Ford V8 Rod


Ford V8 Hot Rod

Das pure Leben

Für die einen reduziert sich der Charme Mallorcas auf die Freuden durchzechter Disconächte am „Ballermann“ – für die anderen ist die spanische Mittelmeerinsel ein sonniges Refugium feinster Güte. Für Kalle gilt das ganz sicher: Er hat sich hier den Traum vom „reinen Leben“ erfüllt – nicht nur mit seinem Restaurant, sondern auch auf vier Rädern

Allerdings ist das „Pura Vida“ nicht so ganz einfach zu finden: „Du musst von Santanyi in Richtung Cala Figuera fahren, und dann bis zur Farmacia. Dort dann rechts und der Straße bis zum Ende folgen. Links über den Klippen parkt der Ford“, erklärt Kalle am Telefon, während es im Hintergrund ordentlich rumort: Wenige Tage vor der Winterpause scheint auf der Terrasse noch richtig was los zu sein an diesem sonnigen Novembertag.

Der akustische Eindruck bestätigt sich eine Weile später: Kalle sitzt lässig beim Café cortado, die Sonnenbrille im Gesicht, dem die ein oder andere Falte ganz gut steht. Hier lebt einer seinen Stil – das wird auf den ersten Blick klar. Immerhin steht die Flathead-Harley nicht ohne Grund auf dem Dach des „Pura Vida“, das zu Recht als Geheimtipp gilt.


Schwarz und tief kauert der 1932er Ford über dem Boden, das knackige Heck drückt sich über passende Schluffen –  so ganz original ist das Five-Window-Coupé nicht mehr


Ford V8 Hot RodUmgebaut sieht besser aus
Uns ist es jedoch nicht nach leichtem Essen – sondern nach schwerem Eisen, wie es oberhalb der Treppe neben der Straße parkt. Schwarz und tief kauert der Ford über dem Asphalt, das knackige Heck drückt sich über passende Schluffen: So ganz original ist das Five-Window-Coupé nicht mehr.

„Aber genau so schaut der Wagen auch viel besser aus“, erklärt Kalle, der schon immer ein Faible für US-amerikanische Eisen auf zwei oder vier Rädern hatte. Alte, aber auch neue  Harleys sind durchaus sein Ding – seine stark modifizierte 1200er XR ist nur ein Beispiel. „Aber auch richtige Schlitten fand ich immer geil“, gibt der fesche Bartträger zu, der in der Vergangenheit einen 68er Chevy El Camino ebenso durch die Lande scheuchte wie einen 50er Pickup aus derselben Schmiede.

Am 1932er Ford wiederum fasziniert ihn vor allem die Form: „Das ist doch die Mutter aller Hot Rods“, schwelgt Kalle, während er um sein Baby streicht. „Du musst nur das Dach ein bisschen choppen, andere Gummis montieren und die Karre vorne tiefer ansetzen – und juck! Die Form an sich ist ja schon perfekt.“
 

Ford V8 Hot Rod5,7 Liter, rund 290 PS …
Das dachten sich wohl schon Ende der 40er ein paar Jungs in den USA, die dem 32er Coupé einen Umbau zum Rennfahrzeug angedeihen ließen. „Das wurde wohl alles schon 1947 gemacht, wie ich inzwischen rausfand“, freut sich Kalle über die Fahrzeughistorie. Immerhin fuhr der Wagen nachweislich Rennen – auch wenn über Siege oder Platzierungen nichts mehr in Erfahrung zu bringen ist. „Auch der Motor wurde schon damals umgebaut.“ Heute schöpft der V8 dank Edelbrock-Vergaser flotte 286 PS aus seinen 5,7 Litern. Für den Ritt über die Insel ist das allemal genug.

Zumal der Vorderbau fast komplett aus leichtem Alu besteht: „Die Motorflanken allerdings könnte man zum Fahren auch ganz weglassen – die sind so konstruiert, dass sie mit wenigen Griffen demontiert sind.“ Wenn es zum HU-Termin geht, sind die Flanken natürlich mit dabei: Kalle rollt dann sogar auf eigener Achse nach „EnErWe“, wie er erklärt. „Zur Fähre ist es ein Katzensprung – und die acht Stunden bis zum Festland sind auch kein Problem. Anschließend geht’s noch 1.500 Kilometer bis in die alte Heimat im Ruhrpott – und später mit frischem Stempel auf dem Nummernschild wieder zurück.

Alltagstauglichkeit beweist der Rod aber vor allem auf der Insel, auf der Kalle den Ford oft im ganz normalen Alltagsbetrieb bewegt. Dass er dabei immer wieder Aufsehen erregt, ist keine Frage: Laut Kalle ist der schwarze Brummer der einzige Alltags-Rod auf der Insel. „Die Leute hier sehen den Wagen total tiefenentspannt. Da kuckt keiner neidisch – dafür ist die Kiste einfach zu sympathisch. Das seh ich an den winkenden Kindern oder den hoch gestreckten Daumen. So entnervt kann man gar nicht sein, als dass man hier nicht nach einer halben Stunde mit ’nem Dauergrinsen aussteigt.“ Kalle sieht auch die Form des Wagens als Grund für den Sympathiebonus an: „Der Brocken schaut eben aus, wie man die Autos aus der Zeit eines Buster Keaton kennt – das assoziieren die Leute denn oft mit alten Hollywood-Streifen.“

Nun – aus Hollywood kommt Kalles Kiste nicht direkt. Sondern aus Ohio, was ein gutes Stück weiter im Osten der USA liegt. „Ich hab einige Freunde in den Staaten, die sich in der Hot-Rod-Szene und bei den Rumblers tummeln“, meint Kalle. „Aber auch bei den Rumblers aus Bottrop kenn ich etliche Jungs – und so ergeben sich weitere Kontakte von ganz allein. Zudem war es kein Geheimnis, dass mir schon lange ein originaler Rod in der Nase stach. Schließlich kam eins zum anderen.“

Kalle wollte unbedingt ein authentisches Fahrzeug – und er wollte ein frühes Five-Window-Coupé, für ihn die feinste Ausführung des Ford V8, der ab 1932 im Angebot war. „Als mir dann die Info zu einem solchen Coupé zuflatterte – da war die Sache fast schon geritzt.“ Der Wagen hatte seinen originalen 3,6-Liter-Achtender schon lange gegen ein Chevy-Aggregat wechseln dürfen, wie aus den erhaltenen Papieren hervorgeht. „Auch der leichte Vorderbau war schon vorhanden, als ich die ersten Fotos aus Ohio bekam. Das gechoppte Dach gefiel mir dabei besonders – das betont den bulligen Charakter. Und auch die Viergang-Automatik war schon an Bord.“

Buster Keaton lässt grüßen
Das alles geschah anno 2002 – und Kalle schlug sofort zu. „Auch wenn klar war, dass noch Arbeit reingesteckt werden musste. Und Kotflügel brauchte ich auch noch.“ Die nämlich fehlten dem Rod, der sich bald auf dem Weg in die Alte Welt befand. „Natürlich war ich heiß auf die Kiste, das ist klar. Und der Zustand war auch gar nicht so schlecht, als ich den Ford endlich vor der Hütte hatte.“ Allenfalls Kleinigkeiten störten Kalle: „In der Summe waren es aber genügend Baustellen, um die Kiste nochmals komplett zu zerreißen!“

In lediglich sechs Monaten erhielt der Wagen sein heutiges Aussehen. „Die vier Trommelbremsen flogen raus, dafür kamen Scheibenbremsen rein – schließlich will ich den Brocken nicht in die Leitplanke werfen.“ Zudem wurden der Motor und die Elektrik neu aufgebaut. „Eine neue Lederausstattung und neuen Lack im originalen Farbton gab’s dann auch noch – und natürlich einen Airbrush auf jeder Tür. Ein bisschen Werbung muss schon sein“, grinst der Hot-Rod-Gastronom. Entsprechend findet sich der Schriftzug „Pura Vida“ auch auf dem Heck – mit Ausrufezeichen. Als Statement sozusagen. Vorne arbeitet nach wie vor die originale Gussachse, nun mit neuen Dämpfern. „Das hat das Fahrverhalten deutlich verbessert“, meint Kalle, der dem Rod noch getönte Scheiben und ein neues Schiebedach spendierte – und heute regelmäßig über die Insel kurvt. „Ich fahr mit der Kiste auch längere Strecken auf dem Festland, das macht richtig Laune. Im Jahr ledere ich so an die 6.000 Kilometer runter.“ Nicht selten ist dann auch Herr Lehmann – vierbeiniges Maskottchen und wahrer Chef des Pura Vida – mit an Bord.

Dort parkt der Rod häufiger vor der Tür – ein sicheres Zeichen, dass der Chef in seinem Domizil anzutreffen ist. „Nachts steht er natürlich in der Garage, wie sich das gehört“, betont Kalle, der den Rod ganzjährig nutzen kann. „Streusalz gibt es hier nicht“, feixt er noch. „Nicht einmal in den Bergen im Norden, wo ich am liebsten rumkachle. Dafür nervt hier die salzige Luft“, ärgert sich der große Blonde, während er auf die Oxidspuren am V8 deutet. „Aber den Preis zahl ich gern“, versichert er. „Immerhin will ich mit der Kiste Spaß haben. Das ist ein Auto zum Fahren – und nicht zum in die Ecke stellen und anglotzen!“ Kalle hat feste Vorstellungen, wie er seine Zeit zubringt. Und mit welchem Gefährt. „Man muss eben seinen Stil leben …“

Text: Heiko P. Wacker
Bilder: Heiko P. Wacker




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20.02.2013
Text: Heiko P. Wacker Bilder: Heiko P. Wacker
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