Chakuza: Tattoos ohne Konzept, aber mit viel Bedeutung


Es war 2005, als der gebürtige Österreicher und heutige Wieder-Berliner Chakuza auf einen schon damals nicht ganz unbekannten Bushido traf. Kurz darauf stand er bei dessen damaligem Erfolgslabel ersguterjunge unter Vertrag und konnte die deutschsprachige Rapgemeinde zum ersten Mal in größerem Umfang von seinem Können überzeugen. Sechs Jahre, Top-Ten-Chartplatzierungen und »The Dome«-TV-Auftritte später, trennten sich dann allerdings die Wege.

Chakuza ist zurück mit seiner

Chakuza meldet sich mit seiner neuen Album »Magnolia« zurück. Über die Entstehung dieser Scheibe und die Bedeutung seiner Tattoos spricht er mit dem TätowierMagazin.

Gut eineinhalb Jahre schien Chakuza wie vom Erdboden verschluckt, seine musikalische Karriere lag auf Eis. Doch dann folgte Ende 2012 nicht nur das Signing bei Deutschlands neuem Lieblingsraplabel Four Music, das in den letzten Jahren bereits mit Marteria und Casper beachtliche Erfolge feiern konnten, sondern auch die Ankündigung eines neuen Albums, gar eines neuen Weges. »Magnolia« war geboren.
Stürmische Zeiten hat Peter Pangerl also definitiv erlebt. Davon berichtet nicht nur seine Musik, auch seine Tätowierungen, die der 32-Jährige wie eine Art Tagebuch auf sich trägt, sind visuelle Zeugen der Zeit und der Entwicklung eines tiefgründigen und grundsympathischen Menschen. Musik und Tätowierungen – zwei Kunstformen, die der Rapper mit der prägnanten Stimme mehr als schätzt.

Chakuzas Beatlefield-Lettering ist das einzige seiner Tattoos, das Chakuza bereut. Denn er findet, es sei schlecht gestochen.

Sein Beatlefield-Lettering ist das einzige seiner Tattoos, das Chakuza bereut. Denn er findet, es sei schlecht gestochen.


Der Unterschied zwischen deiner Musik zu ersguterjunge-Zeiten und jetzt ist mehr als deutlich. Der Style ist anders, die Themen lyrischer.
Ich bin jetzt auf jeden Fall auch ich selbst. Das pure Leben. Früher habe ich eine Rolle gespielt, war der harte Junge. Aber das wurde irgendwann nur noch peinlich. Man wird ja auch älter. »Magnolia« war schon in meinem Kopf, aber ich brauchte das Team um DJ Stickle und Steady (beide produzierten Caspers Goldalbum »xoxo«; Anm. d. Red.), um es auch musikalisch umsetzen zu können. Und so haben wir mehr als ein Jahr lang an der Platte gearbeitet und etwas komplett Neues geschaffen.
 

Chakuza: Ehemaliger Gangsta-MC mit Elfen-Tattoo. Sachen gibts …Chakuza: Ehemaliger Gangsta-MC mit Elfen-Tattoo. Sachen gibts …
Chakuza: Ehemaliger Gangsta-MC mit Elfen-Tattoo. Sachen gibts …
Auch Freundin Melanie hat er ein Tattoo gewidmet. Den dickeren Stern hat sie sogar selbst gestochen.


Wie verlief dieser Prozess?

Er war verdammt hart. Ich dachte ja, dass ich es drauf habe und ein guter Rapper sei, also wäre eine neue Platte ja auch gar kein Problem. Aber ich wollte gar nicht mehr rappen, also nur 16er schreiben und eine Hook dazwischen setzen. Ich wollte ausgereifte Musik machen. Und dann musste ich erst einmal begreifen, dass es eben auch ein anderer Arbeits- und Schreibprozess ist. Es gibt auf »Magnolia« keine Füllsätze mehr, die sich nur cool anhören, aber keinen Sinn ergeben. Ich rappe viel langsamer, viel durchdachter. Und musikalisch ist es eh etwas anderes. Und so viel Arbeit wie mich, aber auch mein Team das ganze Album gekostet hat, so stolz bin ich jetzt auch darauf. Es ist ja nicht mein erstes oder zweites oder drittes Album, aber ich bin verdammt aufgeregt und gespannt. Es ist wie ein Neuanfang.

Fast ausnahmslos verehren Rapper ihr Mütter. Chakuza macht da keine Ausnahme und widmete Mama Silvia ein Hautbild.

Fast ausnahmslos verehren Rapper ihr Mütter. Chakuza macht da keine Ausnahme und widmete Mama Silvia ein Hautbild.


Du trägst auf deinem Unterarm – ganz Rappertypisch zu der damaligen Zeit – den Namen deiner Crew: Beatlefield. War das dein erstes Tattoo?
Nein. Mein erstes Tattoo war eine Sonne auf meinem Rücken – und es tat ekelhaft weh. (lacht) Der Beatlefield-Schriftzug kam dann danach und direkt auch zum Signing bei ersguterjunge. Da habe ich gesagt, cool, jetzt haben wir es geschafft, dann will ich das jetzt auch festhalten.

Wie wichtig war dir das damals?
Ey, das war super-wichtig für mich. Damals waren Tätowierungen ja auch noch nicht so verbreitet und so sehr im Trend wie heute. Ich habe meine Erste machen lassen, als ich 18 war. Vorher konnte meine Mutter mir das noch verbieten – danach war’s vorbei. (lacht) Danach war  ich frei.

Hast du dich mehr auf dein erstes Tattoo gefreut, als auf den Führerschein?
Auf jeden Fall! Klar war es mir auch wichtig, endlich Auto fahren zu dürfen. Aber ich habe mich definitiv mehr auf meine erste Tätowierung gefreut. Deswegen hatte ich das Tattoo auch vor dem Führerschein. Die Leidenschaft dafür hält also schon lange, auch wenn ich eine Zeit lang etwas die Füße still halten musste, da meine damalige Freundin nicht so begeistert von Tätowierungen war. Wobei ich das auch verstehen kann, da sie aus einer 
Polizistenfamilie kommt und es sehr streng bei ihr Zuhause zuging. Meine jetzige Freundin ist glücklicherweise cooler. Wobei auch sie was dagegen hat, wenn ich mir den Hals ballern lassen würde. Aber mal sehen. (lacht)

Wie hast du dann weitergemacht?
Als die damalige Beziehung vorbei war, ging es sofort wieder los. ›Mach mich zu!‹ Ich wusste ja immer, dass ich da richtig Bock drauf habe. Ich bin nie einem Trend hinterhergelaufen oder Ähnliches. Ich wollte das für mich und habe das dann auch so durchgezogen.

Dir war also immer klar, dass es nicht bei ein, zwei Tätowierungen bleiben wird.
Auf jeden Fall. Ich will da jetzt auch niemanden kränken, aber nur ein Tattoo zu haben, sieht immer billig aus. Es ist einfach ein Lebensgefühl und dem wirst du mit nur ein bisschen Farbe unter der Haut einfach nicht gerecht.

Während er mit Bushido tourte, hätte Chakuza diese  Hello Kitty, seiner Schwester gewidmet, wohl nie gezeigt.

Während er mit Bushido tourte, hätte Chakuza diese
Hello Kitty, seiner Schwester gewidmet, wohl nie gezeigt.


Was relativ schnell ins Auge sticht, ist dein Hello-Kitty-Tattoo auf dem Unterarm. Da gibt es doch sicherlich eine Geschichte dazu, oder?

Meine Schwester liebt Hello Kitty. Sie ist zwar auch mittlerweile 28 Jahre alt, aber im Suff habe ich ihr mal versprochen, dass ich mir etwas für sie tätowieren lasse. Ihren Namen fand ich jetzt nicht so passend, denn ich habe schon den Namen meiner Mutter und den Namen meiner Freundin unter der Haut. Also habe ich mir Hello Kitty für sie tätowieren lassen. (lacht) Und ich habe es mir extra dahin machen lassen, damit ich da immer und gerne und mit Stolz drauf schauen kann. Für viele mag das komisch sein, aber für mich hat das wirklich eine krasse Bedeutung. Und deswegen zeige ich das auch. Mir ist es auch egal, wenn Leute denken, dass ich deshalb ein Idiot wäre. Für die habe ich das ja nicht getan.

Muss für dich also hinter jedem Tattoo auch eine Geschichte stehen?
Auf jeden Fall. Es muss etwas dahinter stecken. Und deswegen habe ich auch nur Motive – Engel, Blumen – die mir immer wichtig waren und etwas bedeutet haben.

Wie der Name deiner Freundin?
Ich war lange weg. Über zwei Wochen haben wir nur telefoniert. Und ich habe sie vermisst. Und dann habe ich das einfach gemacht. Das Geile ist ja auch, dass einer dieser kleinen Sterne drum herum von ihr tätowiert wurde. Da hat sie mir ungefähr 15  Zentimeter tief die Nadel durch den Arm gejagt. (lacht) Aber das war es wert, denn es erhöht ja noch mal den persönlichen Wert des Tattoos. Es verbindet noch viel mehr.

Gab es ansonsten ein Konzept?
Überhaupt nicht. Ich bin da voll der Chaostyp. Ich habe überall unfertige Sachen. Aber immer wenn mein Tätowierer Machete vorbeikommt, dann habe ich auch Lust auf etwas Neues. Ich habe immer neue Ideen und dann fangen wir einfach woanders an, anstatt mal ein paar Sachen auch weiter oder fertig zu machen. Das muss sich auf jeden Fall ändern (lacht).

»Tattoos tun verdammt weh. Jeder, der etwas anderes sagt, lügt« Chakuza

»Tattoos tun verdammt weh. Jeder, der etwas anderes sagt, lügt!«


Abseits der Fertigstellung von Rücken und Bauch, planst du gerade noch andere Sachen?
Ne, ich muss jetzt echt mal fertig werden und die große Baustelle zu Ende bringen. Es geht aber auf jeden Fall weiter. Nur die linke Seite werde ich freihalten. Es klingt immer komisch, aber es ist die Seite des Herzens und die soll frei bleiben. Und tätowierte Beine gefallen mir persönlich einfach nicht so sehr, daher wird das auch nicht gemacht.

Welche Stilistik bevorzugst du denn?
Ich mag Black-and-Grey, halb Rocker, halb Knast. (lacht) Und ich gehe nicht in Tattoo-Studios. Die nerven mich ein bisschen. Man kommt sich immer so vor, als wäre man beim Arzt. Machete, der ist gut drauf, richtig oldschool unterwegs, der kommt dann einfach bei mir rum. Denn, und da machen wir uns mal nichts vor, Tattoos tun verdammt weh. Jeder, der etwas anderes sagt, lügt. Und wenn ich krasse Schmerzen habe, dann will ich auch einfach mal kurz einen Whiskey kippen und den Schmerz vergessen. Das kannst du aber ja nicht in einem richtigen Studio bringen. Aber versteh mich nicht falsch: das ist schon alles cool und wichtig. Aber ich mag diese Art eben einfach mehr.

Gibt es denn irgendetwas, das du bereust?
Ganz ehrlich: das Beatlefield-Tattoo. Aber nur aus dem Grund, weil es schlecht gestochen wurde. Man sieht’s ja auch. Aber ich hoffe, dass man es irgendwann noch mal retten kann. Und an meinem Rücken arbeiten wir auch gerade. Da muss auch noch eine kleine Tribal-Jugendsünde ausgebessert werden. Aber kriegt man alles hin.


Text: Amadeus Thüner
Bilder: Simon Rammert




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29.06.2013
Text: Amadeus Thüner Bilder: Simon Rammert
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Stand:10 December 2016 23:17:39