Sonntagsausflug: Quo Vadis, Deutsches Drag Racing 2010?


Quo Vadis, Deutsches Drag Racing 2010?

Robert hat sich einen alten Pontiac Catalina, Baujahr 1965, gekauft. Dessen Außenhaut allerdings erinnert an vielen Stellen eher an einen löchrigen Käse als eine Karosserie. Egal. Robert will‘s wissen und macht sich an die Blecharbeit. Allerdings hat er so etwas vorher noch nie gemacht …

Mit dem besiegelten Ende der MZA Luckau bei Berlin schließt die einzige permanente erstzunehmende Quatermile in Deutschland. Damit gehen viele Testmöglichkeiten verloren und der deutsche Rennkalender beschränkt sich für viele auf die international erstklassigen Nitrolymp‘X am Hockenheimring (13.-15.8.2010). Mit profesionellem Racing für Vollblutrenner war es das. Wo also fahren, wenn man  sein komplettes  Erspartes in ein Auto investiert hat, dass nicht auf die Straße darf? Und wo zuschauen?

Die beste Alternative ist wohl Bitburg. Auf dem ehemaligen Militärflughafen hat sich ein regelmäßiges und sehr gut organisiertes Treiben mit fünf Veranstaltungen in 2010 etabliert. Für Street Racer ein Mekka, für die schnelleren Klassen bis maximal Super Gas (9,90 Sekunden Index) eine Chance zum Testen. Für alle anderen ist die Strecke leider nicht ausgelegt.

Flugplatzrennen auf unpräparierten Betonpisten, bei denen die Zeitnahme gern mal fantastische Werte ausspuckt, gibt es zu Hauf. Für relativ zahme Autos auch sicher ein riesen Spaß, leider aber nichts was als Drag-Racing-Veranstaltung wirklich ernst genommen werden kann. Und darum soll es hier gehen.

Bleibt der Blick über die deutschen Grenzen hinaus. Österreich: nix. Schweiz: nix, nicht mehr, das einzige Rennen mit weltweit einmaliger Kulisse in den Bergen wurde von den Behörden abgesägt. Und im Norden bzw. Westen? Unsere Nachbarn in Holland sind nämlich nicht faul und freuen sich über deutsche Beteiligung bei den drei eXplosion-Veranstaltungen in Drachten. Dort wird ernsthaftes und professionelles Racing betrieben. Auch die Holländer haben permanent mit den Behörden zu kämpfen, es aber zunächst trotzdem für 2010 geschafft, ihre Termine zu sichern.


Eine gute Strecke fordert ihren Tribut. Getriebemüsli und abgerissene Antriebswellen sind bei so viel Grip nicht gerade selten …


Bloß, warum läuft es denn in Deutschland so schlecht? Eine Frage, die oft und viel in Foren wie dem größten deutschen Drag Racing Forum www.dragracing.de diskutiert wird. Leider ohne echte Antwort. Dass es tatsächlich funktionieren kann, zeigen die neu ins Leben gerufenen Rennserien, die sich im Ödland Bundesrepublik tatsächlich zu etablieren scheinen. Die Street Eliminator-Serie stammt ursprünglich aus England. In Deutschland wird sie 2010 zum vierten Mal ausgefahren. Und auch wenn ganz andere TÜV-Bestimmungen gelten als bei den Briten, der deutsche Champion Micha Vogt hat es 2009 mit seinem radikalen 1955er Chevy Bel Air geschafft, den Insulanern ordentlich eins vor den Latz zu knallen: Micha nagelte bei den Nitrolymp‘X in Hockenheim eine 7,7 Sek. Zeit hin (s. Bericht in dieser Ausgabe). Und 2010 gibt es noch mehr Kandidaten die dorthin aufschließen könnten. Die Nachwuchsförderung läuft auch, denn die Macher der Street Eliminator-Serie haben 2009 auch die Junior Nationals ins Leben gerufen. Hier treffen die jüngsten der Szene aufeinander, um in ihren befeuerten Rasenmäher-Dragstern ihren Champion zu finden.


Zwei weitere in England sehr beliebte Klassen haben ein sehr erfolgreiches Debut in 2008 und 2009 hi
nter sich: Pro ET und Super Pro ET. Hier kann jeder Teilnehmer die Zeit vorgeben, die er möglichst genau mit seinem Wagen erreichen will. Wer im Ziel am nächsten dran ist ohne die Zeit zu unterbieten, gewinnt – so weit die grobe Beschreibung des Reglements. In Pro ET starten die etwas langsameren Fahrzeuge. Vom richtig heiß gemachten Straßenrenner über mittlerweile historische Dragster-Fahrzeuge bis zum reinrassigen Import-Racer oder High Tech-Dragster ist hier alles versammelt. Die gefahrenen Zeiten liegen grob zwischen zehn und 15 Sekunden.

Etwas heftiger geht es in der Klasse Super Pro ET zur Sache. Hier dürfen Zeiten von
zehn bis runter auf sieben Sekunden gefahren werden. Ist doch klar, dass in beiden Klassen ein extrem buntes und interessantes Starterfeld zusammenkommt.

Beide dieser Klassen haben es für 2010 auch ins Programm der Nitrolymp‘X geschafft. Dort treffen die motivierten Amateurfahrer, die so genannten Sportsman Klassen, auf die großen Brüder, die Profis der FIA. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen dem 25. Jubiläum der Veranstaltung wird Hockenheim im August einmal mehr zu dem Drag Racing-Event – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Weit über 300 Teams werden erwartet, und in allen Klassen – egal ob Sportsman oder Profis – werden die deutschen Teams vorne mitmischen.

Am Wochenende davor wird es noch einmal eine ausgiebige Chance zum Testen oder für Street Racer zum Fahren geben. Traditionell finden eine Woche vor dem großen Rennen auf der Rico Anthes Quatermile im Motordrom die Public Race Days statt. Hier kann jeder teilnehmen und zeigen, was er auf einer richtigen Strecke kann. Aber Achtung: Eine gute Strecke fordert ihren Tribut. Getriebemüsli und abgerissene Antriebswellen sind wegen des massiven Grips der Strecke keine Seltenheit.

Zudem wurde Timo Habermann aus Langenselbold vom Deutschen Motorsport-Bund (DMSB) zum Fahrer des Jahres gewählt, nachdem er die FIA Top Methanol Dragster-Europameisterschaft 2009 für sich entscheiden konnte. Nicht Sebastian Vettel oder irgendein anderer Rundkurs-Fahrer. Drag Racing ist also auch in höchster Instanz ein Begriff.

Warum also ist Deutschland ein solches Entwicklungsland in Sachen Drag Racing? Überall entstehen neue Teams mit interessanten Konzepten. Bestehende Teams fahren international ganz vorne mit und trotzdem schaffen wir es nicht, in Deutschland eine nationale Meisterschaft auszufahren oder eine permanente Strecke zu etablieren. Schade für die  vielen Teams, die jeden Cent in ihr Auto stecken, um am Ende damit zweimal im Jahr zu fahren.

Und trotzdem wird in der kommenden Saison wieder einiges zu erleben sein.


… weiter geht’s in Motor Maniacs 2/10

German Drag Racing

Nitrolymp‘X Hockenheim - 13.-15.8.2010
www.dragster.de

eXplosion Drachten
www.explosiondragracing.com

Bitburg
www.1on1-motorsports.de

Pro ET
www.proet.de

Junior Nationals
www.junior-nationals.de

Super Pro ET
www.suproet.de

Public Race Days
www.hockenheimring.de




Text: Mathias Wienand
Bilder: Mathias Wienand




11.02.2010
Text: Mathias Wienand Bilder: Mathias Wienand
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