuhr der Konvoi über den Theodor-Heuss-Platz, Bahnhofstraße, Kai und Wall in den Düsternbrooker Weg zum Innenministerium – natürlich unter polizeilicher Begleitung. Diese hatte LPA-Sprecher Jürgen Börner ebenso wie die Kontrollen zuvor angekündigt: Die Polizei sei für eventuelle Ausschreitungen „gut aufgestellt“.

Vor dem Kieler Innenministerium: Polizei und Veranstalter
Vor dem Kieler Innenministerium: Polizei und Veranstalter zählten über 300 Biker und Bikes
Über 300 Biker und Bikes

Umstrittene Kuttenverbote


Zur Kundgebung vor dem Innenministerium waren rund 40 weitere Biker dazugekommen. Kiowa-President Willi und Carlo von der Biker Union machten ihrem Ärger gegen „ein generelles Kuttenverbot in Deutschland“ und „die Diskriminierung von Bikern“ Luft. Die Biker Union hatten sich die Kiowas zur organisatorischen Unterstützung dazu geholt. Carlo widersprach in seiner Rede Stefan Jung, dem Pressesprecher des Landeskriminalamts (LKA) Schleswig-Holstein, der zuvor gegenüber den Medien behauptet hatte: „Ein Kuttenverbot gibt es nicht, wird es nicht geben und wird auch nicht diskutiert.“ Carlo hielt dagegen: „Ja, Herr Jung, das wissen wir natürlich auch, wir sind ja nicht dumm. Wir können sogar lesen! Und deshalb wissen wir, dass es in Bremen ein Kuttenverbot gab, in Kiel und auch hier in Neumünster.“

Zur Erinnerung: In Bremen wurde im Mai 2011 ein Kuttenverbot für den Bereich der östlichen Bahnhofsvorstadt verhängt. Es wurde untersagt, „Bekleidungsstücke zu tragen, die mit Abzeichen und Emblemen von Motorradgruppierungen versehen sind, soweit sich diese mit Abzeichen und Emblemen auf sog. Outlaw Motorcycle Gangs beziehen.“ Das Verbot bezog sich auf die Kutten der Hells Angels, Red Devils, Mongols, Bandidos und Gremium sowie die Schriftzüge „AFFA“, „DFFD“, „MFFM“, „The Big Red Machine“, „Red Light Crew“, „Respect Few, Fear None“, „Expect no mercy“, „1%er“, „1% in einer Raute“ und die Bezeichnungen „Outlaw Motorcycle Gang“ oder „Outlaw Motorcycle Club“.

In Kiel wurde ebenfalls 2011 für den Zeitraum der Kieler Woche ein befristetes und örtlich begrenztes Verbot bestimmter Bekleidungsstücke angeordnet. In beiden Fällen wurden die Kuttenverbote nachträglich durch Urteile von Oberverwaltungsgerichten aufgehoben. Im Kieler Fall hatte ein Mitglied des „MC Dirty Packs 78“ aus Brunsbüttel erfolgreich geklagt, wir hatten darüber berichtet.
 

Für den Motorrad-Weihnachtsmarkt Neumünster galten 2011 neben einem Kutten-verbot auch spezielle Auflagen, wie ein zertifizierter Ordnungsdienst. Neben den genannten Clubs waren hier auch Clubs der mittleren Liga vom Kuttenverbot betroffen, darunter die Tiger’s, Legion 81, Skymessenger MC, MC Dirty Packs, Zaida MC, Brigade 81, Räuber MC, Headhunters MC, Atrox MC, Contras MC, Chicanos MC, El Cazadores und der MC Snake Eyes.

Schlusspunkt der Demo waren die Holstenhallen ...
Schlusspunkt der Demo waren die Holstenhallen ...

„Ein richtig guter Tag!“

Gegen 15 Uhr fuhr der Konvoi weiter über die Landesstraße 318 nach Neumünster zu den Holstenhallen. Dort blieb Willi nur noch die Aufgabe, allen für ihre Teilnahme zu danken. „Ich fand den Tag richtig gut! Ein Hoch auf euch!“ Er hofft, dass nach der friedlichen Demo auch der Bevölkerung klar ist, dass nicht alle Biker kriminell sind.

... dort dankte der Kiowas-President allen Teilnehmern (www.mc-kiowa.de)
... dort dankte der Kiowas-President allen Teilnehmern (www.mc-kiowa.de)


Text: Julie Hecker


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BIKERS NEWS 22.10.2012
Text: Julie Hecker
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