Porsche 356 SC Renncoupé und American Speedster


Porsche 356 SC Renncoupé

Schönheit in schnell

Für Heinz Steber gehören zum genussvollen Leben vor allem Musik, Design und gutes Essen. Und natürlich seine beiden Klassiker, das Porsche 356 SC Renncoupé und der 356 American Speedster

Wer aufwächst wie Heinz Steber, der ist von Geburt an Ästhet: Der Großvater Violinist an der Oper in München, die Mutter klassische Pianistin, und in der väterlichen Linie hatte bereits Eleanor Steber vorgelegt, die in stimmgewaltigem Sopran auf dem kriegsmüden Broadway irgendwo zwischen Grand Dame und Diva ihre Erfolge feierte. Er selbst aber, Heinz, 1946 in diese musikalische Dynastie hineingeboren, sieht sich trotz aller klangvollen Großtaten seiner Ahnen nicht in dem Zwang, die Erbfolge in Orchestergräben und auf Showbühnen anzutreten. Erst mit 16 lernt er Gitarre, und obwohl er damit das in seiner Familie wohlbekannte Genre klassischer Musik verlässt, verhilft ihm seine musikalische Frühprägung schnell zum Erfolg: Mit seiner Rock ’n’ Roll-Combo tingelt er unter Beifall durch Bayern, bald hat sich „The Memphis“ einen Namen auch darüber hinaus gemacht. Die Band spielt auf, wo immer das Leben gefeiert wird.


Die Form des 356 geht auf die Ursprüngeder Marke Porsche zurück. Auf eine Zeit,in der die Konstrukteure noch jede einzelneKarosserie in Handarbeit fertigten


Porsche 356 SC RenncoupéSchön ist’s. Und auch beruflich will sich Heinz mit den schönen Dingen befassen. Schöpfen, kreativ sein, doch Musik soll sein Hobby bleiben. Also nimmt er sich den Formen und Farben an, entwickelt Inneneinrichtungen für Diskotheken, fordert sich im Design von Möbeln und Bädern und schafft Werke wie Skulpturen und dreidimensionale Collagen. Er wird erfolgreicher Geschäftsmann, der seine ganz eigenen Genusserlebnisse privat vor allem in Musik, Kunst und gutem Essen aus italienischer und griechischer Küche findet. Mit der Zeit kommen die Autos hinzu. Schöne Autos.

Scheibenbremsen schon ab Werk
Zwei davon gehen auf das erste Serienmodell von Porsche zurück, auf den 356 – ein Auto, dessen erste Karosserien die Konstrukteure 1958 noch in einer Kärntener Behelfswerkstatt per Hand zurechtklopften. Heinz Stebers 356 SC Renncoupé allerdings stammt bereits aus dem letzten Modelljahr 1965, in dem schon die Bänder für die 911-Produktion anliefen.
Dem Renncoupé, einst in die USA exportiert und 1987 zurück nach Deutschland geholt, ist die Sportlichkeit des rund 128 PS leistenden Vierzylinder-Boxermotors schon von außen anzusehen: Die Form ist vorn und hinten gerundet und geglättet, die Stoßstangen-Aufnahmen sind verschlossen, der Heckdeckel über dem Motor ist ohne Grill, zur besseren Belüftung fehlt die innere Blechabdeckung, es schützen Luvers gegen Nässe und der auf der Fronthaube angebrachte Tankdeckel ermöglicht das schnelle Betanken – der Stutzen ist entsprechend der US-amerikanischen Anforderungen besonders groß dimensioniert. Die vorderen Blinkeröffnungen lassen sich zur Belüftung der bereits serienmäßigen Vier-Scheiben-Bremsanlage nutzen, die längst rundum mit Rennbelägen aufgerüstet ist. Das Fahrwerk wurde zudem komplett überholt, tiefergelegt und mit extra angefertigten Koni-Renndämpfern versehen. Der ganze Wagen steht auf 185/15er-Bereifung auf 15-zölligen KPZ-Rennfelgen, und auch das Interieur verweist auf die Streckentauglichkeit des Coupés: Überrollbügel, Speedstersitze, Carrera-Holzlenkrad und zwei Stoppuhren am Armaturenbrett, das zusätzlich ein seltenes Kombiinstrument mit drei Zeigeranzeigen beherbergt.

 


Porsche 356 American SpeedsterFür den flüchtigen Betrachter unsichtbar bleibt hingegen das originale und neu aufgebaute Vierganggetriebe, an dem das auf 1740 Kubikzentimeter Hubraum vergrößerte Aggregat hängt. Und das hält, was der erste Eindruck vom Renner verspricht: Neben Wahl-Spezialkolben versehen eine leichte und gewuchtete Kurbelwelle sowie Spezial-Pleuel Ahnendorp-Sportzylinderköpfe mit größeren Ventilen und bearbeiteten Kanälen ihren Dienst. Offene Trichter plus Solex-Vergaser, ein externer Ölkreislauf mit zwei Ölkühlern hinter der Frontmaske, eine elektrische Benzinpumpe und ein originaler Sebring-Auspuff dienen dem Fahrer zusätzlich beim zuverlässigen Gasgeben bis zur Spitze von 210 km/h. Seit seiner Komplettrestauration samt Umbau auf 12-Volt-Elektrik in den Jahren 1987/88 hat der 356 SC satte 25.000 störungsfreie Kilometer abgespult.

Einmal USA und zurück
Der zweite auf die 356er Serie zurückgehende Wagen von Heinz Steber ist eine bewusste Reminiszenz an jenes Auto von 1957, in dem Götze, Strähle und Frankenberg in Monza drei Weltrekorde über 1000 und 2000 Meilen sowie zwölf Stunden aufstellten. Der 1958 erstzugelassene American Speedster wurde im Jahr 2000 mit völlig verrotteten Alu-Teilen in Zustand 4 aus den USA re-importiert und innerhalb von zwei Jahren in einen Top-Zustand gebracht. Der Speedster –
diese Modelle wurden ursprünglich und zunächst allein für den US-Markt hergestellt –
gilt in seiner Art daher als Einzelstück. Besonderes Merkmal ist vor allem die 1958 bis 1961 in 3514 Einheiten bei Drautz gefertigte Convertible-D-Luxuskarosserie mit einigen Änderungen speziell für den Rennsport. So verfügt sie über bogenförmige und gelochte Verwindungsversteifungen an der A- und B-Säule, und während die grifflosen Türen, lederberiemten Hauben sowie die strömungsgünstige Hutze hinter dem Fahrer aus Alu gefertigt sind, besteht der Rest der Außenhaut aus Stahl. Der metallene Steg für den Sebring-Rückspiegel ragt hinter der Scheibe gen Himmel – und die ist inzwischen aus Kunststoff.

Wie bereits dem Coupé, hat die Geschichte auch dem Speedster eine Hubraumvergrößerung angedeihen lassen. Unter dem Heckdeckel verdichtet der Boxer nun auf 1780 Kubikzentimetern. Eine Scat-Kurbelwelle, Spezial-Pleuel und -Kolben, Ahnendorp-Sportzylinderköpfe mit größeren Ventilen und bearbeiteten Kanälen, modifizierte Solex-Vergaser mit offenen Trichtern, ein Sebring-Auspuff, eine Sinter-Kupplung und ein externer Ölkreislauf mit zwei Kühlern unterstützen ebenfalls das sportliche Behave. Das Auto kommt so auf 134 PS. Die beiden Benzinpumpen sind unabhängig voneinander schaltbar.
Neu aufgebaut wurde auch das viergängige 356-Originalgetriebe. Betätigt wird es per Stange direkt und ohne Umlenkung – eine Art zu schalten, die bereits 1951 bei dem Rennfahrer John von Neumann zum Einsatz kam.

Kein Klimbim im innenraum
Auch das Fahrwerk ist vollständig auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. So wurde der komplette Körper der Vorderachse um
1,8 Zentimeter tiefer verschweißt, um die Karosserie vorn abzusenken und dem Auftrieb entgegenzuwirken. Die Koni-Renndämpfer aus dem Coupé sind auch im Speedster verbaut, und die originale Volkswagen-Bremse, mit der die Konstrukteure einst Gewicht sparen wollten, ist inzwischen durch eine GT-Trommelbremsanlage mit einer Backenbreite von vorn 60 und hinten 40 Millimetern ersetzt worden. Auf den 15-Zoll-KPZ-Stahlfelgen klemmen Dunlop-Racing-Reifen mit den Maßen 5.00 M 15 vorn und 5.5 M 15 hinten.

Als Ästhet, der er nun einmal ist, legt Heinz Steber auch großen Wert auf die besondere Authentizität der Innenausstattung. Dass der mittlerweile unter 12 Volt Spannung stehende Sicherungskasten offen liegt und die beiden Bendix-Benzinpumpen im Beifahrerfußraum hängen, mag zwar nicht zwingend dem störungsfreien Betrieb des Wagens zuträglich sein, es gehört aber genau so zum originalen und originellen Stil des Fahrzeugs wie der Überrollbügel, die nur mit einem Leder bezogenen und auf Holzsockeln montierten Speedster-Sitze aus Alu, die seltene Drei-Zeiger-Anzeige und das weinrote Bakelit-Porsche-Lenkrad, das so ursprünglich nur in Werksrennwagen eingebaut wurde.

Es ist wie damals. Schöne alte Zeit.
Seit 2005, Heinz Steber war gerade 59, steht er auch wieder auf der Bühne. Ein Fender-Bass hatte seine in jugendlichem Alter entdeckte Leidenschaft für Musik wieder neu entfacht. Er hatte sich an „The Memphis“ erinnert, an die Gigs von damals, das Publikum. Er fand, wie er selbst sagt, „jung gebliebene Musiker“ für eine Band, zu seinem Sechzigsten erschien die erste CD: „The Memphis, Sound 64“. Titel von früher.  Schöne alte Zeit.


 

 




Text: Boris Glatthaar
Bilder: Volker Rost




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07.12.2012
Text: Boris Glatthaar Bilder: Volker Rost
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