Pro Modified Dragster - Hot Rods From Hell


NitrOlympXBis zu 4000 PS in einem Chevy Bel Air oder einem Willys Coupe? Acht-Liter-V8-Kompressor-Motoren, elf Liter Hubraum mit Lachgas oder zwei Turbos so groß wie eine Pizza? Drag Racing ist ein spektakulärer Sport und die wildesten Kreationen sind mit Sicherheit die Pro Mods. Bei den NitrOlympX in Hockenheim sind sie die absoluten Publikumslieblinge.

Vom 8.-10. August ist die größte Motorsport-Show Europas wieder zu Gast auf dem Hockenheimring. Motoren lassen die Tribünen bis in die oberste Reihe vibrieren, Nitromethan beißt in den Augen und der Nase, meterhohe Flammen schlagen aus den Auspuffrohren und 50.000 Menschen feiern ihre Helden in den feuerfesten Anzügen: Es ist Drag-Racing-Zeit in Hockenheim. Neben der Königsklasse Top Fuel, den Raketen auf Rädern, die in unter vier Sekunden Geschwindigkeiten jenseits der 500 km/h erreichen, sind die ungezähmten Pro Mods das Highlight des Wochenendes. Aber was sind Pro Mods eigentlich?

Pro Mod ist eine Klasse im Drag Racing, die sich Anfang der Neunziger parallel an der West- und Ostküste der USA entwickelt hat; durch Fahrer, die sich und ihre Autos nicht durch großartige Regeln beschränken ließen und ihr eigenes Ding durchgezogen haben. „Supercharged Outlaws“ waren die ursprünglichen Vorfahren der heute schnellsten Autos mit Türen. Denn Pro Mods sehen tatsächlich noch aus wie echte Autos – auf Anabolika und Steroiden. In der Dragster-Szene sind das die wahren Hot Rods. Einen 4000-PS-Motor in einem Chassis mit originalem Radstand zu bändigen, ist nur was für die ganz Furchtlosen. Deswegen weiß niemand, was bei einem Pro-Mod-Lauf passiert. Nur so viel ist sicher: Geradeaus geht es nur selten.


Cleveres Regelsystem

Um die spektakuläre Vielfalt der Fahrzeuge innerhalb der Klasse zu erhalten, gibt es ein cleveres Regelsystem: Karossen älterer Baujahre wie die beliebten Chevy Bel Air oder Ford Crown Victoria sind weit weniger aerodynamisch als ein neuer Ford Mustang oder ein Dodge Avenger. Deswegen dürfen ältere Baujahre etwas leichter sein, um den Nachteil des Luftwiderstandes einer Telefonzelle ausgleichen zu können. So sind in der Klasse Pro Mods nicht nur alte Camaros oder Corvettes vertreten. Gerade in Europa ist das Feld extrem bunt und hat vom Dodge Charger über 33er Willys Coupes und alte Chevy Pick-ups bis hin zum 59er Caddy mit endlosen Heckflossen alles zu bieten. Und wer einmal einen Cadillac gesehen hat, der in 6,1 Sekunden mit über 340 km/h zwei fette schwarze Streifen bis ins Ziel in den Asphalt brennt, der ist definitiv süchtig.

Seinen Ursprung hat das alles im Mutterland des Beschleunigungssports, den USA. Auch dort sind die Doorslammer (so die Bezeichnung für Dragster-Fahrzeuge mit funktionierenden Türen) die große Nummer. Unzählige Verbände fahren eigene Meisterschaften aus, Pro Mod hat dort viele Namen und Gesichter, auch die Regeln sind hier und da etwas unterschiedlich. Am Ende sind es aber immer die heißesten Teile, die auf den Drag Strip rollen. Bei einem Rennen in Las Vegas prügelte John Stanley seinen 68er Camaro im letzten Jahr in 5,64 Sekunden die 402 Meter lange Strecke hinunter – absoluter Rekord für ein Auto mit Türen. Sein Vater und Chefmechaniker des Teams Camp Stanley unterstützt regelmäßig das Schweizer Team von Marcus Hilt bei den Rennen in Europa.

Auch Australien hat eine sehr lebendige Drag-Racing-Szene. Die Australier waren schon vor vielen Jahren die Ersten, die in die Fünfer-Zeiten gefahren sind. Dort nennt sich die Klasse, genau wie bei den nationalen Rennen in Schweden, „Top Doorslammer“. Dass dort noch so ziemlich alles erlaubt ist, zeigt die Tatsache, dass in dieser Saison erstmals ein Auto am Start ist, das einen echten Top-Fuel-Motor unter – und auch zu großen Teilen über – der Haube hat. Über 8000 PS befeuert mit reinem Sprengstoff. Zugegeben: Der Wahnsinn fährt mit. Kein Wunder, dass die Pro-Mod-Boliden auch den Spitznamen „Hot Rods from Hell“ tragen.



 
Das schnellste Fahrzeug der Welt

Die Drag-Racing-Welt blickt trotzdem auch sehr neugierig nach Europa. Die Starterfelder sind in Hockenheim genauso groß wie bei den ganz großen Rennen in den USA. Und an Leistung und Performance fehlt es uns auch nicht. Der Brite Andy Frost bewegt bei den Pro Mods das schnellste straßenzugelassene Fahrzeug der Welt. Sein Vauxhall ist mit allem ausgestattet, was der britische TÜV verlangt. Das Monster bringt dank riesiger Turbolader bei Bedarf weit über 3000 PS an die riesigen Hinterräder. Damit katapultiert Andy seinen Britenopel aus den Sechzigern in etwas über sechs Sekunden mal eben auf 350 km/h. Kurz darauf fährt er dann, nachdem er lediglich die Slicks gegen Straßenreifen getauscht hat, von der Rennstrecke zum nächsten Supermarkt. Den Beweis gibt es auf Youtube zu sehen.


Verrückte Dragster-PilotenNitrOlympX

Verrückt sind die definitiv alle, die Dragster-Piloten. Jeder auf seine Weise. „If you run in Pro Mod, you know you will have a crash some day“. Ein Zitat des Engländers Graham Ellis. Graham hatte in der Saison 2013 einen heftigen Crash mit seinem Plymouth Superbird. Aber schon während der immer noch andauernden Reha hatte Graham Pläne für sein neues Auto geschmiedet. Der Schwede Adam Flamholc setzte da noch eins drauf. Der erfolgreichste Pro-Mod-Pilot aus Europa, der sowohl in den USA als auch in Schweden ein Fahrzeug stehen hat und permanent hin- und herfliegt, um an den größten Rennen der Welt teilzunehmen, hatte 2013 ebenfalls einen heftigen Crash. Sein Camaro wurde in einem der brutalsten Pro-Mod-Unfälle überhaupt komplett zerstört. Einen Tag später postete Adam ein Bild aus dem Krankenhaus: Mit Gips, blauen Augen und diversen schweren Verletzungen schrieb er, er habe schon ein neues Auto gekauft – und schon kurze Zeit später war Flamholc wieder am Start.

Keiner hofft, beim größten Drag-Racing-Event außerhalb der USA, den NitrOlympX
in Hockenheim, einen Crash zu sehen. Wenn die Pro Mods an die Startlinie rollen, kann aber niemand vorhersagen, was passieren wird. Einer von vielen Gründen, warum Pro Mods regelmäßig das Publikum zum Ausrasten bringen. Zusammen mit der bunten Vielzahl an einmaligen Cars und Bikes, der legendären Saturday Night Show und den kurzweiligsten Rennen im Motorsport machen sie die NitrOlympX zu einer Pflichtveranstaltung für alle, die auf altes und neues Blech stehen.
 

www.nitrolympx.de



Text: Mathias Schneider
Bilder: NitrOlympX




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23.09.2014
Text: Mathias Schneider Bilder: NitrOlympX
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