Man fragt sich immer wieder, wie tätowierte Extremsportler bei ihrem straffen Trainingsplan die Zeit finden, sich inken und ihre Tattoos ordentlich abheilen zu lassen. Aber wenn man wie Franz Preihs 5000 Kilometer in zehn Tagen fährt, dabei insgesamt nur neun Stunden schläft und mehr als die Hälfte der Strecke mit gebrochenem Schlüsselbein absolviert, dann sind Fragen nach Abheilzeiten und Tattoo-Pflege wohl weit weniger weltbewegend als bei Normalsterblichen.
Hallo Franz, du hast gerade die BH Trophy Bike Costa Rica hinter dich gebracht – wie ist es für dich gelaufen?
Tja, es ist im wahrsten Sinne nur gut gelaufen. Das Rennen wurde vom Veranstalter überraschend aufgrund der sintflutartigen Regenfälle abgesagt. Ehrlich gesagt waren wir aber gar nicht allzu enttäuscht darüber, denn bei unseren Trainingsfahrten mussten wir schon feststellen, dass es grenzwertig war, dort mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Teilweise sanken wir bis über die Knie im Schlamm ein und auch die massiven Erd- und Hangrutsche waren ein zusätzliches Sicherheitsrisiko! Aber ich hatte noch Gelegenheit den Mount Irazu (3400 Meter) laufend zu bewältigen, ehe ich mich wieder ins Flugzeug nach Österreich gesetzt habe.
Alles andere als zimperlich: Mit einem frisch gebrochenen Schlüsselbein radelte Franz Preihs noch weitere 3000 Kilometer über Stock und Stein, bis er die Ostküste der USA erreichte.
Du bist Extremsportler und außerdem auch noch extrem tätowiert. Wie findest du denn bei dem ganzen Training die Zeit, dich tätowieren zu lassen und vor allem auch die Zeit, neue Tattoos vernünftig abheilen zu lassen?
Ach, erstens habe ich hier in Graz ein extrem flexibles Tattoo Studio, die Buntmacherei, und zweitens ist auch meine Saison als Sportler genauso strukturiert wie ein Arbeits- oder Studienjahr. Daher wechseln sich sehr zeitintensive Phasen der Vorbereitung mit weniger intensiven Phasen ab. Letztere nutze ich dann meistens, um etwas an meiner Haut zu machen. Das Abheilen ist eigentlich kein Problem – bei frischen Tätowierungen reinige ich das Tattoo vor dem Training mit Wasser. Nach dem Training wird es dann wieder gereinigt, trocken getupft und eingecremt. Ich denke auch, dass sich meine Haut mit der Zeit ein bisschen darauf eingestellt hat, dass sie vielleicht einen Tick schneller mit der Abheilung fertig sein sollte als bei jemandem, der mit einem frischen Tattoo nicht gerade fünf Stunden Radfahren geht.
Erinnerung an eines der härtesten MTB-Rennen der Welt: Nonstop – also ohne festgesetzte Ruhezeiten – fahren die Teilnehmer von der Westküste bis zur Ostküste der USA. Insgesamt 5000 km mit 30.000 Höhenmetern!
Bei deinen Rennen setzt du deine Tattoos an Armen und Beinen oft stundenlang der Sonnenbestrahlung aus. Nicht gerade ideal, oder?
Ideal sicher nicht – aber unumgänglich. Radfahren ist nun mal ein Freiluftsport. Aber ich versuche natürlich generell meine Haut so gut wie möglich zu schützen. Dafür verwende ich Sunblocker, Feuchtigkeitslotions sowie Antioxidantien, die ich oral zu mir nehme.
Stürze sind bei diesem Sport sicher keine Seltenheit und wie man sieht, hinterlassen auch die ihre Spuren in den Tattoos. Was machst du mit solchen Schrammen in einer Tätowierung? irgendwann mal nachstechen?
Einige Tattoos haben in den letzten Jahren schon einige Schrammen bekommen. Aber ich bin kein Fan davon, diese Narben nachstechen zu lassen. Sie haben für mich einen hohen Erinnerungswert und gehören auch zu mir und meinem Körper, genau wie die Tattoos.
Ganz offenbar haben viele deiner Tattoos Bedeutungen und Geschichten und Bezüge zu deinem Sport. Das »Race across America«-Tattoo sticht dabei natürlich erst mal raus …
»Race Across America« ist ein Nonstop Radrennen von der Westküste der USA bis an die Ostküste. Das sind 5.000 Kilometer und über 30.000 Höhenmeter. Nonstop heißt in diesem Fall, dass alle Starter zur gleichen Zeit auf die Reise geschickt werden und wer als Erster das Ziel erreicht, hat gewonnen. Im Schnitt benötigt man je nach Streckenführung zwischen neun und zwölf Tagen und schläft dabei nicht mehr als 90 Minuten pro Tag. 2008 nahm ich das erste Mal an diesem Rennen teil und konnte nach zehn Tagen und acht Stunden das Rennen als Vierter beenden. In diesen 248 Stunden habe ich nur neun Stunden geschlafen und brach mir leider auch noch bei einem Sturz mein rechtes Schlüsselbein. Das hatte zur Folge, dass ich mehr als 3.000 Kilometer mit einem frisch gebrochenen Schlüsselbein fahren musste. Als ewige Erinnerung an mein erstes »RAAM« ließ ich mir dann das Logo der Veranstaltung auf den Unterarm tätowieren.
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Dezember-Ausgabe 2011 …