Tattoos sind in der breiten Masse angekommen. Aber wie es oft so ist, wenn ein Lifestyle zum Mainstream mutiert, entwickelt sich gerne eine parallele Nische, die im Kontrast zum Massenphänomen steht. Den Künstlern, die sich in dieser Nische niedergelassen haben, wurde nun ein Buch gewidmet. "Forever The New Tattoo" widmet sich den Tätowierern, die an Trendmotiven vorbei arbeiten, erschaffen oder sogar im Gegensatz zu dem aktuell zu verzeichnenden Tattoo-Hype stehen.
Dabei porträtiert "Forever The New Tattoo" auf seinen über 240 Seiten nicht nur einzelne Tätowierlegenden, wie
Duncan X,
Guy Le Tatooer oder
Curly, sondern zeigt in einer großartigen Bilderstrecke wie vielseitig die moderne Tattoo-Kultur tatsächlich ist. Auch Einband und Aufmachung des Buchs unterstreichen diese Einzigartigkeit.
Das Vorwort stammt von
Matt Lodder, Doktor für Kunstgeschichte an der Universität Birmingham (GB), selbst vielfach tätowiert und Publizist von vielen Artikeln, Büchern und Arbeiten zum Thema
Tattoo, Bodymodification und Körperkult.

Im ersten Teil werden die
Künstler vorgestellt, die am Trend vorbei mutige neue
Motive und Stile erschaffen. Es werden ihre Geschichten erzählt, wie sie zum Tätowieren kamen, was für sie die Herausforderungen sind, weshalb sie den Massentrend nicht mitmachen, sondern sich der Gegenströmung widmen. Im Grunde sind es Eindrücke in die Arbeiten und Gedanken von den Tätowierern, die mit ihrem eigenen Verständnis von Ästhetik und ihrem Ideenreichtum und Mut, sich von den Massen abzuheben, den nächsten Trend überhaupt erst erschaffen.
Alix Lambert,
Alex Binnie,
Amanda Wachob oder
Yann Black sind nicht nur Pioniere oder Künstler. Sie sind Schöpfer, inspirierte Frei- und Querdenker. Allen gemein ist dabei die Tatsache, dass sie ihre Arbeit und Arbeiten als Medium begreifen. Ihre Geschichten, Einstellungen und Werdegänge nachvollziehen zu können, ist ein ganz besonderes Lesevergnügen. Natürlich stets mit ihren Arbeiten bebildert, die so gut ausgewählt sind, dass sie noch einen zusätzlichen Einblick in die jeweilige Persönlichkeit des gerade porträtierten Künstlers ermöglichen.

Der zweite Teil von "Forever The New Tattoo" ist eine Galerie mit verschiedensten Arbeiten - Tätowierungen natürlich, aber auch Zeichnungen, Entwürfe, und Gemälde - von einer ganzen Palette von Tattooartists, deren Namen von
Daniel Albrigo über
Peter Aurisch bis hin zu
Sara Rosenbaum und weiteren reichen. Die sind kein Begriff? Dann wird es spätestens jetzt Zeit, sich dieses Buch zuzulegen!
"Forever The New Tattoo" ist ein Querschnitt durch die Tattoo-Subkultur, die sich parallel zum Massenphänomen bewegt, die Namen, Geschichten und Arbeiten hervorbringt, die bestimmt nicht jeden Tattoofan begeistern, nicht bei jedem Tattoofan einen entzückten Aha-Moment hinsichtlich des aktuellen Bekanntheitsgrades eines Tätowierers auslösen.

Aber gerade das ist, was dieses Buch zu einem sehr wertvollen Teil der bunten Welt der
Tätowierung macht. Gerade das ist der Reiz. "Forever The New Tattoo" betrachtet Tätowierungen und die damit verbundene Kultur aus einer anderen Perspektive. Und egal, ob man sich in der
Szene bewegt, den Tattoomainstream selbst kritisch betrachtet oder ob man selbst (noch) völlig unfarbig ist, erlaubt dieses Buch eine aufschlussreiche, interessant gestaltete und reichlich bebilderte Lektüre.

Sicher, "Forever The New Tattoo" wendet sich eher an Anhänger des Tattookults, die sich unabhängig von Mainstream und Mode dafür interessieren und ihn leben. Dennoch kann man dieses Buch auch jedem Tattoo-Rookie oder Interessierten ans Herz legen, um ihm einen Blick in eine etwas andere bunte Welt zu verschaffen.
FOREVER THE NEW TATTOO ist erschienen beim Berliner
Gestalten Verlag:
Herausgeber: Robert Klanten, Floyd E. Schulze
Seiten: 240
Format: 22,5 x 29 cm
Ausstattung: vollfarbig, Hardcover
Preis: € 39,90 / CHF 53.90 / $ 60 / £ 37.50
ISBN: 978-3-89955-442-7
Text: RNRBilder: © Gestalten Verlag GmbH & Co. KG