Peugeot 305: Kompaktes Sparwunder


Peugeot 305

Vor gut 35 Jahren stellte Peugeot den neuen 305 der Öffentlichkeit vor – die ein wenig verblüfft war, hatten die Designer in Sochaux doch bewusst auf das damals so populäre Schrägheck verzichtet. Stattdessen setzte man auf Haute Couture, die von Pininfarina in Kooperation mit dem Peugeot-Designzentrum entworfen worden war.

Trotzdem griff die Kundschaft zu – vor allem, als der familienfreundliche Kombi nachgereicht wurde. Bei unseren französischen Freunden firmierte der Lademeister als „Break“, der als Nutzfahrzeug ausgelegte „Break Service“ mit geschlossenen Seiten sollte speziell Handwerker und Dienstleister ansprechen. Ansprechend waren auch die Verbrauchswerte der Selbstzünder, die schon damals als „Vier-Liter-Autos“ unterwegs waren.
Ein Erfolgskonzept: Bis 1989 liefen über 1,9 Millionen vom Band, wahlweise als Limousine mit klassischem Kofferraum oder als praktischer Lademeister. In jedem Fall aber mit seinerzeit modernen Benzin- und Dieselmotoren, die den leer nur 985 Kilogramm wiegenden 305 als sparsamen Selbstzünder zu einem der ersten Vertreter der damals neuen Kompaktklasse mit Vier-Liter-Verbrauch machten.


Haute Couture statt Schrägheck: Beim Design des 305 arbeiteten Pininfarina und das Peugeot-Designzentrum zusammen


Peugeot 305Es ging aber noch besser, wie die Versuchsfahrzeuge des Projekts „V.E.R.A.“ bewiesen. Hinter der nach einem schicken Mädchen klingenden Bezeichnung versteckt sich die Abkürzung für „Véhicule Economique de Recherche Appliquée“, was sich mit „Energiespar-Versuchsfahrzeug“ übersetzen lässt. Dieses basierte auf einem Forschungsauftrag der französischen Energiesparbehörde, wobei der erste Prototyp wiederum auf dem Peugeot 305 GR aufbaute.

Die Ingenieure hatten Gewicht und Luftwiderstand des Serienmodells nach unten geschraubt – und auch gleich noch ein längeres Fünfganggetriebe verbaut. Die Ideen fanden am Ende auch den Weg in die Serie – verschiedene Leichtbaumaterialien wie Stahlbleche mit hoher Elastizitätsgrenze, Leichtmetalllegierungen oder Kunststoffe flossen bereits im Laufe der 13-jährigen Produktionszeit des Peugeot 305 in die Großserie ein. Übrigens folgte auf V.E.R.A.01 noch V.E.R.A.02 – der Diesel kam im Normzyklus mit 3,5 Litern auf 100 Kilometer aus. Allerdings musste sich Vera auch nicht mit Dutzenden von Elektromotoren abplagen, wie sie in heutigen Autos als Komfortstandard erwartet werden.

 

Peugeot 305Aber auch der mit einem durchaus überzeugenden Fahrwerk gesegnete 305 entwickelte sich weiter. Neben optischen und aerodynamischen Retuschen vor allem an der Front, an den Radabdeckungen oder am Heckspoiler kam es auch zu einer Verlegung der Baureihenbezeichnung ans Heck des nur als Fronttriebler erhältlichen Franzosen. Den gab es lediglich mit vier Pötten – aber immerhin in diversen Ausstattungsvarianten namens GLS, GTX oder GRD.
Über allem schwebte eine sehr spezielle Sechszylinderversion von 1981: Peugeot hatte eine Variante des 305 mit V6 für den Rallyesport konzipiert. Allerdings kam der Kraftprotz nie im Wettbewerb zum Einsatz – die Konzernleitung setzte lieber den 1982 lancierten Peugeot 205 ein. Der war zwar kleiner, schrieb aber dennoch als Rallye-Weltmeister Motorsportgeschichte …

PRAXIS-ERFAHRUNGEN
Vor allem mit einem der Selbstzünder wird heute natürlich niemand an ernsthaften Motorsport denken: Noch waren die damaligen Ölbrenner Welten vom brutalen Antritt aktueller TDI entfernt. Und doch wären die Drehmomentbrecher von 2013 nicht denkbar ohne Autos wie den 305, die dem Diesel in den kleinen Fahrzeugen den Weg ebneten. Insbesondere die Minimalwerte beim Kraftstoffkonsum überzeugten die Menschen. Maßstäbe setzte beispielsweise ein 65 PS starker Diesel – die Benziner waren und sind mit 8-9 Litern im Alltag deutlich durstiger, der im Normzyklus mit 4,6 Litern auskam. Wenn man dann noch bedenkt, dass es den Liter damals in den 80ern umgerechnet für rund 50 Cent gab, kann man schon ins Träumen kommen …
Positiv zu vermerken sind auch die kompakten Abmessungen von nur 4,23 bis 4,28 Metern Länge, wobei trotzdem was reingeht in den 305: im Kombi sind es bis zu 1.510 Liter Volumen. Dafür nahmen viele auch die zuweilen als schlecht kritisierte Verarbeitungsqualität in Kauf.

Inzwischen ist es schwierig geworden, überhaupt noch ein ordentliches Exemplar zu finden: Die nicht wirklich prickelnde Rostprophylaxe sorgte in Kombination mit den Streusalzorgien der 80er dafür, dass der als wenig erotisch angesehene 305 in Scharen ausgemustert und in die Presse geschoben wurde.

Dennoch muss man kein Vermögen anlegen, will man sich einen zulegen. Sichtlich gebrauchte Autos gibt es schon für einen Hunni – und selbst gut erhaltene Ersthandwagen knacken kaum je die Marke von 2.000 Euro. Man muss nur erst einmal einen finden, wie gesagt.
Am ehesten mag dies noch im nahe an Frankreich gelegenen Saarland gelingen, wo sich ohnehin viele französische Fahrzeuge tummeln – oder direkt im Mutterland. Idealerweise kann man die Suche mit einem Trip durch Südfrankreich kombinieren: mangels streusalziger Winter dünnte der Rost die Reihen hier nicht so stark aus. Und falls man keinen 305 findet, hat man wenigstens eine schöne Zeit in einer der schönsten Ecken Europas. Und das ist ja auch schon was …




Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Peugeot




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26.04.2013
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Peugeot
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Stand:17 December 2018 18:53:40