Der ADAC-Betreuungswagen


Der ADAC-BetreuungswagenGlashaus auf Rädern

Inzwischen hat er seine erste Saison hinter sich, der wieder zum Leben erweckte Betreuungswagen des ADAC Südbayern. Allerdings dürfte so eine lässige Saison für den „Gelben Riesen“ eine vergleichsweise leichte Übung gewesen sein nach den Strapazen, die er schon auf dem Buckel hat. Denn in Dienst gestellt wurde das Einzelstück vor 50 Jahren. Dies ist die Geschichte eines ganz besonderen Nutzfahrzeugs …
Begonnen hat alles im September 1962 in Garmisch-Partenkirchen bei der 37. Internationalen Sechs-Tage-Fahrt: die Traditionsveranstaltung der Stollenreiter hatte als Blickfang einen knapp 15 Meter langer Sattelzug zu bieten. Es war der erste offizielle Einsatz des just in Dienst gestellten „Informations- und Betreuungswagens“ des „ADAC Gau Südbayern“. Das auffällige Vehikel sollte den ADAC nach außen hin repräsentieren, die Leistungen des Clubs bewerben – und zudem bei sportlichen Einsätzen als Büro für die Rennleitung dienen.


Ein halbes Jahrhundert später … Im Frühling 2012 ist der komplett restaurierte „Gelbe Riese“ bereit für seinen ersten Neu-Rollout


Der ADAC-BetreuungswagenEntstanden war das Gespann bei den „Staufen Fahrzeugwerken Eislingen“, die den Innenraum des 12 Meter langen und 2,5 Meter breiten Aufliegers in verschiedene Bereiche unterteilt hatten. Vorne fand sich ein „Conferenz- und Sitzungsraum“, hinten ein Büro. Dazwischen hatte man – in Fahrtrichtung lder MB-LPS-328/36-Zugmaschine links – eine kleine, abgeschlossene Küche verbaut, gegenüber schließlich einen „Kundenraum“ samt Theke. Bei feinem Wetter nahm der geneigte Besucher sein Weißbier aber auch gerne mal im Freien ein:  Eine einhängbare Markise konnte die Nutzfläche erweitern.

Gelber Riesen-Engel
Der Zug wurde auch ordentlich genutzt, wobei dem Publikum nicht nur Werbematerialien geboten wurden, sondern auch Seh- und Reaktionstests – das sorgte allenthalben auch für das Interesse der Medien. Anno 1971 war dann aber Schluss: Der Sattelzug wurde an die Firma Betten-Ruf in Moosburg verkauft. Dort gab es blau-weiße Farbschichten und eine Reinigungsmaschine für Bettfedern im Inneren, wie die Betriebserlaubnis vom 23. Februar 1972 belegt.

 


Der ADAC-BetreuungswagenDiesmal dauert seine Wanderschaft durch die Lande knapp 30 Jahre – erst am 21. Mai 2001 wurde der Zug außer Dienst gestellt, nachdem bei der Hauptuntersuchung eine schier endlose Mängelliste auflief.

Bereits 2003 kam es jedoch zu einem ersten Angebot an den ADAC, 2009 dann schließlich zum Rückkauf. Inzwischen hatte man den Auflieger teilrestauriert, während die Zugmaschine noch im Arbeitskittel steckte. Der Wert der „Immobilie“ war dennoch enorm – immerhin konnte der ADAC hier die Finger auf ein einmaliges automobiles Zeugnis der eigenen Geschichte legen. Rasch war dann auch die genaue Zielsetzung klar: Bis zu seinem 50. Purzeltag sollte das Duo wieder rollen. Nur, wer sollte das Ding ins Rollen bringen?

Etappenrückkauf
Es brauchte Spezialisten für solch eine Aktion, die Karl Pröbstl, Leiter des ADAC Prüfzentrums in der Münchner Ridlerstraße, finden sollte. Ihm zur Seite stand Arwed Hafner, der sein Insiderwissen aus der Oldtimer-Motorport-Szene mit einbrachte. Er hatte zudem die Fortschritte des Projektes zu protokollieren und an Holger Eggert, den Geschäftsführer des ADAC-Südbayern e.V. und „Käufer“ des Restaurationsobjekts sowie an Karl Pröbstl zu berichten. Hafner war es auch, der Konrad Auwärter mit ins Boot holte. Er gilt als Autorität in der Oldie-Bus-Szene – und er hat Kontakte zu Experten. Für Auwärter war deshalb klar: „Da kommt nur der Erich Appinger in Frage“, ein handwerklich rundum talentierter Partner mit einer großen, geeigneten Werkstatthalle. Auwärter erklärte sich bereit, die Konzeption zu übernehmen: als „Dirigent“ des Projektes, mit Appinger als „erstem Geiger“. In den folgenden Monaten stemmten diese Männer eine Komplettrestaurierung, die vom Anspruch her – um im Fußballjargon zu schreiben – weniger in die Bundesliga als vielmehr in die Championsleague gehört.

Dabei musste die Zugmaschine zu großen Teilen neu aufgebaut werden, wobei immer wieder neue Schäden zum Vorschein kamen. Allerdings konnte man hier noch an der Originalsubstanz arbeiten – was beim Sattelauflieger nicht der Fall war: Offenbar hatte seinerzeit niemand ein Foto der Einrichtung geschossen. Und da es auch keine Grundrisse gab, musste man improvisieren. Allerdings war es so auch möglich, „gestalterische Spielräume“ zu nutzen, um beispielsweise eine Klimaanlage zu verbauen – die es ursprünglich natürlich nicht gab. Auch technisch wurde der Zug auf den Stand der Zeit gebracht und mit einer Zweikreis-Bremsanlage versehen.
Jetzt mit Klimaanlage
Am Ende konnte der regelrecht „wiedererweckte“ Betreuungswagen zur Saison 2012 erneut in Dienst genommen werden. Im Stil ein echter Oldie aus den Sechzigern, aber funktionell eingerichtet mit Klimaanlage, Küchenequipment und Multimedia-Geräten. Eine regionale Schreinerei mit Erfahrung im Möbelbau für Yachten leistete hier ganze Arbeit – und doch war dies nicht mehr als ein einzelnes Teil in einem faszinierenden Puzzle, nach dessen Vollendung nun wieder ein wahres Schmuckstück durch die südlichen Gefilden der Republik rollt. Der Betreuungswagen ist wieder da – und auch die kommende Saison 2013 dürfte kein Problem für den Gelben Riesen darstellen. Nach allem, was der schon hinter sich hat …



Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Heiko P. Wacker




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10.12.2012
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Heiko P. Wacker
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