Restauration: Jürgen und sein Opel Commodore


Jürgens Opel CommodoreTeil 7: Einmal „Opel mit Innenausstattung“ bitte!   

Von außen sieht Jürgens Commodore schon wieder richtig fesch aus – im Innenraum hingegen ist es noch mehr als trist. Es gibt also durchaus noch ein gutes Stück Arbeit zu tun, bevor der olle Rüsselsheimer wieder ausschaut wie neu

Den Innenraum hatte ich ja komplett ausgebeint“, erklärt Jürgen. „Weder wollte ich, dass an den Türpappen oder Sitzen was übern Jordan geht, noch wollte ich mich ständig dran vorbeiquetschen müssen. Vom Aspekt der Brandsicherheit mal gar nicht zu reden.“ Jürgen weiß, wovon er spricht: Schon so manche Kiste endete im flammenden Inferno, weil ein besonders ambitionierter Zeitgenosse Bleche einschweißte, ohne die innen verbauten Matten herauszunehmen. So einer ist Jürgen ganz sicher nicht: der Commo war weitestgehend leer geräumt – die Einzelteile stapelten sich seitdem in Muttis Scheune.


Ersatz für den kaputten Oval-Lautsprecher gab es für ‘nen Zehner im Media-Discounter – es darf ja auch mal was klappen …


Jürgen und sein CommodoreZunächst wurde nun auch im Inneren ordentlich mit Wachs gearbeitet, um der braunen Pest schon gar keine Nistmöglichkeiten zu bieten. „Bei den Bitumenmatten hab’ ich dann aber ein wenig improvisieren müssen – die waren nämlich weitgehend mürbe.“ Zum Glück fand sich in Jürgens Firma vergleichbares Material, für das keine Verwendung mehr bestand. „Das Zeug ist stabiler als die Originalware“, freut sich Jürgen, der dann noch Malervlies verlegte, auf das schließlich die Teppiche kamen.

Flickarbeiten
„Allerdings hatte mir die oberste Teppichschicht schon während der ganzen Restauration ziemlich Sorgen gemacht.“ Der originale Teppich war total zerrupft und folglich nicht mehr verwendbar – auch an Flickarbeiten war hier nicht mehr zu denken, während eine durchaus erhältliche Replikaausführung schlicht zu teuer war. Zum Glück jedoch half auch hier das Internet. „Ich bekam einen wirklich gut erhaltenen Originalteppich, der nur im Bereich des Beifahrerfußraums durchgewetzt war – scheint in einem Auto mit nervösen Beifahrern gewesen zu sein“, mutmaßt Jürgen. Nun: Vielleicht war der Besitzer des Wagens derart rasant unterwegs, dass Mitfahrerinnen und Mitfahrer ständig bremsend aufs Blech traten. Gleichwie – Jürgen packte ohnehin noch zusätzliche Fußmatten rein – dann war die durchgewetzte Stelle auch nicht mehr zu sehen.

 

Jürgen und sein CommodoreNoch nix zu sehen war vom neuen Innenhimmel, der tatsächlich als Neuware angeschafft werden musste. „Das Problem war nur: Wie krieg ich den rein?“ Wer so eine Arbeit noch nie gemacht hat, der kann sich nicht vorstellen, wie verzwickt es ist, die Haltedrähte richtig einzuspannen oder wie fummelig es an den Kanten zu den Türen oder im hinteren Bereich des Fonds so zugehen kann. „Offen gestanden: ich konnte es mir auch nicht vorstellen – jetzt kann ich es …“ Eine ganze Weile nach dem Einbau kann Jürgen immerhin schon wieder schmunzeln – zumal er die Aktion komplett alleine durchzog, und die beiliegenden Einbauanweisungen auch nicht gerade eine informationstechnische Offenbarung darstellten.

C-Rekord-Teile …
An Infos mangelte es auch in Sachen Armaturenbrett ein wenig. Hier hatte Jürgen das gebrochene Originalteil schon früh durch Gebrauchtware vom Teilemarkt ersetzt, die – wie in der letzten Ausgabe berichtet – mangels größerer Holzanteile schwarz lackiert wurde. „Allerdings scheint das wohl eher ein Armaturenbrett aus dem C-Rekord zu sein“, mutmaßt Jürgen inzwischen. „Originale Commo-Arbeitsplätze sind ein wenig edler ausgestattet. Egal – mir gefällt’s.“ Anschließend wurden die mit Sprühreiniger und Druckluft gesäuberten Instrumente verbaut und das mit Kunstleder bezogene Formteil aufgesetzt.
Problematisch wurde es beim Lautsprecher, war das kleine, zentral angeordnete Originalteil doch hoffnungslos defekt. „Ich hab’ mich dann auf die Suche nach Ersatz gemacht – und einen exakt passenden Oval-Lautsprecher für ’nen Zehner im Media-Discounter geschossen. Sogar im Doppelpack.“ Flugs war der kleine Lautsprecher verkabelt, so dass das original erhaltene Radio dank provisorisch angeklemmter Batterie erste Lebensäußerungen von sich geben durfte. Es darf halt auch mal was klappen …

Nicht so recht klappen wollte das mit den Sitzen. „Die waren, wie auch die Rückbank, ziemlich runter, wenn auch nicht durch. Aber eben verlebt. Ersatz allerdings war mir echt zu teuer – so allmählich ging die ganze Opel-Restauration ziemlich ins Geld, da überlegt man sich größere Ausgaben doch noch gut.“ Auch hier konnte Jürgen mit ein wenig Improvisationstalent verdammt viel erreichen: farblich perfekt passende Überzüge lassen die Sitze wie auch die opulente Rückbank wieder richtig propper erscheinen. Und wer weiß: Vielleicht läuft Jürgen ja in absehbarer Zeit eine gute Alternative über den Weg? So war es ja auch bei der Hutablage, die in Jürgens Opel wohl schon vor geraumer Zeit einem schrägen Brett mit zwei saftigen Brüllwürfeln Platz machen musste. „Auch hier bekam ich übers Internet ein wirklich gutes Originalteil.“

Die bis nach hinten durchgehenden Holzleisten an den Türen hingegen forderten wieder Improvisationstalent, hatte der Zahn der Zeit doch deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. „Die Lösung gibt’s im Baumarkt und heißt Holzdekor-Folie in Buchenoptik. Die ist ganz einfach zu verarbeiten – und schaut wirklich verdammt gut aus.“

Dilettantismus?
Klar wird jetzt der ein oder andere Edelrestaurateur das feine Näschen rümpfen über solch augenscheinlichen Dilettantismus. Diesen Perfektionisten mit scheinbar bodenloser Börse sei jedoch gesagt, dass Normalsterbliche durchaus auf die Marie schauen müssen – und eine gelungene Improvisation bedeutend mehr Schrauberspaß zu bereiten vermag als das lässig georderte oder eigens beim Stellmacher angefertigte Perfektionsteil, das gaaanz toll aussieht – und nur zwei Riesen oder so kostet. Außerdem hat Jürgen ein weiteres Stück originaler Substanz gerettet – und das alleine ist schon mal aller Ehren wert.

Aller Ehren wert ist auch der bisherige Fortgang der „Commodore-Wiedererweckung“, schaut der frisch lackierte und nun auch innen deutlich aufgebrezelte Opel doch immer mehr wie ein richtig feiner Feger aus. Auch sein Lenkrad samt Lenkgestänge hat er wieder. Nur fahren tut er noch nicht – aber das wird er im nächsten und zugleich letzten Teil unserer Restaurationsgeschichte. So viel sei schon mal versprochen. Mehr dazu lest ihr demnächst in der MM …


 




Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Privat




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12.04.2013
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Privat
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