Restauration: Jürgen und sein Opel Commodore


Jürgens Opel CommodoreTeil 6: Lack und Chrom braucht man schon   

Lack drauf: Inzwischen kann man durchaus erahnen, was für ein feiner Feger Jürgens Commo in absehbarer Zeit sein wird

Das so ein bisschen Lack doch ausmacht, dachte ich mir, als der Motorraum auslackiert war“, erzählt Jürgen, der sich den Lack seiner Träume als ganz persönliche Mischung anrühren ließ.

Schuld an der exakten Farb-Vorstellung war der olle Opel des Herrn Schwiegerpapa: „Der hatte mal einen C-Rekord in genau diesem Rot, das mir so abartig gut gefiel. Und als nun klar war, dass mein Commo eine ordentliche Lackdusche bekommen sollte, war die Farbberatung ruckzuck abgeschlossen.“ Jürgen schmunzelt immer noch, wenn er vom umständlichen Anrühren erzählt: Ein Fachbetrieb mixte auf jeweils 100 Gramm „Rot 547“ noch
24 Gramm „Schwarz 703“.


Nach Wochen und Monaten war der Commodore in kürzester Zeit rot abgeduscht – bereits am folgenden Wochenende stand er wieder bei Jürgen daheim


Jürgen und sein CommodoreBis es allerdings soweit war, hatte Jürgen noch Schleif- und Spachtelarbeiten vor sich. Und zwar deutlich mehr, als eigentlich gedacht. „Klar – ich bin kein Fachmann, und habe auch nie Lackierer gelernt. Aber wie man spachtelnd an eine Karosserie rangeht, das weiß ich schon. Und weil ich den Opel ja auf Dauer fahren will – und er deshalb so richtig gut werden sollte – hab ich mir echt Mühe gegeben. Mein Kumpel Rolf allerdings sah bei jedem Besuch noch Unebenheiten. Also wieder spachteln, wieder schleifen – immer und immer wieder.“

Folienfrischer Motor
Jürgen weiß gar nicht mehr, wie oft Rolf in der alten Speditionshalle vorbeischaute, in der das Resto-Projekt vorangetrieben wurde. Wir erinnern uns: Jürgens Schwager hatte vor einer Weile eine Speditionshalle klar gemacht, die zum Verkauf und somit leer stand. Zwar ohne Heizung, aber mit Licht, Platz und Starkstromanschluss fürs Schweißgerät. Allerdings war die Halle inzwischen verkauft: Der neue Besitzer ließ Jürgen jedoch noch ein Weilchen gewähren. „Weil ich ja nun aber wusste, dass ich nicht mehr ewig in der Halle bleiben kann, wollte ich wirklich fertig werden.“ Entsprechend ätzend muss ihm das Spachtel-Prozedere vorgekommen sein. Denn immer, wenn er mit dem Ergebnis zufrieden war, kam Rolf vorbei. Und entdeckte noch eine Stelle.

 

Jürgen und sein Commodore„Also wieder grundieren, wieder nass abschleifen, wieder spachteln. Meine Herrn,  Rolf ist echt ein tausendprozentiger Kracher!“ Allerdings sollte das Ergebnis am Ende dem Anspruch des gelernten Fachmanns entsprechen, der selbst auch viele Stunden am Wagen beschäftigt war, und beispielsweise besonders fein zu verarbeitende Sprühspachtelprodukte anwendete. So viel sei schon mal verraten: Am Ende war auch Rolf zufrieden mit dem Ergebnis.

Echte Schleifer
Letztlich wurde dann sogar lackiert: das Armaturenbrett nämlich. „Das ist ja mehr ein Armaturenblech – Holz findet sich hier nur in den kleinen Verkleidungen. Das restliche Metall hab ich mattschwarz getüncht. Schaut sauber aus.“ Ähnlich verhielt es sich im Untergeschoss: Jürgen verpasste dem Commo einen schwarzen Unterbodenschutz.

„Vorher hab ich jedoch den Motor und das Getriebe fett mit Folien eingewickelt. Hier hatte ich mir solche Mühe gegeben, das wollte ich nicht ohne Not ruinieren.“ Allerdings musste der Motor, den Jürgen nur von unten einbauen konnte, mitsamt der Vorderachse ins Auto – angeklemmt wurde der Sechsender einstweilen mal noch nicht. Letztlich litten die Folien jedoch mehr unter dem Fahrtwind auf dem Autotransporter, als unter den Vorarbeiten. „Auf dem Weg zur Lackiererei zerrissen einige der Folien. Also musste ich hier wieder neue reinfummeln.“

Ein wenig fummelig war auch das Aufhängen der Türen und Hauben in der Lackiererei. „Da ging bald der halbe Samstag drauf, bis das alles vorbereitet war“, blickt Jürgen zurück. „War aber eine launige Aktion: Immerhin war nun wirklich das Ende absehbar.“ Die aufgehängten Einzelteile und auch die bereits in die Lackierkabine geschobene Karosserie wurden noch penibel entfettet.

Der olle Opel hatte einen Sonntag über seine Ruhe in der Lackierkabine, am Montag ging es dann zur Sache. Wer je mitbekommen hat, wie flott ein guter Lacker arbeitet, der weiß, in welch miesen zeitlichen Verhältnissen die Vorarbeiten zum farblichen Finish stehen. Nach Wochen und Monaten war der Commodore nun in kürzester Zeit rot abgeduscht und schon am folgenden Wochenende stand er wieder bei Jürgen daheim.

Der hatte sich schon länger auch mit der Zierleistenproblematik beschäftigt. „Die meisten Leisten waren einfach grottenschlecht und fertig“, erinnert er sich. „Also hab ich viele Stunden auf Teilmärkten und im Internet zugebracht.“

Leisten-Fragen
Dabei lernt man natürlich auch so allerhand, wie im Falle der hinteren Abschlussleiste am Dach. „Die hatte ich anfangs als ganz normale Zierleiste angesehen und erst später gemerkt, dass die zum Vinyldach gehörte – das der Opel gar nicht hatte, wohl irgendwann aber einmal gehabt haben muss. Das merkte ich natürlich zu spät.“ Die Löcher waren nun nicht mehr so einfach zu verschließen – vor dem Lackieren wäre das kein Problem gewesen. „Ich wollte allerdings auch kein Vinyldach drauf haben – da weiß man nie, ob’s drunter gammelt“, betont Jürgen. Allerdings gibt er auch zu, dass er sich die Sache vielleicht anders überlegt hätte, hätte der Scheunenfund ein solches Dach gehabt.

Die lausige Leiste wurde letztlich durch eine sehr solide Neuanschaffung ersetzt, wie es auch bei etlichen anderen Leisten der Fall war. „Klar war ich anfangs froh, dass ich den Opel weitestgehend vollständig aus der Scheune zerren konnte“, sagt Jürgen. Allerdings schaute die Kombination aus neuem Lack und mürben Leisten nicht immer fein aus. Also wurden die Leisten auf der Motorhaube, an den Kotflügeln, an den unteren Türkanten oder an der Regenrinne ersetzt.

Die Stoßstangen wiederum wienerte Jürgen in mühsamer Handarbeit auf. Neue Gummis sorgen hier für korrektes Aussehen, eine gestrahlte, grundierte und gewachste Innenseite für langes Leben. „Auch die Embleme konnte ich mit Politur wieder auf Vordermann bringen. Da ging richtig die Sonne auf!“ Das zeigt: Selbst echte Männer haben eben ein Herz für schicke Details wie den Schriftzug am Kofferraumdeckel.

Schneiderlein
Zum Schneider mutierte Jürgen bei der Gelegenheit auch noch gleich: „Neue Dröhnmatten gab es nämlich nicht. Also hab ich mir Material besorgt und die Matten selbst zugeschnippelt.“ Und weil ohnehin gerade Heimwerkertage waren, verklebte Jürgen auch gleich noch die neuen Türgummis. „Hier hab ich ins Replikaregal gegriffen, denn dort kosteten die Gummis nur ein Viertel. Mangels Dukatenesel muss man eben auf die Kohle schauen.“

Die Fensterschaftdichtungen übrigens – wie selbstverständlich auch die Scheiben – sind noch die originalen Teile. Außer kleineren Putzaktionen war hier keine Arbeit zu investieren, so dass es nur noch neue Gummidichtungen brauchte, um die Scheiben des Commodore wieder einzupassen. „Eine leichte Übung. Vor allem mit den richtigen Kumpels“, meint Jürgen.


 




Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Privat




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15.03.2013
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Privat
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