Restauration: Jürgen und sein Opel Commodore


Jürgens Opel CommodoreTeil 5: Auf Achse und Rostprimer …   

Letztens kamen bereits die ersten Farbspielereien an und in Jürgens Commodore zum Vorschein: anhand alter Opel-
Farbkarten aus den späten Sechzigern wurde schon mal ein wenig Lack zusammengemischt, um damit bei einem ersten Probedurchlauf den Motorraum wohnlich zu gestalten. Das war jedoch nicht so der ganz große Bringer. Denn am Ende prunkte das Arbeitszimmer des derzeit ausgebauten Sechsenders in einem derart quietschigen Rot, „dass es schon fast in den Augen weh tat“, erinnert sich Jürgen mit Schaudern

Denn so heftig der Farbton Marke „Feuerrotes Spielmobil“ im Motorraum glühte – so schräg hätte später der gesamte Wagen gewirkt. „Und so fahr ich nicht rum, das war mir klar“, betont Jürgen entschieden. Die Lösung brachte ein Schuss Schwarzlack – und jetzt passte das auf einmal. Flugs wurde der Motorraum nochmals gelackt: „Das war dann schon fast wie das zaghafte Einbiegen in die Zielgerade der Restauration.“


Lackfragen: „Ich bin extra zu ’nem Spezialisten, der vor allem Fachbetriebe beliefert, und hab mich beraten lassen“, verrät Jürgen ohne Scheu.


Jürgen und sein CommodoreDas Schlimmste?
Entsprechend mutig schritt Jürgen nun voran – so manches Detail konnte jetzt Stück für Stück vollendet werden. Dabei kamen auch erfreuliche Aspekte zum Vorschein: „Bei den Bremsen hatte ich ehrlich gesagt mit dem Schlimmsten gerechnet – wie ja auch bei der Demontage immer neue, verheerende Rostnester zum Vorschein kamen.“ Aber ganz offensichtlich wurde dem Opel wenige Jahre vor der Ausmusterung und dem vorerst letzten Weg in die Scheune des stillen Kraichgaus eine Bremsenüberholung spendiert. „Der Bremskraftverstärker hatte ja schon bei den kurzen Bewegungsfahrten vor dem Motorausbau beweisen können, dass er nicht nur dicht und trocken ist, sondern auch astrein funktioniert.“ Der BKV durfte denn unrevidiert auf seinen neuen Einsatz warten – äußerlich aufgehübscht natürlich. Auch die Bremszangen der vorderen Scheibenbremsen sahen noch topfit aus: „Da war nicht mal ein Hauch Feuchtigkeit zu sehen.“

Dafür gab es einen Satz neuer Beläge für die vorderen Bremsen, das war keine Frage. „Und auch das Innenleben der hinteren Bremstrommeln hab ich komplett erneuert – hier wollte ich dann doch keine Kompromisse machen“, gibt Jürgen zu. Allerdings konnte er sogar auf ein Ausdrehen der Bremstrommeln verzichten: „Keine Riefen, kaum Verschleiß: auch hier wurde dem Commo wohl irgendwann Neuware spendiert.“ Deshalb konnten auch die hinteren Bremskolben sowie alle Radlager erneut verwendet werden.

 

Jürgen und sein CommodoreNach diesen Vorarbeiten am Untergeschoss widmete sich Jürgen wieder der Karosserie, die ja inzwischen auch den letzten „Rest Rost“ eingebüßt hatte. Und damit das auch alles so schön rostfrei bleibt, und sich die braune Pest nicht wieder aufs Neue ausbreitet, bekam der betagte Rüsselsheimer eine saftige Behandlung mit Rostprimer – Lackaufbereitung genannt – aus der Profiabteilung. „Ich bin extra zu ’nem Spezialisten, der vor allem Fachbetriebe beliefert, und hab mich beraten lassen“, verrät Jürgen ohne Scheu. „Ich wollte ja nicht nur eine Kiste mit ein bisschen Bling-Bling auf die Räder stellen und wieder verticken, sondern was von Dauer schaffen! Für mich selber eben …“

Staubige Angelegenheit
Mit dem nicht ganz günstigen Primer – 50 Öcken der Liter – wurden der gesamte Wagen und natürlich auch der Unterboden eingesprüht. „Das Zeug kann so dünn aufgetragen werden, dass mir zwei Liter für das ganze Auto reichten.“ Dabei war Jürgen wieder einmal froh um den Kompressor, mit dem sich auch große Flächen sauber abarbeiten ließen: auch der Motorraum hatte so natürlich vor dem ersten Farbversuch eine entsprechende Vorbereitung erhalten. Nach dem Rostprimer ging es dann mit der dunkelgrauen Grundierung weiter: „Man sollte hierbei stets den späteren Farbton beachten, gibt es doch sonst Probleme, wenn der finale Lack die Grundierung nicht komplett überdeckt!“

Für den Unterboden und die Radhäuser gab es anschließend eine fesche Schicht in schwarzer Ausführung, bevor die bereits gespachtelten Kotflügel probehalber angepasst werden konnten. Immerhin hatte Jürgen hier Verstärkungswinkel eingeschweißt, die spätere Dellen durch angelehnte Kumpels verhindern sollten. Kenner wissen um diese kleine Schwachstelle des ansonsten so robusten Commodore.

Robust war auch der Humor des neuen Hallenbesitzers: Jürgens Schwager hatte buchstäblich die Türen zu einer Speditionshalle geöffnet, die zum Verkauf und somit leer stand. Eine Heizung gab es zwar nicht – aber Licht und einen Starkstromanschluss fürs Schweißgerät. „Als ich die Halle erstmals sah, war ich völlig euphorisch“, betont Jürgen immer wieder. Allerdings war die Sache mit dem Verkauf mittlerweile Wirklichkeit geworden – was Jürgen nicht wenige Sorgenfalten auf die Stirn nagelte. „Denn inzwischen war der Opel total zerlegt, die Rohkarosse schwebte ja meist auf einem Palettenstapel.“ Doch der neue Besitzer war cool genug, um die Bedeutung des Projekts für die westliche Zivilisation zu er-
kennen – und ließ Jürgen weiterwerkeln. „Danke nochmals an dieser Stelle, gell?“ Jürgen weiß, was sich gehört.

Trotzdem beschränkte er sich nicht aufs Däumchendrehen, sondern gab Kitt – und Motor und Vorderachse die erneute Zweisamkeit. „Der Ausbau war eine derartige Schinderei – das wollte ich mir nun ersparen!“ Also wurde der bereits vorbereitete Motorblock auf die Vorderachse montiert, so dass die Einheit ganz locker unter den schwebenden Commo auf seinem Palettenstapel geschoben werden konnte. „Anschließend hab ich das ganze Gedöns einfach mit einem der Hallenkräne nach oben in den Motorraum gezogen.“ Jürgen grinst sich immer wieder einen, wenn er an diese spielerische Übung denkt, die auch das Anklemmen der Lenkung mit neuen Gestänge-Gummis beinhaltete. „Schließlich waren hier nur ein paar Schrauben nötig, und die Sache hatte wieder Sinn.“

Commo auf Palettenstapel?
Keinen Sinn machten jedoch die ursprünglich verbauten vorderen Bremsleitungen. „Die scheuerten nämlich an den Felgen, weil zu kurz – ein weiteres Indiz für eine Bremsenüberarbeitung, die jedoch in diesem Falle unmöglich so bleiben durfte. Vermutlich wurden hier die Arbeiten abgebrochen, und die Leitungen nur notdürftig und sehr hemdsärmelig verlegt.“ Entsprechend war es aber nun gar nicht so einfach, den korrekten Weg der Leitungen zu rekonstruieren. Erst mit Hilfe einiger Zeichnungen konnte Jürgen die Bahnen korrekt installieren. Die restlichen Leitungen hatten zu dem Zeitpunkt bereits eine ordentliche Aufarbeitung und eine neue Lackierung bekommen. Auch eine neue Füllung mit Bremsflüssigkeit war nun natürlich angesagt – immerhin möchte man auch beim muskelkräftigen Rangieren anhalten können. Dass das Lenkrad auch schon wieder, zumindest provisorisch, an seinen Platz durfte, versteht sich hierbei von selbst.
Die Spritleitungen hingegen wurden erneuert – wie auch die Stoßdämpfer, denen das jahrelange Parken an Ort und Stelle nicht so wirklich gut bekommen war. „Am Tank hingegen musste ich nichts tun – hier ließ ich nur den alten Sprit ab, so sauber war der im Inneren. Mal wieder Schwein gehabt …“

Was jetzt noch fehlte im Untergeschoss, das war das Getriebe. „Wirklich nötig wäre das natürlich nicht gewesen – wollte ich den Opel doch zunächst gar nicht mit Motorkraft rangieren, sondern nur rollen können. Allerdings liegt ein eingebautes Getriebe nicht im Weg rum – und früher oder später sollte es ja ohnehin an seinen Platz …

Der Motor nämlich wurde vorerst noch nicht an Strom und Sprit angeklemmt: so einsam der Sechszylinder in dem opulenten Motorraum war, so einsam blieb er noch eine ganze Weile. Allerdings wurde das frisch lackierte Aggregat zum Schutz vor Staub und Farbnebel sauber eingepackt.

Und staubig wurde es nun nochmals, machte sich doch Jürgen voller Enthusiasmus an die ersten Spachtelarbeiten an der Karosserie. „Ich war schon der Meinung, hier richtig gut vorgearbeitet zu haben. Doch mein Kumpel – seines Zeichens Lackierer, der mir später noch helfen wollte – sah bei jedem Besuch noch Unebenheiten, die ich beim besten Willen nicht entdecken konnte. Na ja – Kunst kommt eben von Können.“

Kunst kommt von Können
Um „Können“ ging es am Ende auch in Sachen Lackvorbereitung: „Mein Schwiegervater hatte mal einen C-Rekord in exakt jenem Rot, das mir so gefiel. Und diesen Ton wollte ich deshalb auch unbedingt auf meinem Commo haben“, versichert Jürgen. Die Experten des Farbtopfs bekamen das am Ende auch tatsächlich in den Griff, indem auf jeweils 100 Gramm „Rot 547“ noch 24 Gramm „Schwarz 703“ zugeschlagen wurden. Wie gut diese Mischung dem ganzen Auto steht – das lest ihr demnächst in der MM …

 




Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Privat




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07.12.2012
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Privat
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