Dropkick Murphys


Die Dropkick Murphys aus Boston sind schon zu Lebzeiten eine echte Legende. Ihre Songs findet man nicht nur in den Playlists unzähliger Punk- und Hardcore-Fans, sondern auch in Hollywood-Filmen, bei den Simpsons und in großen Sportarenen. Die Band trägt ihre Erinnerungen auf der Haut und hat dieser Art von Poesiealbum mit dem Song »Rose Tattoo« auch eine Single gewidmet. Ein wichtiger Teil hierbei: Die Fans und ihre Dropkick-Murphys-Tattoos. Während ihrer aktuellen Tour erwartet uns backstage ein sehr gut gelaunter Scruffy, der uns mittags um drei ein Bier anbietet und uns mit den Worten »Your chief editor is also a Dudelsackspieler, right?« begrüßt.
 
Scruffy von den Dropkick Murphys
Scruffy von den Dropkick Murphys

»Ich werde oft gefragt, was meine Tattoos bedeuten. Dann sage ich immer ›nichts, es sind nur Tattoos.‹ Aber in allen wurzelt ein tiefer Sinn.«


Eure neue Single »Rose Tattoo« ist eine echte Hymne auf das Leben. Dabei geht es darum, dass Erinnerungen in Tattoos festgehalten sind.
Ja, da sagst du es schon ganz richtig. Tattoos sind einfach Meilensteine unseres Lebens. Wir markieren diese besonderen Momente auf unseren Körpern, um uns immer daran zu erinnern. Egal was es ist, ob der Tod eines Freundes, die Geburt deiner Kinder oder eine neue Frau. Es macht dich zu dem, was du bist. In der Single und auch im Video geht es darum, was wir mit unseren Familien, Kindern und dem sehr glücklichen Leben machen, das wir führen dürfen. Und die meisten von uns haben eine Rose, oft mit einem Namen tätowiert. Jeder fasst den Song für sich selbst auf und interpretiert ihn für sich. Aber die Message ist klar, es geht um das Leben und um die Erinnerungen, die wir behalten.

Scruffy von den Dropkick Murphys mit Bagpipe-Tattoo
Scruffys Instrument, die Great Highland Bagpipe: Und es ist wirklich ein langer Weg, bis man sie meistert!


Ihr habt Fans aufgerufen euch ihre Dropkick-Murphy-Tattoos zu schicken oder sich sogar eins machen zu lassen und ein Video der Entstehung einzusenden, um dieses Material im Clip zu verwenden. Wie war denn die Resonanz darauf?
Das war unglaublich! Ich kann dir die genaue Zahl gar nicht sagen, aber es waren fast 6000 Einsendungen oder so. Unsere Fans sind so loyal und voller Hingabe. Wir hätten diverse Bücher damit füllen können. Am Ende haben wir ganz zufällig ausgesucht, was davon ins Video kommt.

Wie fühlt es sich denn für euch an, wenn so viele Leute euer Band-Logo für immer unter der Haut tragen?
Irre! Ich habe Leute getroffen, die sich meine Unterschrift haben tätowieren lassen. Ich halte die ja für verrückt. Aber es ist natürlich die größte Ehre, die einem zuteil werden kann. An alle, die das lesen und ein Dropkick-Murphys-Tattoo haben: Vielen Dank aus tiefstem Herzen für eure Unterstützung! Ihr seid das achte Bandmitglied und ohne euch könnten wir das alles gar nicht so durchziehen!
 

Gab es Tattoos, die aus der Masse heraus gestochen sind?
Ich habe Leute mit wirklich großen Dropkick-Murphy-Tattoos gesehen und diese Fans nehmen wir immer gerne mit backstage und trinken was mit ihnen. Einer hatte einen halben Sleeve mit dem Skeleton-Bagpiper-Design, daran erinnere ich mich natürlich gut. Aber das beste Dropkick-Murphys-Tattoo, das ich kenne, ist meins, weil es mir am meisten bedeutet. Ich war schon Fan, bevor ich zur Band kam und jetzt Teil der Band zu sein, bedeutet einfach so unglaublich viel. Alle in der Band haben eins. Auch das verbindet uns. Jeder der ein Tattoo hat, ist irgendwie mit anderen tätowierten Leuten verbunden. Denn Leute, die Tattoos tragen, begegnen sich vorurteilsfrei. Während Nichttätowierte viel eher denken: »Mit dem könnte was komisch sein«.

Von wem stammt denn eigentlich das Skeleton-Bagpiper-Design? Denn das ist ja ein wirklich beliebtes Tattoo-Motiv geworden.
Von einem guten Freund der Band. Ein Künstler, der mich umbringt, wenn ich seinen Namen verrate. Deswegen lüfte ich dieses Geheimnis mal lieber nicht. Aber er arbeitet schon lange mit der Band zusammen. Wie die ursprüngliche Idee zustande kam weiß ich gar nicht. Aber es ist sicher eines unserer besten Artworks.
 
Scruffy von den Dropkick Murphys
Scruffy von den Dropkick Murphys
Scruffy von den Dropkick Murphys

»Ich liebe es, in Kirchen zu gehen«, meint Scruffy – mit diesen
Kirchenfenstern hat er seine eigene immer bei sich.


Lass uns über deine Tattoos reden. Was bedeuten dir deine Tattoos?
Ich habe schon mit 16 angefangen. Mit einem Schottland-Tattoo, denn daher stammt meine Familie. Als ich zur Army ging, hab ich die anderen Jungs da gesehen. Die hatten alle Schädel, Schlangen und den Kram. Das wollte ich nicht. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Alles, was ich habe, ist sehr sorgfältig ausgesucht. Bis auf ein paar wirklich schwachsinnige Sachen, die wohl jeder hat. Aber meine Tattoos sind wirkliche Erinnerungen. Als ich im Krieg war, Freunde, die nicht zurückgekehrt sind – das trage ich auf meinen Armen. Die Oberarme stehen für meine Familie und Angehörigen, die ich verloren habe. Die Kirchenfenster sind wohl das Offensichtlichste an mir. Ich liebe Kirchen und das Gefühl, wenn ich in eine Kirche gehe. Ich wollte nie die düsteren Dinge in mir in Form von Dämonen und so nach außen tragen. Diese Sachen bekämpfe ich in mir. Ich möchte mich mit schönen und positiven Dingen umgeben. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, will ich denken »Wow, ich liebe meine Tattoos« und ich will auch nie mehr ohne sie sein. Jedes meiner Tattoos, bis auf die paar Spaßmotive, stehen mir alle sehr nah. Ich werde oft gefragt, was meine Tattoos bedeuten. Dann sage ich immer »nichts, es sind nur Tattoos.« Aber in allen wurzelt ein tiefer Sinn. Ich denke so geht es jedem. Man reflektiert die Dinge mit denen man sich umgibt. Wer positive Dinge auf sich verewigt, wird auch positive Dinge anziehen. Wenn ihr also jung seid und darüber nachdenkt euch tätowieren zu lassen, erstens: Sie bleiben für immer und gehen nicht wieder weg! Zweitens: Es tut weh wie die Hölle. Lasst euch nix erzählen, es tut überall scheißweh. Und Drittens: Denkt darüber nach, was ihr euch machen lasst. Das,  was ihr tragt, ist das, womit ihr euch umgebt. Meine Meinung!

Du selbst hast auch dein Instrument, den Dudelsack, verewigt und es gibt eine ganz besondere Story dazu.
Das war in Fremantle, Australien. Das Tattoo ist Bon Scott von AC/DC gewidmet, dem ich quasi meinen Job verdanke. Bon Scott hat als Erster einen Dudelsack in der Rockmusik verwendet. Deswegen war es selbstverständlich, dass ich mir einen Dudelsack nur in Australien tätowieren lasse. Ich war an seinem Grab und dem Denkmal und ging dann zu Five Star Tattoo in Fremantle. Beim ersten Mal konnten die das aber nicht machen, also musste ich bis zur nächsten Australien-Tour warten. Da war es dann ein Freund unseres Promoters, der es stach. Mein erstes Dudelsack-Tattoo mit dem »It‘s a long way to the top«-Schriftzug. Was ironischerweise auch eine der ersten Singles war, die ich mit den Dropkick Murphys aufgenommen habe.

Scruffy von den Dropkick MurphysScruffy von den Dropkick Murphys
Kreuzritter-Motto »Deus vult / Gott will es« und Charlie Brown im Kürbisfeld – Scruffy hat eine interessante Tattoo-Sammlung vorzuweisen!


Eure Musik wurde in letzter Zeit sehr oft verwendet. Die Titelmusik von Nitro Circus stammt von euch, euer Song »Shipping out to Boston« wurde im Hollywood-Film » The Departed« und als Konsequenz daraus auch in der Simpsons-Folge »De-Barted« verwendet. Macht euch das stolz?
Ehrlich gesagt werde ich nie den Tag vergessen, als ich mit Al und Ken in England ins Kino gegangen bin, um »The Departed« zu sehen. Wir waren schon ewig auf Tour und gingen spontan ins Kino , um den Film zu sehen. Ich erinnere mich als das Intro lief und der Teil in dem Leonardo di Caprio ins Gefängnis kommt und man nur den Auftakt des Songs hört. Das hat mich so umgehauen! Und auch wie oft die Musik im Film wieder auftaucht. Ich war so stolz für alle in der Band, dass es unsere Musik geschafft hat, bei einem solchen Film verwendet zu werden.

Und am Ende hat der Dropkick-Murphys-Mythos ja auch Martin Scorsese Glück gebracht. Es gibt den Mythos, dass jeder, der unsere Musik benutzt, einen alten Fluch los wird. Die Boston Red Sox zum Beispiel. Ihr interessiert euch sicher einen Scheiß für Baseball, aber es ist eine wirklich coole Story. Die Red Sox hatten 1918 zum letzten Mal die World Series gewonnen. Damals wurde der Broadway Song »Tessie« zum letzten Mal auf dem Feld gesungen. Darin geht es um einen Papagei. Wir wurden von Offiziellen der Red Sox angesprochen, ob wir eine neue Version des Songs machen würden. Unsere erste Reaktion war: »Wir machen ganz sicher keinen Song über einen beschissenen Papagei und schon gar keinen fucking Broadway Song! Niemals!« Aber am Ende haben wir zusammen mit Leuten von den Red Sox den Text umgeschrieben und die Geschichte der Red Sox erzählt. Der Song selbst wird seit damals von den Royal Rooters gesungen. Wenn man so will, waren die Royal Rooters die ersten echten Hooligans des Baseball, ganz ähnlich wie es hier mit dem Fußball ist.
Den Song nutzen sie immer, um das andere Team zu irritieren. Aber auf dem Feld wurde der Song wie gesagt zuletzt 1918 gesungen. 2004 haben wir die neue Version gemacht. Damals waren die Sox im Keller und wirklich ganz unten in der Tabelle. Nachdem wir den Song im Stadion gespielt hatten, kamen die Sox zurück. Und um die lange Geschichte jetzt etwas abzukürzen: Sie haben in diesem Jahr die World Series gewonnen und den Fluch gebrochen.

Zurück zu Martin Scorsese. Er hat all diese großartigen Filme gemacht und hat trotz mehrerer Nominierungen den Oscar nicht gewonnen. Er veröffentlich »The Departed«, die Dropkick Murphys sind Teil davon und er gewinnt im gleichen Jahr für den Film den Oscar. Das ist schon ein cooler Mythos. Wir haben das auch ein zweites Mal mit den Red Sox 2007 gemacht. Wir haben auf dem Feld gespielt und die Red Sox haben den Titel geholt. Und der Pitcher hat »Shipping out to Boston« seitdem als Einmarschmusik. Wir haben einen Song für die Boston Bruins (Eishockyteam der NHL) geschrieben und die haben 2011 den Titel geholt. Da passieren so viele coole Dinge um uns herum. Aber der stolzeste Moment, um mal auf deine Frage zurückzukommen, war dieser Abend im Kino in London. In dem Film gefeatured zu sein, hat uns auch noch mal einen richtigen Kick gegeben was unseren Bekanntheitsgrad angeht. Unsere Fanbase ist durchs permanente Touren immer gewachsen. Und wir haben uns nie irgendwie angepasst und eine Platte fürs Radio geschrieben. Aber der Scorsese-Film war ein Wendepunkt für uns.
 


KONTAKT

Dropkick Murphys

 

Text: Mathias Schneider
Bilder: Mathias Schneider




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27.03.2013
Text: Mathias Schneider Bilder: Mathias Schneider
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