V8-Buggy


V8-BuggyFrosch im Sprint

Was als stinknormaler Käfer das VW-Werk verließ, ist heute ein Buggy mit mächtig Schärfe. Denn vom Heck aus dreht ein Rover-V8 brachial am Getriebe.

Morgens, halb zehn in Deutschland. Neben einem Lamborghini Gallardo steht an einer Ampel ein komisch dunkelgrünes offenes Auto. Die Ampel schaltet auf Grün, an der nächsten Ampel wartet Nenad, der Fahrer dieses komischen Autos, höflich, bis der Lambo mit Verzögerung ebenfalls eintrifft. Der Lambofahrer ruft rüber, ob sie nochmal könnten, er habe nicht damit gerechnet und nicht voll durchgetreten. An der nächsten Ampel steht fest: Auch voll durchtreten reicht bei diesen untermotorisierten Gallardos offenbar nicht mal ansatzweise, um Nenads Buggy die Rückleuchten zu zeigen … Was zur Hölle brachialt da über die Piste?


Der Wagen entstand im Labor eines Maschinenbau-Professors.  Er wollte damit Bergrennen gewinnen. Und wer den Buggy fährt, zweifelt nicht am Erfolg des rasanten Tüftlers.


V8-BuggyEXTREM-BUGGY AUS DEM LABORATORIUM
Geboren wurde dieses Gefährt als stinknormaler VW Käfer. 1970 nahm sich das Autohaus Südhannover Göttingen des Krabblers an, warf das Häuschen vom Fahrgestell und verkürzte dieses um 12 Zoll, um eine EMPI- IMP-Karosserie darüberzustülpen. Der EMPI-IMP ist eine der ersten GFK-Karosserieformen, die über den Teich nach Deutschland kamen. Das Autohaus steht nun als Fahrzeughersteller in den Papieren und der Umbau gilt als Erstzulassung des Wagens. Anfangs boxten 34 Pferde in Form eines kreuzbraven 1200er Käfermotors im Heck.

Das änderte sich 1988 mächtig gewaltiglich. Ein Professor der TH Aachen nahm sich des Spaßmobils an. Im Laboratorium für Maschinenbau wurde aus Dr. Jekyll  Mr. Hyde. Ziel war es, einen wettbewerbsfähigen Rennwagen für Bergrennen zu erschaffen. Die Kombination aus leichtem Fahrzeug und viel PS schien dafür ideal. Dazu wanderte ein relativ leichter 3,5-Liter-V8 aus einem Rover SD 1 Vitesse ins Heck des Krabblers. In England gebaut, ist dieser Alu-V8 eigentlich eine Buick-Entwicklung und produziert dank einiger Modifikationen stramme 186 PS. Und da der Mann wusste, was er tat, bekam das Monster schon damals den Segen der Graukittel.
 

V8-BuggyWie erfolgreich der naughty Professor bei seinen Bergrennen war, ist nicht vollständig dokumentiert,  sicher ist jedoch, dass seine Frau Angst um ihren Göttergatten hatte und er ihr zuliebe irgendwann den Wagen wieder auf den Markt warf. So wechselte er mindestens zweimal den Besitzer, bis er in einem virtuellen Auktionshaus auftauchte. Nenad zögerte keine Sekunde, als er ihn kurz nach dem Einstellen entdeckte, und griff zum Telefon.  Der Verkäufer war gerade auf dem Weg zum Essen und Nenad musste mit Engelszungen auf ihn einreden, noch schnell einen Besichtigungstermin am nächsten Morgen auszumachen. Der Run auf den Bock war groß, hätte er ihn tags darauf nicht sofort gekauft, die nächsten Käufer standen schon auf der Schwelle.

STATTLICHER VERBRAUCH – WEN STÖRT’S?
Damals lief der Bock wie ein Sack Nüsse, durch den Vergaser schnorchelten locker 35 bis 40 Liter feinsten Kraftstoffs. Grund war unter anderem die falsch montierte Kaltstartautomatik am Vergaser. Der Korrektur folgte eine Einstellungs- und Feintuningorgie. Verbrauch heute? Über Verbrauch redet man nicht, man hat ihn. Aber man könnte sicherlich mit dem Oktangehalt der Abgase ohne Probleme einen Smart antreiben.

Ein normaler Führerschein reicht für diesen Wagen nicht, man braucht schon einen Waffenschein. Mit Fahrer wiegt der Wagen vollgetankt nicht einmal eine Tonne und das Hauptgewicht hängt an einem kurzen Käfergetriebe locker lässig hinter der Hinterachse. Und Nenad übertreibt in diesem Fall wahrscheinlich mit seinem eigenen Körpergewicht. Nicht die optimale Gewichtsverteilung für Hochgeschwindigkeitsfahrten. Will man schneller als 120 km/h fahren, empfiehlt es sich, einen Beifahrer zu haben, der gut gefrühstückt hat – oder man sucht sich eine dreispurige, abgesperrte Autobahn.  Um die theoretische Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, braucht es keinen Mut, sondern eine ordentliche Portion Wahnsinn und ausgesprochen wenig Liebe zum Weiterleben. Zu gering ist die Bodenhaftung der Vorderräder bei hohen Geschwindigkeiten, um den Wagen noch vernünftig beherrschen zu können. Das Herausfahren aus dem Windschatten eines Lkw verändert schlagartig das Fahrverhalten der Adrenalinspritze auf Rädern. Auch bei nasser Fahrbahn ist der Wagen kaum beherrschbar. Selbst Nenad, der den Wagen und seine Eigenheiten kennt, hat nicht nur einmal unfreiwillig Pirouetten gedreht.  Eine echte Herausforderung für den Fahrer. So hat Nenad den Wagen noch nie komplett ausgefahren, weil ihm der Angstschweiß die Sicht vernebelte. Auch hat er ihn eigentlich noch nie wirklich komplett durchgetreten beim Anfahren. Der Motor würde vermutlich Kleinholz aus Getriebe und Antriebswellen machen. Aber es reicht ja auch so, um einen Lamborghini Gallardo zum Opferlamm zu machen.

EIN AUSPUFF-SOUND WIE EXPLOSIONEN
Dabei ist das Erscheinungsbild des Wagens erst einmal unauffällig, soweit man bei einem Buggy von unauffällig sprechen kann. Kein unnötiger Schnickschnack, matter Lack, nur wirklich das dran, was man zum Fahren braucht. Selbsternannte Experten meinen eine Doppelzündung zu erkennen, weil er ja acht Zündkerzen hat und nicht vier, wie für einen VW üblich. Nenad dazu: Er hat auch einen Doppelauspuff. Spätestens wenn Nenad den Motor anwirft, wird plötzlich der vollrestaurierte VW Samba Bus daneben komplett uninteressant. Der Sound aus der modifizierten Auspuffanlage lässt auch die Autos links und rechts vibrieren. Mit dem Samba daneben hat der Buggy aber etwas gemeinsam: Da der Umbau nachweislich schon 1988 durchgezogen und eingetragen wurde, hat der Wagen tatsächlich ein gültiges H-Gutachten.

Motor Maniacs empfiehlt den Fahrern serienmäßiger Sportwagen: Solltet ihr demnächst neben einem komisch grünen kleinen Plastikauto an der Ampel stehen – versucht es erst gar nicht. Wir können nicht garantieren, dass Nenad danach das Dauergrinsen wieder loswird …


Text: Bernd Frank
Bilder: Volker Rost




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19.04.2013
Text: Bernd Frank Bilder: Volker Rost
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