Mercedes-Benz 450 SEL


Limousine in Plüsch

Ein Mercedes-Benz W116 450 SEL als Rechtslenker ist nicht gerade Alltag. Mit Porno-Interieur ist er es erst recht nicht, und auch sonst stand die TÜV-Abnahme nie im Zentrum seiner Instandsetzung. Trotzdem ist aus der
angefressenen S-Klasse mit dem langen Radstand ein tolles Auto geworden
 

Ich muss einen Rechtslenker haben!“ Nachdem ein Kumpel ihm seinen rechtsgelenkten S-Klasse vom Typ W116 gezeigt hatte, der zuvor im Dienste der britischen Botschaft in Spanien stand, war Thomas hin und weg. Sogleich befand er aber, dass es sich bei seinem künftigen Exemplar nicht um einen profanen Jaguar XJ handeln dürfe, das wäre ja viel zu einfach. Was Schönes mit Stern aus Stuttgart, das wäre schon ganz genehm. Und so kam er in Besitz eines hellgrünen Mercedes 450 SEL des Baujahres 1979, der sein komplettes Leben in London verbracht hatte. Obendrauf legte der Erstbesitzer die komplette Dokumentation mit allen Belegen und sogar dem originalen Kaufvertrag. „Ganz grundlos nahm ich den W116 allerdings nicht, mit einem V8 war die S-Klasse DAS Auto meiner Kindheit. Immer Hammer, wenn so ein Schlitten damals an einem vorbeigeblubbert ist“, erinnert sich Thomas an frühere Tage im beschaulichen Oldenburg.

 Krümelgrüße von der Insel 
Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme stellte sich heraus, dass es alle Schweller, den Unterboden und die ganze Bodengruppe zu schweißen gäbe. Also brutzelte Thomas so vor sich hin und machte alles tiptop. Nur das durchgegammelte Schiebedach wollte er sich sparen und einfach gegen ein neues Dach tauschen. Doch wie das so ist mit ausgeklügelten Plänen – es war schlichtweg kein Dach aufzutun. Also entschied sich der Eigentümer von „German Altblech Kustomizing“, die leckende Dachluke kurzerhand dichtzubraten. Und damit kam er auch langsam von einem weiteren Plan ab, den Luxushobel total zu restaurieren. Im Innenraum vom langen Benz ließ sich der Zahn der Zeit nicht übersehen, die moosgrüne Velours-Ausstattung war reichlich runtergerockt. „Die Federn der Sitzpolsterung bohrten sich ständig in den Hintern, sodass ich erstmal ein paar rentnermäßige Fellbezüge zum Drüberziehen besorgte“, berichtet Thomas. So ließen sich auch bestens die Aufnahmelöcher der entfernten Kopfstützen verbergen. An dieser Stelle brachte sein Rechtslenker-Kumpel, der ebenfalls Thomas heißt, den verhängnisvollen Satz: „Dann mach doch gleich ein richtiges Monster aus der Karre!“ Warum auch nicht, schließlich kann man ja mal neben den ganzen Original-Restos im eigenen Unternehmen etwas kreativer zu Werke gehen.


Die Tieferlegung mit Hilfe von Bosch brachte dem W116 vorn 22 und hinten 18 Zentimeter mehr Bodennähe

Damit war die Idee für die Orgie aus quietschgrünem Samt in Kombination mit strahlendweißem Flokati geboren. Thomas sparte dabei nicht einmal die Einstiegsbereiche aus – wer schmutzige Schuhe hat, darf also den Bus nehmen. Die Hutablage nehmen mittlerweile Aloha-Blumenkränze, die obligatorische umhäkelte Klopapierrolle und der nicht minder zeitgeistige Wackeldackel in Beschlag. Auch die Kommandozentrale vom Mercedes-Topmodell blieb nicht unangetastet: Da der schwäbische Hersteller jeglichen Anflug von Sportlichkeit nach Kräften vermeiden wollte, weist der Instrumententräger nur einen Tacho, ein große Analoguhr und ein Kombiinstrument für Tankfüllung, Wassertemperatur und Öldruck auf. Also fackelte Thomas nicht lange und befestigte einen fetten Autometer-Drehzahlmesser samt Shiftlight auf dem Armaturenbrett. Dem steht nun eine erlesene Kollektion Antennenbälle zur Seite. Den Stolz so manchen Daimlerfahrers, die aus Sicherheitsgründen auf Bleche geklebten echten Wurzelholzfurniere, lackierte er kaltblütig in creméweiß. Passt ja auch viel besser zum Hupring-Lenkrad gleicher Farbe aus dem Vorgängermodell W108. Für das barocke Volant nahm Thomas auch einige Basteleien an der Lenksäule in Kauf. Dass den Insassen trotz der Masse an kuscheligen Stoffen zu warm wird, verhindert eine Klimaanlage. Hier ließ sich der britische Erstbesitzer offenbar nicht lumpen. Deren Bedienungselemente sitzen erwartungsgemäß in der Mittelkonsole, doch ein Radio sucht man dort vergeblich …


… weiter geht’s in Motor Maniacs 04/12


Text: Arild Eichbaum
Bilder: Volker Rost




15.06.2012
Text: Arild Eichbaum Bilder: Volker Rost
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