Schrauberglück: Restauration Opel Commodore Teil 3


Jürgens Opel CommodoreAltblech-Recycling

oder: Jürgen und sein Commodore: Eine Komplettrestauration Stück für Stück Teil 3:
Blech, Schere – los …!

Nachdem Jürgen seinem Commo – wie in der letzten Ausgabe ausführlich behandelt – so richtig auf den Zahn gefühlt hat, isses nun Zeit für echte Blecharbeiten. Platz genug hat es ja, nachdem Kotflügel, Türen und jede Menge Rost beseitigt wurden. Allerdings hatte sich schon während des großen Striptease gezeigt, dass mit ein bisschen Spachtelmasse nichts mehr zu machen ist: von vorne bis hinten zeigte sich der Commo im ganzen Charme eines Schweizer Käse …

Natürlich hatte ich schon während der Demontage Ausschau nach Reparaturblechen gehalten“, erklärt Jürgen. „Allerdings war mir rasch klar, dass ich sicherlich nicht alle Einzelteile bekommen würde.“ Der Griff zur Blechschere war damit vorgezeichnet, weshalb zunächst einmal eine entsprechende Blechtafel aus dem Zubehörhandel besorgt wurde. „Eine Quadratmetertafel Null-Fünfundsiebziger war nicht zu umgehen. Aber von alleine presst die sich auch nicht in Form …“

 Dengel Lampentopf …  Jürgens Opel Commodore
Doch darauf kam es vor allem an der Front an, die durch Rostbefall und den Überschwang bei der Bergung aus der Kraichgau-Scheune – wir erinnern uns an Teil 1 unserer Resto-Geschichte – stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. „Die Lampentöpfe beispielsweise konnte ich beim besten Willen nicht bekommen“, erinnert sich der Opel-Fan. „Das lag mit Sicherheit aber auch an meinen dünnen Kontakten in die Szene“, gibt Jürgen unumwunden zu. Erst im Laufe des Projekts machte er jene Bekanntschaften, die einem in bestimmten Situationen – Stichwort Lampentopf – Stunden und Tage sparen können: weil nämlich irgendjemand noch genau so ein Teil auf Lager hat.

So weit war Jürgen freilich noch nicht, weshalb er sich auf einer kleinen, aus der Installationsbranche stammenden Biegemaschine daran machte, die Lampentöpfe selbst anzufertigen. Und auch die dünnen Bleche der hinteren Radkästen formte Jürgen eigenhändig. Das zeigt wieder einmal, wie wertvoll Freunde und Kumpels gerade in der Schrauberszene sind – und wie weit man auch alleine kommen kann, wenn man es nur will.
„Einige Reparaturbleche konnte ich natürlich auch kaufen“, erklärt Jürgen. „Das waren zum Beispiel die Stücke für den Bereich hinter der Rückbank, die hinteren Radläufe, die Endspitzen oder die Schweller“, zählt er auf. „Das hab’ ich eigentlich alles übers Internet bekommen – und die Qualität war auch immer in Ordnung.“ Allerdings sollte man nicht blindlings bestellen, sondern stets vergleichen.

Eingesetzt wurden die Bleche natürlich nicht mit Klebestreifen, sondern auf Stoß und mit einem ordentlichen Schutzgasschweißgerät. „Erst hatte ich mir eins geliehen – aber das hat irgendwie nicht so funktioniert“, erinnert sich Jürgen. „Also hab ich mir schlussendlich doch selber eins zugelegt: gebraucht, aber günstig. Hätte ich vielleicht eher machen sollen. Überhaupt hätte ich früher ein bisschen Kohle in die Hand nehmen müssen, um mir das ganze Equipment zuzulegen. Immer nur so rumpfuschen, bis man sich ein Werkzeug am Ende doch kauft – das kostet nur unnötig Nerven!“ Wer selbst an ein vergleichbares Projekt denkt, sollte sich diesen Satz zu Herzen nehmen, und Jürgens Erfahrungen für sich selbst nutzen.

Jürgens Opel Commodore  Verstärkungswinkel, gut is 
Auf manche Erfahrungen indes hätte der gerne verzichtet. So musste Jürgen seinen stets rollbaren Commo immer wieder wegpacken, war doch bei ihm zu Hause kein Platz, um den Opel nach getaner Arbeit stehen zu lassen. „Das Auto immer wieder unter Dach in die enge Lücke schieben zu müssen – das war sicher der nervigste Teil“, gibt Jürgen unumwunden zu, der nach jedem Arbeitsschritt und zum Teil schon während des Strahlens sehr großzügig mit der Grundierung war. „Die Dosen standen immer parat: denn sofort nach dem Schweißen kam Grundierung drüber – die Schweller sind sogar von innen grundiert.“ Rost soll diesem Opel auf lange Zeit nichts mehr anhaben können.

Apropos Rost: Lustigerweise hatten die Kotflügel weniger unter der braunen Pest zu leiden gehabt, als Jürgen dies erwartet hatte. „Das sind bis heute die originalen Teile“, betont er. „Allerdings hab’ ich sie aufgearbeitet – und ein bisschen modifiziert. Denn klassischerweise haben die gerne mal einen Knick in der Mitte: das kommt vom lässigen Anlehnen, wie es auf einem Treffen gerne mal passiert. Und damit das nicht mehr der Fall ist, hab’ ich entsprechende Verstärkungswinkel eingeschweißt. Und juck!“


Die Grundierung stand immer parat: Rost soll diesem Opel auf lange Zeit nichts mehr anhaben können


 

Auch den Türen, die ein Fachbetrieb von Rost und Lack befreit hatte, widmete sich Jürgen selbstverständlich in Eigenregie. Vor allem unten und an den geschwungenen Kanten sahen die vier Türen übel aus: hier musste Jürgen einige Stunden investieren. „Allerdings hätte ich wohl noch ein gutes Stück mehr Arbeit reinhängen sollen: denn am Ende zeigte sich, dass die hintere Tür auf der Beifahrerseite leicht verzogen ist, und an der unteren Ecke zu weit nach innen zielt. Hier hab’ ich beim Anpassen echt einen Fehler gemacht – aber da pfeif’ drauf!“

Stück für Stück biss sich Jürgen durch die Karosserie, die immer weiter komplettiert wurde. Mitunter wurden auch alte, geflickschusterte Reparaturen komplett herausgetrennt, oder sensible Bereiche – wie die hinteren Dome der Federbeine – mit zusätzlich verschweißtem Material stabilisiert. Bis zu drei Millimeter starkes Metall kam hier zum Einsatz. Immerhin soll die Kiste später ja auch satt und sicher auf der Piste liegen …

Vorerst aber hatte Jürgen ganz andere Sorgen, musste er doch einen Großteil der Arbeit im Freien bewerkstelligen. „Außerdem war mir klar, dass irgendwann einmal Motor, Getriebe und Achsen raus mussten – und ich entsprechend Platz brauchen würde.“ Solche Sorgen nagten nicht wenig an den Nerven – bis ein Zufall zu Hilfe kam. „In der Nähe wurde eine Speditionshalle verkauft – und mein Schwager öffnete mir buchstäblich die Türen, um bis zum Verkauf in der Halle werkeln zu können.“ Der Glücksfall für jeden Schrauber hatte zwar keine Heizung – aber Licht und einen Starkstromanschluss fürs Schweißgerät. „Als ich die Halle erstmals sah, war ich völlig euphorisch – und ging gleich an den Umzug in mein neues Domizil.“

 Vollgas am Schweißgerät 
Die neue Location gab dem Projekt den nötigen „Tritt in den Hintern“, wie es Jürgen auf den Punkt bringt. „Denn jetzt hatte ich Platz genug, um das Werkzeug liegen lassen zu können. Das sparte alleine Stunden an Aufräumarbeit“, erinnert er sich. Es gab jedoch noch einen anderen Druckfaktor, wusste doch niemand, wann die Halle denn nun verkauft werden sollte. „Das hing wie ein Damoklesschwert über mir – und deshalb gab’ ich jetzt richtig Gas.“

Jeden Tag war Jürgen nun nach der Arbeit vier oder fünf Stunden am Commo zugange, am Samstag konnten es auch mal 14 oder 16 Stunden werden. „Da war mir auch der Frost egal: notfalls wurden eben drei Pullis übereinander angezogen – Hauptsache, es geht voran. Nicht selten versprach ich meiner Holden, dass ich vor Mitternacht daheim wäre. Und dann wurde es doch wieder später …“ Zuhause, im Hof und damit eben im Freien: da hatte Jürgen noch so manchen Durchhänger. „Doch jetzt, in der Halle, da gab es ein Stück – da machte es wieder so richtig Spaß!“

Am Ende konnte Jürgen stolz auf sein Werk sein: nach einem harten Stück Arbeit war die komplette Karosserie generalsaniert. „Keine Rostnester mehr, kein brauner Gammel in dunklen Ecken: alles frisch geschweißt und bereit für die nächsten Schritte.“ Man merkt Jürgen bei solchen Worten an, wie sehr erfolgreiche Arbeit befriedigen kann. Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, ein eigenes Projekt zu stemmen – solche emotionalen Erfahrungen kann nur machen, wer sich was traut.

Auf Jürgen trifft das definitiv zu – dabei ist er noch lange nicht fertig. Denn nach dem Vollgastrip am Schweißgerät steht nun die Instandsetzung von Motor und Getriebe an. Denn was kann eine noch so rostfreie Karosse ohne Sechsender unter der Haube? Rumstehen – sonst nix. Und genau deshalb widmet sich Jürgen in unserer nächsten Episode dem Antriebsstrang. Wie er das macht – das lest ihr demnächst in der MM …



Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Privat




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17.08.2012
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Privat
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