Schrauberglück: Restauration Opel Commodore Teil 4


Jürgens Opel CommodoreAltblech-Recycling

oder: Jürgen und sein Commodore: Eine Komplettrestauration Stück für Stück Teil 4:
Jürgen möbelt den Sechsender seines Commodore auf …

Nachdem Jürgen seinem Commo mit Flex, Blech, Schere und Schweißgerät zu Leibe gerückt war – wir erinnern uns an die Karosseriestrickarbeiten der letzten Ausgabe – widmen wir uns heute dem Antriebsstrang des Rüsselsheimers. „Wobei das ja eigentlich keine große Sache ist“, dachte sich Jürgen im Vorfeld. Immerhin lief der Sechsender beim Kauf – was soll da schon Nerven kosten …?

Nun: zunächst mal der Ausbau des Sechszylinders, mit dem man Ende der 60er Jahre auf der linken Spur der Autobahn ein ordentliches Wörtchen mitzureden hatte. Immerhin war man mit 115 Galoppern zwischen den vielen 34-PS-Käfern, Kadetts oder Heckflossen mit Ölbrenner unter der Haube wahrlich gut aufgestellt. „Heute hat ja jeder zweite Kleinstwagen mehr Dampf unter dem Deckel“, meint JürJürgens Opel Commodoregen schmunzelnd.

Schmunzeln war beim Ausbau des Motors jedoch nicht so sehr angesagt. „Das hatte ich mir wirklich einfacher vorgestellt“, erinnert sich Jürgen, der sich über seinen Cousin einen Galgen organisieren konnte, nachdem er schon fleißig Vorarbeiten geleistet hatte „Der Kabelbaum blieb bei der gesamten Aktion drin – aber die komplette elektrische Anlage und alle Spritleitungen mussten natürlich gekappt werden.
 
  Am Galgen 
Angenehmerweise musste Jürgen diese Arbeiten nicht im Freien durchziehen. Wir erinnern uns: nicht weit entfernt stand eine Speditionshalle zum Verkauf, in die Jürgen einziehen konnte. Auf eine Heizung musste er zwar verzichten, doch dafür gab‘s Licht und Strom. Entsprechend konnte Jürgen auch noch spät am Abend werkeln – und eben den Sechsender freilegen.

„Der wollte aber ums Verrecken nicht raus!“ Es half kein Kippen und kein Fluchen. „Also hab ich das Lüfterrad demontiert und die Wasserpumpe – aber erst, nachdem ich auch noch die Vorderachse ausgebaut hatte, ließ sich der Motor schräg genug stellen, dass der komplette Antriebsblock mitsamt Getriebe nach oben herausgehoben werden konnte. „Ohne den Galgen wäre das nie drin gewesen!“


Nach Arbeiten an Motor, Getriebe, Achsen und Differential gab´s keinen Zweifel mehr, dass das Projekt „Opel“ ein voller Erfolg werden würde


Jürgens Opel CommodoreDer ausgebaute Sechszylinder zeigte sich nun in seiner ganzen schmutzigen Pracht: die Jahrzehnte hatten jede Menge Dreck und Staub hinterlassen. „Zunächst mal kamen aber alle Aggregate weg – ich wollte ja Platz haben für meine Putzorgie.“ Mit jeder Menge Kaltreiniger und Muskelkraft rückte Jürgen dem Gilb zu Leibe. „War eine ordentliche Schufterei, bis der Block sauber genug für den neuen Lack war.“ Ein bis 600 Grad hitzebeständiger Lack ließ den Opel-Motor um Jahre jünger aussehen. „Auch den Ventildeckel hab ich gewienert – aber nicht poliert. Das ist nicht so mein Ding: wenn ich in einen Spiegel schauen will, geh‘ ich ins Bad.“

Natürlich wurden bei der Gelegenheit gleich mal die Ventile eingestellt und eine neue Ventildeckeldichtung verbaut. „Die alte war ohnehin nie wirklich dicht, da siffte es immer am hintersten Zylinder. Die Lichtmaschine und der Anlasser hingegen habe ich nach einer gründlichen Reinigung wieder verbaut – beide Aggregate liefen ja einwandfrei. „Am Vergaser hab ich allerdings wieder einige Zeit investiert: dem tat eine gründliche Reinigung auch nicht schlecht.“ Sogar den originalen Tank des Commodore konnte Jürgen weiter verwenden.

 


 Achsenbetüddelung! 
Anschließend gab’s noch ein halbes Dutzend Zündkerzen samt neuer Kerzenstecker. „Die Zündkabel allerdings hab‘ ich wieder verwendet: die waren noch astrein.“ Auch die Wasserpumpe durfte wieder an ihren bisherigen Arbeitsplatz – später wird sie jedoch neues Wasser umwälzen.

Nachdem der Motor so weit wieder auf optisch angenehmem Niveau war, widmete sich Jürgen dem Getriebe. Auch hier genügte eine gründliche Reinigung samt neuem Lack, bevor eine frische Getriebeölfüllung spendiert wurde. „Leichter als an einem ausgebauten Getriebe geht das ja nicht.“ Jürgen gehört eben zu den Leuten, die frei nach dem Motto „lieber faul als dumm“ verfahren …

Auch die Achsen wollten natürlich betüddelt werden – die vordere war ja ohnehin schon ausgebaut. „Auch die hintere flog dann noch raus: in der Halle konnte ich den Commo gediegen auf Böcke stellen und bequem im Trockenen parken. Außerdem gab es da noch ein oder zwei Stellen an den Federdomen im Heck, die ich kurz nachschweißen wollte. Da kam ich jetzt einfach besser dran.
Verbessern konnte Jürgen bei dieser Gelegenheit auch die Kontakte in die Teilhändler-Szene. „Da war tatsächlich die hintere Achse der Auslöser“, erinnert er sich. „Die wollte ich eigentlich nur mit der Tellerbürste aufmöbeln – dann sah ich jedoch, in welch erbärmlichem Zustand die Lager und Gummis waren. Da waren Neuteile angesagt – so viel war klar.“

 Gewienert – nicht poliert 
Nur sollten die mal eben flotte 400 Öcken kosten. „Hier musste ich schon ordentlich schlucken – den Kauf wollte ich mir da gut überlegen.“ Jürgen hatte nun einen triftigen Grund, sich richtig einzuarbeiten – und tatsächlich kam er schließlich für die Hälfte an die benötigten Teile. „Immer noch viel Geld – aber eben nicht zu umgehen. Außerdem hatte ich jetzt viel bessere Kontakte zu Händlern.“ Das sollte sich bei anderen Teileproblemen noch als wahrer Segen erweisen. Parallel zum Einbau der neuen Dichtungen und Gummis bekam die Hinterachse noch gleich einen neuen Anstrich – wie auch die Vorderachse. „Die gab ich jedoch zum Sandstrahlen – das war die effizienteste Art, das Teil auf den gewünschten Zustand zu bringen.“

Nach den gründlichen Arbeiten an Motor, Getriebe und Achsen – fürs Differentialgetriebe gab es noch eine neue Füllung – bestand kein Zweifel mehr, dass das Commo-Projekt ein Erfolg werden würde. Was Jürgen wiederum zur Klärung der Lackfrage drängte. „Original hatte die Karre so einen metallisch blauen Lack – das gefiel mir aber nicht so gut. Rot rockt bedeutend besser – und mit dem Motorraum sollte es losgehen.“

Jürgen besorgte sich zunächst alte Opel-Farbkarten aus den späten Sechzigern, und ließ sich was Passables anrühren. „Natürlich fragte ich mich, ob ich das hinkriege – ich hab’s dann aber einfach probiert.“ Allerdings nur teilweise mit Erfolg – obwohl die Lackierung nicht weniger perfekt war als die Grundierung. „Allerdings war das ein derart quietschiges Rot, das tat schon fast in den Augen weh.“ Wer sich an das „Feuerrote Spielmobil“ aus der Glotze erinnert, kann sich ungefähr vorstellen, von welcher Schattierung wir hier reden. „Und so fahr ich nicht rum, das war klar“, betont Jürgen entschieden. Die Farbkarten bei künstlichem Licht durchzuschauen – das war wohl doch keine so gute Idee.

Letztlich wurde ein wenig schwarze Farbe beigegeben – so dass das Ergebnis zu überzeugen wusste. „Den Motorraum nochmals auszumalen, das war dann kein Problem mehr. Außerdem war das schon fast wie das zaghafte Einbiegen in die Zielgerade der Restauration.“

Und weil das mit dem Lack so viel Spaß gemacht hat, machen wir an genau dieser Stelle weiter. Natürlich hat sich Jürgen das genaue Mischungsverhältnis notiert: ob die neue Lackmischung aber auch wirklich auf der großen Fläche des Dachs funktioniert – das lest ihr demnächst in der MM …

 



Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Privat




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19.10.2012
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Privat
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