Indianer, Einhorn, Wikinger haben sich aus dem Vorlagenalbum verabschiedet. Wir fragen: Zu recht?
Tattoos halten ein Leben lang, da sollte es keine Trends und Modeströmungen geben. Dass es dennoch Motive gibt, die für ein, zwei Jahre lang »hip« sind und dann wieder in der Versenkung verschwinden, ist bekannt: das Steißtribal starb aus, als sich die unrühmliche Bezeichnung »Arschgeweih« im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzte, chinesische Schriftzeichen sind schon seit längerem auf dem absteigenden Ast und auch die Sternchen-Welle lässt bereits wieder nach. Noch zu jung, um als »Retro« zu gelten: Fantasy, Wikinger und Biomechanik-Tattoos sind fast ausgestorben. Wer sich heute solch ein Motiv stechen lässt, rennt sicherlich keinem Trend hinterher. Aber neben diesen Trend-Tattoos, die man bewusst wahrnimmt, gibt und gab es auch immer wieder Motive, die jahrelang der Hit waren und die sich irgendwann ganz heimlich still und leise aus den Vorlagenalben verabschiedet haben, ohne dass es jemand mitbekommen hat – und ohne dass man sie vermisst. Nur ganz selten taucht heute noch eins dieser Motive einer vergangenen Zeit auf; sozusagen lebende Fossilien, ähnlich wie ein Quastenflosser, von dem man eigentlich auch dachte, er sei schon lange ausgestorben. Und dann denkt man: Mensch, vor zehn, fünfzehn Jahren, da lief doch jeder mit so einem Teil rum!
Heute sind viele dieser Motive zu »out«, als dass sie noch große Verbreitung finden könnten und noch zu jung, um als »Retro« gelten zu können. Also: Nein zu den Nineties? Andererseits: die Tattoo-Szene zeichnete sich immer schon durch Typen aus, die drauf pfeifen, was die Mehrheit sagt. Wer sich früher ein Frank-Frazetta-Fantasy-Motiv stechen ließ, war einer von vielen – heute sind das echte Individualisten und Überzeugungstäter, die keinem Trend hinterherlaufen, sondern sich ganz bewusst für dieses Design entscheiden. Und wären Indianer, Aliens, Skorpione und Wikinger damals schon so technisch herausragend gestochen worden, wie es einige Tätowierer heute drauf haben – vielleicht wären sie dann noch nicht ausgestorben …
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der April-Ausgabe 2012…
Teuflische Fantasien? Bei Tom Lennert von Evil Fantasies ist eigentlich gar nichts teuflisch. Seine Tätowierungen sind knallbunt, die Motive lustig-liebenswert und Tom selbst ein netter Kerl, der viel Enthusiasmus und Kreativität in seine Arbeit legt.
Von Ra wie Raijin bis Sa wie Sanduhr – wir erklären euch die Bedeutung der Tattoo-Motive. In dieser Ausgabe geht es um den Donnergott Raijin, der immer zusammen mit dem Gott des Windes Fijin häufig in traditionellen japanischen Tätowierungen gezeigt wird.