The Last Frontier - Von Alaska in den Yukon


The Last FrontierReisen: Von Alaska in den Yukon
Alaska ist Amerikas letzte Grenze im hohen Norden. Doch wer nur an lange kalte Winter denkt, tut dem größten US-Bundesstaat Unrecht.

Etwas wehmütig verlassen wir die Kenai-Halbinsel Alaskas. Zu beeindruckend waren die Erlebnisse von imposanten kalbenden Gletschern bis hin zu Walen. Wir kehren zurück nach Anchorage und erreichen die Stadt gemeinsam mit den Lachsen. Jedoch werden die Fische im Gegensatz zu uns schon von einer ganzen Reihe Menschen erwartet. Wie auf einer Schnur aufgezogen stehen die Angler in Gummistiefeln und -hosen am Ufer und werfen in einer nicht enden wollenden Routine immer wieder ihre Köder ins Wasser. Im Hintergrund türmt sich die überschaubare Skyline dieser Metropole Alaskas auf.

Auf dem Weg aus der Stadt wollen wir etwas mehr über die russischen Wurzeln dieses noch recht jungen US-Bundesstaates erfahren und stoppen an einer der vielen russisch-orthodoxen Kirchen. Vor weniger als 150 Jahren haben die Amerikaner den Russen das Land für gerade mal sieben Millionen US-Dollar abgekauft. Betrachtet man die erhebli­chen Erdölvorkommen, dürften sich die Russen wahrscheinlich noch heute über diesen Deal ärgern. Im Jahr 1959 wurde Alaska zwar der 49. Bundesstaat der USA, doch sind die Alaskaner immer ­irgendwie ein eigenes Völkchen geblieben.
 

Der Parks-Highway soll uns nach Fairbanks im Norden bringen. Unterwegs passieren wir den Mount Mc­Kinley, auch Denali genannt, und somit den gleichnamigen Nationalpark. Der höchs­te Berg Nordamerikas ist jedoch selten zu ­sehen. Wegen seiner Größe sorgt er für sein eigenes Wetter und ist dementsprechend oft von Wolken verhangen. Als wir an einem der Aussichtspunkte entlang der Strecke halten, ­müssen wir dennoch ein Schmunzeln unterdrücken. Eine Amerikanerin erzählt uns mit stolzgeschwellter Brust, dass wir hier den höchsten Berg der Welt vor uns haben. Da müssen wir wohl nochmal ein Wort mit unseren früheren Geographielehrern reden.

» Highway bedeutet hier nicht
unbedingt auch Asphalt. «

Im kleinen Örtchen Cant­well zweigt der Denali-Highway Richtung Osten ab. Wir wollen uns diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen und entscheiden uns daher spontan zu einem Abstecher. Highway bedeutet hier nicht zwangsläufig Asphalt. Doch die trockene gepackte Erdpiste ist gut und einfach zu fahren. Die Aussichten auf die Berge rechts und links der Strecke lassen die Augen immer wieder von der Fahrbahn abweichen. Doch das kann ein fataler Fehler sein, denn nur Minuten später rennt ein ­Karibu über die Straße. Wir können am Ende des Tages nicht mehr zählen, wie viele „Aahhs“ und „Wows“ uns über die Lippen gekommen sind. Strecke, Kulisse und Wetter sind einfach traumhaft. Schäfchenwolken geben dem Himmel ein interessantes Aussehen und das „Fireweed“, wie das Schmalblättrige Weidenröschen hier heißt, sorgt mit ­seinem kräftigen Pink für die passenden Farbtupfer am Streckenrand. Was für ein perfekter Tag.

Die unendlichen Weiten Alaskas kann man auf dem George Parks Highway ganz gemütlich erfahren.
Die unendlichen Weiten Alaskas kann man auf dem
George Parks Highway ganz gemütlich erfahren.

In Fairbanks gilt unser ­erster Stopp Dan. Er ist ein echtes Alaska-Unikat und ein begnadeter Schrauber mit einem Sinn für Improvisation, wenn nötig. Von vielen Reisenden haben wir nur Gutes gehört. Es ist jedoch keine Werkstatt im herkömmlichen Sinn, denn ­geschraubt wird in der Doppelgarage des Hauses und zwar 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche in der Saison. Wir stoppen jedoch nicht wegen eines technischen Problems, sondern um nach 24.000 Kilo­metern unsere ­abgefahrenen Heidenau K60 Scout gegen ein paar neue zu tauschen. Und die warten bei Dan bereits auf uns. Während wir ihn mit den ausgebauten Rädern beider ­Motorräder versorgen, kommen immer mehr Reisende an. Am Abend treffen wir uns alle im Hostel mit angeschlossenem Campingplatz wieder und die akkurat in Reihe geparkten BMWs lassen schon fast vermuten, dass hier ein Motorradtreffen stattfände. Wir schlagen unser Zelt hier länger auf als geplant und genießen die nette interna­tionale Gesellschaft.

Nach ein paar Tagen Auszeit kribbelt die Gashand jedoch wieder und unser ungebrochener Entdeckergeist fordert eine Fortsetzung der Reise. Der legendäre Dalton-Highway soll uns weiter Richtung Norden bringen. Bereits vor Abreise haben wir uns gegen eine Tour nach Prudhoe Bay entschieden. Die teure Unterkunft muss vorgebucht werden und ebenso die Tour an den arkti­schen Ozean, denn auf dem Privatgelände der Ölbohrfirmen darf man nicht bis ans echte Ende der Straße fahren. Doch ein Besuch in Deadhorse lockt uns trotzdem – der Rest ergibt sich dann vielleicht spontan. Der erste Anlauf fällt wegen des sintflut­artigen Regens im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, doch beim zweiten Versuch erwartet uns ­dafür Kaiserwetter. Sonnenschein und strahlend blauer Himmel – das ist mehr als wir erwartet haben.

Am offiziellen Beginn des Dalton-Highways verwundern uns die Einschusslöcher in den Straßenschildern. Andere Länder, andere Sitten. Doch viel mehr staunen wir über die aufpolierten Ami-Schlitten aus den 50ern. Wo wollen die bloß hin? „Nach Prudhoe Bay wie jedes Jahr“, erzählen die rüs­tigen Rentner stolz. Wir schauen uns verwundert an. Mit den Autos? Etwas verwirrt setzen wir unsere Fahrt fort. Wir haben schon viele abenteuerliche Geschichten über die Strecke gehört. Rau, anstrengend, materialmordend und schlammig nach Regen? Unsere Neugier ist mehr geweckt denn je. Obwohl einen Tag ­zuvor noch eine riesige Regenfront über dieses Gebiet gezogen ist, wirkt die ­Strecke, als hätte sie jemand trocken geföhnt. Von Matsch und Schlamm keine Spur. Auch die Ober­fläche der Erdpiste ist glatt wie ein Kinderpopo.

Eine Vielzahl endlos scheinender Baustellen bremst unser Reisetempo jedoch immer wieder aus. Teilweise wird die Strecke mit Wasser und Calciumchlorid regelrecht geflutet. Die Chemikalie soll die Oberfläche festigen und Staub binden. Für uns bedeutet das ­jedoch abschnittsweise wie durch Schmierseife zu fahren. Motorräder und Fahrer sehen danach jedenfalls ziemlich abenteuerlich aus und sind von Kopf bis Fuß schlammverspritzt.

Wir folgen der Alaska-Pipe­line, die das gewonnene Öl aus Prudhoe Bay in Alaskas See­hafen Valdez befördert, immer weiter Richtung Norden. Der Dalton-Highway und die Pipe­line scheinen dabei eine untrennbare Verbindung eingegangen zu sein und verlieren sich nur selten. In der kleinen Ansiedlung Yukon River gilt es ein Versprechen einzulösen. Dorothy betreibt hier einen kleinen Souvenirstand mit selbst hergestelltem Schmuck und wir haben ihr versprochen, sie auf unserem Weg in den Norden zu besuchen. Noch wenige Tage zuvor haben wir sie in Fairbanks im Hostel kennengelernt und gespannt ihren Geschichten vom ­Leben in der Wildnis gelauscht.

Der Pflichtstopp für alle Reisenden erwartet uns direkt an der Strecke, denn wir überfahren den nördlichen Polarkreis. Nach einem ereignisreichen Tag erreichen wir am Abend Coldfoot. Eine Elchkuh steht direkt vor dem Straßenschild und genießt ihr Abendessen. Da auch uns der Magen knurrt, schlagen wir schnell unser Zelt auf dem nördlich der Ortschaft gelege­nen einfachen Campingplatz auf. Selbst um halb elf am Abend denkt die Sonne noch nicht ans Untergehen. Unser Zeitempfinden ist daher seit einigen Wochen ziemlich gestört und die Tage werden meist länger als ­gedacht.

Der Dalton-Highway zieht sich durch einsame Natur entlang der Alaska-Pipeline. Die Piste kann bei Regen aber auch materialmordend sein.
Der Dalton-Highway zieht sich durch einsame Natur entlang der Alaska-Pipeline.
Die Piste kann bei Regen aber auch materialmordend sein.

Ein deftiges Trucker-Frühstück im Coldfoot-Restaurant soll uns am nächs­ten Morgen für den langen Fahrtag stärken. Die Portionen sind riesig und deftig. Doch die böse Überraschung kommt bei der Rückkehr zu den Motorrädern. Eine ­Öllache ziert den Boden unter der Gabel einer 800er. Wir tauschen entsetzte ­Blicke aus und machen uns an die ­Fehlerdiagnose. Scheinbar hat sich der Schlamm, der hart wie ­Beton geworden ist, den Weg in die Simmeringe gesucht. Mit den beschädigten Dichtungen leckt es nun heftig. Leider bringt auch die erste provisorische ­Reinigung keinen großen Erfolg. Nach einer Krisensitzung ist schnell klar, dass es keinen Sinn macht, weitere 400 Kilometer in die Einöde ohne jegliche Versorgung zu fah­ren. Schweren Herzens und enttäuscht drehen wir um und ­fahren zurück nach Fairbanks. Dabei heißt es, vollständig auf die Vorderradbremse zu verzichten, denn eine dicke Schicht Gabelöl macht die Bremsbeläge wirkungslos.

Nachdem das Problem in Fairbanks notdürftig gelöst ist und wir Motorräder und Ausrüstung von dem aggressiven Schlamm befreit haben, ist es Zeit wieder Richtung Süden zu fahren. Das Fireweed ist schon fast verblüht und damit für die Einheimischen das Zeichen, dass der Sommer sich dem Ende zuneigt.

Der Richardson-Highway bringt uns wieder Richtung Süden. In North Pole stoppen wir noch kurz bei dem hier residierenden Weihnachtsmann – für den bricht ja auch schon bald die Haupt­saison an. Doch leider hat er heute ­seinen arbeitsfreien Tag und wir können keinen Wunschzettel loswerden. In Delta Junction steht ein wichtiger Meilenstein der Strecke: das Ende oder in unserem Fall der Anfang des berühmten Alaska-Highways. Das Visitor Center ist gleich nebenan und versorgt die Reisenden ­gegen eine Spende mit frischem Kaffee. Nach der kleinen Pause soll es weiter­gehen. Doch dieses Mal ist der Wurm beim anderen Motorrad drin: Es springt nicht mehr an. Die Fehlerdiagnose auf dem Parkplatz macht ziemlich schnell klar, dass es wohl die Batterie ist. Eben haben wir uns noch über das sonnig warme Wetter heute gefreut und schon wird es zum Fluch, denn es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Motorrad an­zuschieben. Nach einer schweißtreiben­den halben Stunde läuft die 800er erst mal wieder und wir fahren lediglich ein paar Kilometer bis zum nächsten Campingplatz. Da Sonntag ist, werden wir erst morgen eine neue Batterie auftreiben können. Die 800-Einwohner-Stadt hat zum Glück einen Motorradladen, der unseren Pannenaufenthalt mit der richtigen Batterie nach einem Tag beendet.

Gut gelaunt machen wir uns wieder auf den Weg und das Motorrad schnurrt wie ein Kätzchen. Der schneebedeckten Alaska Range werfen wir einen letzten Blick zu und rollen über den Highway Richtung Tok. Zu einem späten Mittag­essen kommen wir der Empfehlung mehrerer Reisender nach und kehren bei Fast Eddie’s ein. Die Burger sind lecker und frisch und die Portionen riesig. ­Danach geht es zu Vanessa. Sie betreibt in dem kleinen Ort einen Campingplatz, der ausschließlich Motorradfah­rern vorbehalten ist. Jeder Zeltplatz ist mit viel Liebe zum Detail ausgestattet und es gibt ­sogar eine kleine offene ­Küche. Das ­Besondere ist jedoch, dass ein Dampfbad die fehlende Dusche ersetzt. Wer nicht zelten will, übernachtet in einer der festen Unterkünfte.

» Vanessas Camp ist ausschließlich
für Motorradfahrer. «

Es ist Zeit, dem Alaska-Highway erst mal auf Wiedersehen zu sagen, denn eine interessantere Strecke lässt uns nur wenige Kilometer hinter Tok auf den Taylor-Highway einbiegen. Lediglich im Sommer befahrbar, führt uns die zunächst asphaltierte Strecke in eine ­deutlich einsamere Gegend. Selbst Autos ­sehen wir kaum noch unterwegs. Nach 60 Kilometern weicht der Asphalt einer Schotterpiste, die uns nach Chicken bringt. Doch wer dem Hinweisschild „Chicken Downtown“ folgt, wird überrascht sein. Eine Straßenkarte braucht hier niemand, denn verfahren ist ausgeschlossen. Downtown Chicken besteht aus einem Gebäude. Die drei verschiedenen Eingänge bringen den Besucher zum Souvenirladen, Saloon und Cafe – das war es dann auch schon. Die Atmosphäre ist jedoch so nett und entspannt, dass wir uns eine ganze Weile hier ­aufhalten.

Die Schotterpiste bringt uns immer weiter die Berge hinauf. Nicht umsonst heißt die Strecke ab der Grenze zwischen US-Alaska und Kanadas Yukon „Top of the world Highway“. Entgegen anderer Panoramastrecken fährt man hier dauerhaft auf dem Bergrücken entlang, fantastische Aussichten sind damit garantiert. Die Piste lässt sich gut befahren, ist aber furchtbar staubig. Wenn wir mal nicht nebeneinander fahren können, hat der Vorausfahrende natürlich die besten Karten. Der andere sieht nämlich in kürzester Zeit aus wie gepudert. Auch die Mopeds und das Gepäck bedeckt eine ordentliche Staubschicht.

Kurz vor der Grenze sehen wir einen Konvoi aus alten Armeefahrzeugen. Sie treffen sich einmal im Jahr zu einer ­Ausfahrt zu Ehren des Baus des Alaska-Highways. Etwas wehmütig heißt es nun Abschied nehmen von Alaska und seiner grandiosen Natur, doch die Vorfreude auf Kanada lässt uns den Abschiedsschmerz schnell vergessen. Der Grenzübertritt geht schnell und schon reisen wir erneut in Kanadas Yukon ein. Stille, Weite und Einsamkeit belohnen hier jeden Reisenden, der sich nur weit genug in den Norden wagt. Auf einer Fläche, die größer als Deutschland ist, leben hier nur 35.000 Menschen. Für uns Europäer ist das schwer zu begreifen.

Auf dem Weg nach Fairbanks passieren wir die Alaska Range – ein wirklich imposanter Anblick.
Auf dem Weg nach Fairbanks passieren wir die Alaska Range –
ein wirklich imposanter Anblick. .

Wir genießen die Ausblicke und das Fahrvergnügen für weitere 100 Kilometer, bis sich eine tolle Panoramaaussicht auf Dawson City bietet. Wer bei der zweitgrößten Stadt des Yukon eine geschäftige Metropole erwartet, liegt falsch. Nur knapp 2000 Einwohner zählt die Stadt und es scheint fast, als wäre hier am Yukon River die Zeit stehen geblieben. Einzig Dawsons Hauptstraße wurde befestigt. Alle anderen Straßen mit ihren historisch wirkenden Holzhäusern sehen aus, als würde John Wayne gleich mit seinen Kumpels zum Saloon reiten. Nur die Autos stören das Bild.

Wir schlagen unser Zelt auf dem ­zentrumsnahen Campingplatz auf, um dieses kleine Juwel in Ruhe zu Fuß zu ­erkunden. Am Ufer steht der Schaufelraddampfer Keno, der die Besucher auf einer kleinen Zeitreise in die Ver­gangenheit führt. Zu Zeiten des Goldrausches haben bis zu 40.000 Menschen auf der Suche nach dem großen Fund die Stadt bevölkert. Wir schlendern über die holzbeplankten Gehwege und lassen uns von den ­historischen ­Gebäuden zu einem stilechten Abendprogramm inspirieren.

Das beginnt in „Diamond Tooth Gertie’s“ Casino. Hier kann man dem klassischen Glücksspiel nachgehen oder sich von einer nostalgischen Show zurück in die alte Zeit führen lassen. Die Can-Can-Mädels schwingen die Beine was das Zeug hält und binden natürlich auch ihr Publikum mit ein. Doch wo früher raubeinige Cowboys und Goldgräber bezirzt wurden, werden heute grauhaarige Rentner in Tennisschuhen auf die Bühne entführt. Doch unterhaltsam ist es allemal. Dann gilt es einer weiteren Legende auf den Grund zu ­gehen: dem legendären Sourtoe-Club. In den 70er-Jahren wurde der Club samt seiner Aufnahmeprozedur von Captain Dick als eine Art Mutprobe ins Leben gerufen. Dabei gilt es, einen Drink zu sich zu nehmen, in dem ein men­schlicher Zeh schwimmt. Die Aufnahme ist geglückt, wenn der Zeh beim Trinken die Lippen berührt. Wir sind etwas skeptisch, was die Echtheit des Zehs angeht, doch schnell wird klar: Er ist echt! Also reihen auch wir uns mit einem Whiskey in der Hand ein und bekommen die Prozedur erklärt. Es geht eigentlich ganz schnell: Kapitänsmütze auf und schwupps, landet auch schon der Zeh im Glas. Für die Zuschauer ist es sicher amüsanter als für den Bewerber, aber ­irgendwie ist es doch ein skurriler Spaß. Ehe wir uns versehen, halten wir unsere Zertifikate in den Händen und sind nun Mitglieder im Sourtoe-Club.

» Die Piste ist gut, aber auch
furchtbar staubig. «

Als wir Dawson City verlassen wollen, hat die BMW mal wieder andere Pläne. Schon wieder springt sie nicht an. Böses schwant uns, jedoch ist hier nicht der richtige Ort, mit Problemen an der Lichtmaschine liegen zu bleiben. Schon seit Wochen ist aufgrund eines Festivals am Wochenende alles ausgebucht und weit und breit keine Unterkunft zu bekommen. Eine erfahrene Werkstatt und Ersatzteile vor Ort sind ebenfalls nicht in Sicht. Als hätte sie sich durch die schlagenden Argumente überzeugen lassen, springt die GS ein letztes Mal an. Whitehorse ist die nächstgrößere Stadt und unser erklärtes Tagesziel. Auf der 540 Kilometer langen Etappe stoppen wir den Motor nur einmal zum Tanken. So erreichen wir die Hauptstadt des ­Yukon am Nachmittag und sind erleichtert. Unser Zelt dürfen wir im Garten eines Hostels aufschlagen und haben ­somit sowohl ein Dach über dem Kopf als auch die nötige Infrastruktur für die Reparatur. Mit Hilfe unseres deutschen Händlers steht schnell fest, dass die Spule den Dienst versagt. Eine neue ist schnell in den USA bestellt und sollte in wenigen Tagen ankommen. Doch da haben wir die Rechnung ohne den kanadischen Zoll gemacht, der das Paket satte vier Tage in seiner Obhut behält.

Doch es gibt schlechtere Orte als Whitehorse, um festzusitzen. Hostel-­Betreiberin Nancy hat schon den ganzen Ort aufgemischt, um sicherzustellen, dass unser Paket nach Ankunft schnellstmöglich ausgeliefert wird. So sind wir sofort bekannt wie ein bunter Hund. Doch wir werden langsam unruhig, denn das Wetter wird kälter und unbeständiger. Von wärmeren Temperaturen trennen uns 3000 Kilometer quer durch Kanada. Mit gemischten Gefühlen betrachten wir täglich die Wettervorhersage. Bei unseren Spaziergängen am Yukon River sehen wir die ersten Vögel im Formationsflug in den Süden ziehen – der Winter naht mit großen Schritten. Doch zu guter Letzt wird alles gut und unser Paket trifft zur großen Freude aller endlich ein. Es ist rührend zu sehen, wie alle mitgefiebert haben. Die Reparatur erledigen wir an einem Nachmittag und sind am nächsten Tag abflugbereit. Es ist Zeit, es den Vögeln gleich zu tun – ab in den Süden …
 

Auch der ­Oldtimer ist auf dem Weg nach Deadhorse.Fehlersuche: Die „Startmoral“ der BMW lässt zu wünschen übrig.
Auch der ­Oldtimer ist auf dem Weg nach Deadhorse (links).
Fehlersuche: Die „Startmoral“ der BMW lässt zu wünschen übrig.



Text: Katja und Jens Witte
Bilder: Katja und Jens Witte


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Text: Katja und Jens Witte Bilder: Katja und Jens Witte
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Stand:27 February 2017 00:34:03