Jeep Grand Wagoneer


Jeep Grand Wagoneer

Mountain King

Der Grand Wagoneer galt in den Staaten fast drei Jahrzehnte lang nicht nur als das SUV überhaupt, sondern auch als derart solide, dass seine Mechanik über all die Jahre nahezu unverändert blieb. Auch Harry aus Colorado fährt einen „Woody“

Wer nach Snowmass Village will, der folgt dem State Highway 82 und schließlich den Serpentinen in die Berge von Colorado. Hier oben, knapp acht Meilen vom teuren Wintersportpflaster Aspen entfernt, haben sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Reiche ihre Zweitwohnsitze gebaut: Es gibt luxuriöse Appartements und kleine Häuser, die im Sommer meist leer stehen und im Winter von Städtern bewohnt sind, dazu ein paar kleine Stores, eine Handvoll Lokale, ein Einkaufszentrum und vor allem den Skilift. Und es gibt ein paar wenige Leute, die leben und arbeiten hier, damit andere urlauben können. Einer von ihnen ist Harry.


„Früher fuhr jeder Zweite hier in den Bergen einen Wagoneer“, sagt Harry. „Heute ist das Auto selten geworden. Dabei ist es perfekt für Sommer und Winter – man kommt überall hin, egal ob zum Fliegenfischen oder ins Skigebiet“


Jeep Grand WagoneerFrüher ein Bestseller, heute selten
Vor knapp 30 Jahren bleibt der Mann aus New York hier in den Bergen südwestlich von Denver hängen, fährt verschiedene Autos. 2001 trifft er einen Typen, auch der hat eine Zweitwohnung in Snowmass und einen 1989er Jeep, nichts Modernes, doch das soll sich ändern. Ein neuer Wagen soll her, den alten verschenkt der Städter einfach an Harry. Es ist ein Grand Wagoneer, der Ur-SUV. „Dieses Auto hat es hier früher zuhauf gegeben“, sagt Harry.

Tatsächlich war der luxuriöse Offroader viele Jahre lang nicht nur für die Gäste in der angesagten Ferienregion die perfekte Symbiose aus geländegängigem Gebrauchsfahrzeug und dem Ausdruck einer dicken Brieftasche. In den gesamten USA fuhren Leute mit Geld und einem ungeteerten Weg vor der Tür den 144 PS starken Achtzylinder. „Der hat damals so viel gekostet wie drei Cadillacs“, behauptet Harry, Widerspruch zwecklos und auch ohne Sinn, weil das zwar übertrieben sein mag, aber die Richtung stimmt. Denn tatsächlich war die Grand-Ausführung des Wagoneers mit ihrer bequemen Cord-Leder-Ausstattung und all dem elektronischen Schnickschnack wie Fensterheber und Sitzverstellung das Geschniegeltste, das die Jeep-Palette zu bieten hatte. „Aber inzwischen sind die Grand Wagoneers kaum noch auf der Straße zu sehen.“ Stattdessen gebe es auch hier in den Bergen, wo früher jeder Zweite diesen Allrader fuhr,  haufenweise Neuwagen und SUVs, die nicht schmutzig werden sollten: Wer heute in Snowmass und Aspen was auf sich hält, der kommt vor allem in europäischen Marken – Audi Q5, Mercedes GLK, BMW X5.
 

Jeep Grand WagoneerDen Unterschied zwischen derart neumodischem Kram und seinem handfesten Auto weiß Harry nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu vertonen. Mit einem kräftigen Ruck am Griff reißt er die Fahrertür auf, nur um sie gleich darauf wieder zuzuknallen. Es scheppert blechern, er nennt es „eisern“. Dann fordert er dazu auf, es ihm nachzumachen, und wieder scheppert es blechern oder eisern, aber in jedem Fall laut, was Harry offenkundig zufrieden stellt. Er nickt und zwischen den dem Hufeisenbart blitzen kurz seine Zähne auf. „Das“, kaut er schließlich in breitem Ami-Slang, „das ist das Geräusch einer echten Tür, die in ein richtiges Schloss fällt. Das ist keine Spielerei, mit diesem Auto kannst du in den Wald fahren!“

Harry selbst macht das oft, vor allem im Sommer, wenn er als Fishing Guide mit Touristen zum Fliegenfischen an den Flüssen der Umgebung tourt. „Da merkst du nichts davon, dass du durch die Wildnis fährst, statt über die Straße. Es ist so, als seist du im Wohnzimmer mit perfekter Rundumsicht unterwegs. Steig ein, sieh selbst!“ Eine Minute später werden Harrys Worte Gewissheit, denn tatsächlich sitzt es sich so hoch wie auf dem Bock eines Kleintransporters und so gemütlich wie im Fernsehsessel – was fehlt, ist nur ein Kamin. Aber warm wird’s auch so, die betagte Heizung hat noch immer genug Power: Außen herrschen minus 5 Grad Fahrenheit, knapp unter minus 20 Grad Celsius, und selbst bei geöffneter Fahrertür bleibt es im Innern des eckigen Kastens angenehm warm. Und auch fahrtechnisch macht der Jeep auf Schnee und Eis keine Zicken: Mit umschaltbarem Allradgetriebe, Dreigangautomatik, stolligen 235/75R15-Pneus und einem Radstand von knapp 2,8 Metern schluckt das motorisierte Herrenzimmer jede Herausforderung des Winters. Für Harry, der zu dieser Jahreszeit in einem Snowboard-Shop Bretter verleiht, in jeder Saison der perfekte Wegbegleiter.

Robuste Technik
Kein Wunder, geht der Wagoneer doch auf den handfesten US-Ur-Offroader Willys zurück, genauer gesagt auf dessen Kombi-Ausführung, den Jeep Station Wagon. Anfang der 60er Jahre erkennt die Kaiser Jeep Corporation, dass es Zeit für etwas mehr Eleganz in der Jeep-Nische wird. Mit der Weiterentwicklung des Geländewagenkonzepts beauftragt das Unternehmen Steven Brooks, der den Charakter des Wagens umformt: Aus einer rein robusten Gebrauchsmaschine wird ein Auto, dessen nützliche Eigenschaften erhalten bleiben, während es an Ästhetik und Komfort ordentlich zulegt. 1963 erscheint dieser Wagoneer offiziell. Die ersten Modelle sind außen nicht nur mit Chrom, sondern auch mit Holzimitat dekoriert – was den „Woody“ zu einem gut erkennbaren Gesellen auf den Straßen und in unwegbaren oder gar unerschlossenen Gebieten macht. Die Karosserie ist lange Zeit noch aus Stahl, der Rahmen separat, und die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt, was sich im Laufe der Jahre ebenso ändert wie die Auswahlmöglichkeit zwischen Zwei- und Viertürern. Zuletzt gab es den Zweitürer nicht mehr. Ansonsten muss der Wagoneer während seiner 28-jährigen Bauzeit nur wenige Änderungen ertragen: Die Technik gilt als robust, die Karosserie wird nur ab und an ganz leicht dem Zeitgeist angepasst. Den Wagen gibt es zwar zeitweise mal mit verschiedenen Sechs- und mal mit unterschiedlichen Achtzylindermotoren. Das aber liegt weniger an etwaigen technischen Notwendigkeiten als daran, dass die Marke Jeep mehrmals die Eigentümer wechselt und diese teils abweichende Motorisierungskonzepte verfolgen: Bis 1970 hat die Kaiser Jeep Corporation das Sagen, dann AMC, ab 1986 schließlich Chrysler.

Die AMC ist es in den 70ern, die im Wagoneer noch einmal große Potentiale sieht und ihm ab 1974 nicht nur den Grand Cherokee als kleinen Bruder zur Seite stellt, sondern 1984 auch den Grand Wagoneer als opulente Luxusausführung. Und als 1991 der letzte Wagoneer vom Band rollt, verfügt das 4,66 Meter lange und 1,92 Meter breite Grand-Modell über einen robusten 5,9-Liter-V8, der schon bei zigtausenden von Vorgängern 144 PS und 386 Newtonmeter leistete.

„Es ist solide Technik“, sagt auch Harry. „Allerdings auch mit Alterserscheinungen.“ Inzwischen gehe häufiger mal etwas kaputt, und die Ersatzteile für den Wagoneer seien selbst in den Staaten heute nicht mehr so einfach zu finden. Jedenfalls dann nicht, wenn man sie für einen vernünftigen Preis schießen wolle. Trotzdem steht Harry auf seinen Jeep. „Er hat jetzt 122.000 Meilen auf der Uhr, 45.000 davon bin ich gefahren. Ich weiß also ganz genau: Ein besseres Auto kann man sich nicht vorstellen.“ Geheimtipp gilt.

Text: Boris Glatthaar
Bilder: Philipp P. Wülfing




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27.02.2013
Text: Boris Glatthaar Bilder: Philipp P. Wülfing
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