Ford Custom T91 COE als Zugfahrzeug für einen Dirt Track Racer


Ford Custom T91 COEHoch auf dem braunen Wagen

Renntransporter müssen nicht zwangsläufig blau mit einem Stern auf der Haube sein. Und was zum Flügeltürer passt, ist noch lange nicht Hot-Rod-kompatibel. Ein historischer Truck wäre da schon besser, aber bitte nicht irgendeiner – hier ist der Ford T91 COE

Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist Platz nur begrenzt vorhanden. Dieses an sich stimmige Argument kam in den 30er Jahren allerdings noch nicht so zum Tragen, als einige Nutzfahrzeughersteller begannen, bei ihren größeren Lastwagen den Fahrer nicht mehr hinterm Motor, sondern darüber zu platzieren. Somit ließ sich bei gleicher Gesamtlänge mehr Fracht transportieren. Doch wie gesagt, Platz war selbst im urbanen Amerika der 1930er Jahre noch keine Mangelware, und so führten die COEs (Cab over Engine) ein Schattendasein. Zudem waren wie später im Nachkriegseuropa zahlreiche Trucker wenig begeistert, nun selbst an vorderster Front zu sitzen, anstelle noch den vorgelagerten Motorraum als Knautschzone vor sich zu haben.
Ford Custom T91 COE
Klaus, der vielen besser als „Hot Rod Klaus“ bekannt ist, kam zu seinem Ford T91 nicht gerade wie die Jungfrau zum Kinde. „Ich hatte mich schon mal intensiver mit dem Thema befasst. Von den vier Herstellern Ford, Chevrolet, GMC und Dodge, die COEs im Angebot hatten, kam wegen meiner Hot-Rod-Affinität allerdings nur Ford in Frage. Hier sorgt ebenfalls ein klassischer Flathead V8 für Vortrieb, mit 239 cui allerdings ein größerer als in den damaligen Ford Pkw.“ Dann wurde es Ernst, da Klaus dringend ein adäquates Zugfahrzeug benötigte, um seinen Dirt Track Racer stilecht zu den einschlägigen Veranstaltungen bringen zu können. Da sich jedoch kein Ford- COE finden ließ, kaufte er in den Staaten ein solches Modell von Chevrolet und überließ der Zollagentur Celle nach vorheriger Klärung einiger Fragen Transport und Papierkrieg.



Kein Geld vorhanden, alles in den Chevy gesteckt. Trotzdem fuhr Klaus sofort in die Niederlande, um den Ford Cabover zu besichtigen


Ford Custom T91 COE  Wer will nen Bowtie-Truck? 
„Es war unfassbar, da schipperte der Chevy gerade über den Atlantik, als ein Kumpel anrief: In den Niederlanden stehe ein Ford COE zum Verkauf. Ich also Kontakt mit dem Händler aufgenommen und einen Besichtigungstermin ausgemacht.“ Im Nachhinein mag dieser Entschluss etwas voreilig scheinen, hatte Klaus doch gar nicht genügend Bares auf der hohen Kante, um den Blue Oval Truck zu erstehen. Also galt es, den Chevrolet, der plötzlich nur noch die zweite Geige spielte, schnellstens wieder abzustoßen, wenn möglich ohne Verlust. Nebensächlich, dass der Bowtie-Truck dabei noch immer zwischen den beiden Kontinenten unterwegs war. „Ich schaltete also etliche Anzeigen in Zeitungen und Magazinen und bekam auch eine Menge Antworten“, erinnerte sich Klaus, „doch erwiesen sich alle potentiellen Käufer als Luftnummern – dem einen fiel ein, dass seine Garage viel zu klein sei, der andere hatte auf einmal zu wenig Geld, und wieder einem anderen hatte die Ehefrau verboten, sich einen alten Lastwagen zuzulegen.“ Als Klaus dieses Dilemma dem holländischen Anbieter mitteilte, wurde dieser besonders hellhörig, als es um die Marke ging.

Und Glück muss man haben – wenn’s geht, gleich doppelt. Der Ford-Anbieter hatte nicht nur einen Kunden, der dringend einen Chevy-COE-Truck suchte, er trailerte auch gleich den Ford zu Klaus ins niedersächsische Meinersen und holte auf dem Rückweg den Chevy ab, der immer noch bei der Zollagentur Celle stand.

 

 Ideen aus der Luftfahrt  
„War ich froh, als der Ford endlich bei mir war. Sofort führte ich eine Bestandsaufnahme durch. Der starke verölte Flathead ließ sich immerhin drehen, alle Schrauben waren gangbar, was mich sehr verwunderte. Der Lack war alt und patiniert, sodass ich nach dem Entfernen einer dicken Staubschicht gleich eine Lage Owatrol auftrug, um diesen Zustand beizubehalten.“ Zuvor stand sein 1941 gebauter T91 im Dienst eines Kartoffelbauern, der den Truck 1962 in seinem Kartoffellager abstellte. Als Klaus den Laster kaufte, hatte er noch hölzerne Seitengitter, die für einen künftigen Einsatz als Renntransporter freilich weichen mussten. „Auf dem Schrottplatz tat ich Luftlandebleche auf, die das Militär zum Bau improvisierter Landebahnen genutzt hat. Ich musste sie nur noch im hinteren Bereich etwas abknicken“, erzählt Klaus. Danach bekamen die Lochbleche eine schwarze Lackierung mit weißen Zierstreifen und Firmenbeschriftung. Ursprünglich sollte eine Winde mit Hanomag-Zweigang-Getriebe den Dirt-Track-Racer auf den COE ziehen, doch später beließ es der als Hot-Rod-Untersucher tätige Klaus bei zwei Auffahrschienen zum Einhängen.

„Der gesamte Umbau ließ sich in sechs Wochen durchziehen, Deadline war das Dirt-Track-Rennen im brandenburgischen Teterow. Hier möchte ich meinem Sohn Lars genauso für die tatkräftige Unterstützung danken wie Martin und Michael.“ Den Arbeiten voraus ging jedoch eine zweijährige Teilsuch- und Planungsphase. Ich hab es einfach lieber, wenn alles sauber vorbereitet ist, dann lässt sich so ein Umbau erheblich schneller durchführen. Wichtig war mir eine perfekte Old-School-Optik ohne neuzeitliche Teile“, erklärt Klaus die Vorgehensweise und Konzept. Ein Kumpel steuerte einen frisch für die französische Armee aufgebauten Flathead V8 mit rund 100 PS samt Kupplung bei, eine Feuerwache alte eingelagerte Reifen. „Ich bin froh, die zu haben, find mal irgendwo 7.50x20 Pneus!“ Ein Freund schweißte einen Tank aus einem alten Mobil-Oil-Fass, der passende Tankstutzen fand sich auf einem US-Benzinkanister aus dem Zweiten Weltkrieg. Aus derselben Zeit stammen auch die Sitze, auf denen zuvor die Insassen eines Focke-Wulf-Flugzeugs Platz nahmen. Das bei Hot Rods ohnehin häufig mitschwebende Luftfahrt-Thema reizte Klaus noch weiter aus: „Die Elektrik wollte ich von vornherein auf 12 Volt umrüsten. Damit die moderne Batterie optisch nicht aus dem Rahmen fiel, fertigte ich noch aus speziellem Flugzeugaluminium einen Batteriekasten an.“ Ebenfalls eine reine Schmuckfunktion hat die hinter der Fahrertür befestigte Veedol-Dose, die Klaus’ langjährig zusammengetragener Sammlung historischer Schmierstoffbehältnisse entstammt: „Mit ihrer Farbgebung in Schwarz-Orange passt sie bestens zum Erstlack.“

 Probefahrt zur Tanke 
Zu guter Letzt brachte der Zweirad-Mechaniker noch die Bremsanlage auf Vordermann, dann folgte die erste Probefahrt zur sechs Kilometer entfernten Tanke, einmal vollmachen bitte. Die verlief ohne Zwischenfälle, und so stand dem ersten Einsatz als Renntransporter nach Teterow am Folgetag nichts mehr entgegen. „Uh, das war vielleicht eine Tour. Es schüttete in Strömen, und ich hatte keine Seitenscheiben drin. Für die war einfach keine Zeit mehr, also bin ich die 380 Kilometer Landstraße eben ohne gefahren. Jedes Mal, wenn mir ein Lastwagen entgegenkam, gab’s anstelle einer Begrüßung unter Truckern einen Schwall Wasser in den Innenraum.“ Nach diesem achtstündigen Badespaß – schneller als mit Tempo 60 wollte Klaus den Truck aufgrund des noch nicht eingefahrenen Motors nicht bewegen – und der anschließenden Schlammschlacht in Teterow war erstmal Bettruhe angesagt. Sechs Wochen Lungenentzündung waren die Quittung für diesen Parforce-Ritt. Inzwischen sind die Seitenscheiben nachgerüstet, doch ist Klaus immer noch von der Leistung damaliger Berufskraftfahrer, die mit dem zwischen 1941 und 1947 gebauten Anderthalbtonner ihren Lebensunterhalt verdienten, beeindruckt: „Der Ford T91 hat keine Stoßdämpfer, die ganze Aufhängung besteht nur aus zwei Blattfederpaketen pro Achse. Damit ist der COE echt so was von unbequem. Ich will gar nicht wissen, wie lange die Jungs früher Trucker waren, bevor sie wegen dieser Strapazen den Job gewechselt haben.“

 

 



Text: Arild Eichbaum
Bilder: Volker Rost




19.10.2012
Text: Arild Eichbaum Bilder: Volker Rost
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