Musikinstrumente


Nahezu unendlich ist die Vielfalt der tonerzeugenden Gerätschaften, die der Mensch erdacht hat, um darauf zu musizieren. Doch seit frühester Zeit wurden Musikinstrumente nicht nur als schnöde Ton-Werkzeuge sondern vielmehr als Kultgegenstände angesehen, die mit der Musik, die sie erzeugen, einen Zugang zu einer anderen Dimension von Kommunikation ermöglichen.


Heavy Metal Tattoo
E-Gitarre in bizarrer Form; das Symbol für Heavy Metal schlechthin! Gestochen von Valentin, Biodelic Art Tattoo (Sursee, CH)


Das älteste Musikinstrument der Welt, das bislang gefunden wurde, ist eine Flöte aus Vogelknochen. Das Instrument ist unglaubliche 35.000 Jahre alt und stammt somit aus der Altsteinzeit. Neben der »Knochenflöte vom Hohle Fels«, dem Fundort auf der schwäbischen Alb, wurden auch noch weitere Flöten aus Elfenbein gefunden, die nur unwesentlich jüngeren Datums sind. Experimente mit nachgebauten Knochen- und Elfenbeinflöten machen anschaulich, welch große Bedeutung dem musikalischen Wohlklang bereits zu einer Zeit zugemessen wurde, als mit Neandertaler und Cro Magnon-Mensch noch zwei unterschiedliche Menschenarten im europäischen Raum lebten. Denn wie Versuche belegen, klingt eine Elfenbeinflöte um einiges harmonischer als eine Flöte aus Vogelknochen, ist aber weitaus schwieriger herzustellen, da das Elfenbein zunächst sauber gespalten, entlang des Luftkanals ausgehöhlt und anschließend wieder entlang der Naht luftdicht verschlossen werden muss, während Vogelknochen ja bereits von Natur aus hohl sind und somit über einen Luftkanal verfügen. Der große Arbeitsaufwand, der bereits mit den allerersten bekannten Instrumenten der Menschheitsgeschichte betrieben wurde, um einen besseren Klang zu erreichen, macht deutlich, welchen hohen Stellenwert Musik im Leben der Steinzeitmenschen einnahm. Archäologen und Historiker gehen davon aus, dass Musik damals schon zu religiösen Zwecken gespielt wurde aber auch soziale Funktionen hatte. Musik diente von Anfang an als eine Art non-verbale Kommunikation zu den Mitmenschen, aber auch zur Welt der Geister, Götter und Ahnen. Und während die Sprache als Kommunikationsmittel jedem zur Verfügung stand, war die Möglichkeit, sich mit Musik auszudrücken, nur einigen wenigen vorbehalten.

Harde Tattoo
Die Harfe symbolisiert Irland; das Instrument ziert auch die Ein-Euro-Münze der Iren. Gestochen von Helgez, 4-Life-Tattoo (Berlin, D)


Diese Personen, die wahrscheinlich schon früh einen Sonderstatus inne hatten, besaßen neben der Fähigkeit, Musik zu machen, auch die dazu nötigen Instrumente, denen ihrer Bedeutung entsprechend oft kultische Verehrung zukam. Wer ein Musikinstrument spielen konnte, war für die Gemeinschaft wichtig, da er einerseits kultische Handlungen begleiten, andererseits aber auch bei Festen und Feierlichkeiten die Emotionen seiner Mitmenschen stimulieren konnte; Musiker hatten schon früh die Macht, Ausgelassenheit und Frohsinn aber auch Melancholie oder gar Aggressivität bei ihren Zuhörern auszulösen. Gerade letzteres machte man sich schon früh in der Kriegsführung zu nutze: besonders laute Instrumente wie Trommeln oder Trompeten boten sich an, um die Kampfeslust der eigenen Truppen zu schüren und den Gegner einzuschüchtern. Dass auch in diesem Bereich den Instrumenten oft geradezu magische Fähigkeiten zugesprochen wurde, zeigt sich an dem biblischen Bericht von der Eroberung der Stadt Jericho, deren Mauern angeblich durch den Klang der von Priestern geblasenen Posaunen zum Einsturz gebracht wurden. Ein besonderer Stellenwert als Kriegsinstrument kommt dem schottischen Dudelsack zu, der auch als »Great Warpipe of the North« bezeichnet wird. Nach der Schlacht von Culloden im Jahr 1746, bei der schottische Aufständische gegen die englischen Regierungstruppen kämpften, befand ein englisches Kriegsgericht, dass auch die schottischen Piper im selben Maße wie bewaffnete Rebellen zu verurteilen seien, da der Dudelsack in seiner Funktion einer Waffe gleichzusetzen sei. Und selbst heute noch ziehen schottische Regimenter, beispielsweise im Falkland- und in den beiden Irak-Kriegen, nie ohne Dudelsackspieler ins Gefecht und es heißt, dass eine Great Highland Bagpipe im Kampf soviel wert sei wie hundert Gewehre.

Bass Tattoo
 Tätowierte Detailansicht eines E-Basses. Gestochen von Lenu, Alien Tattoo (PL)


Nach wie vor kommt der Musik in Religion und beim Militär große Bedeutung zu, hauptsächlich ist sie heute jedoch im Unterhaltungssektor verbreitet. Das scheint der teils kultischen Verehrung bestimmter Instrumente jedoch keinen Abbruch zu tun. Das verbreitetste Instrument der modernen Rock- und Popkultur ist zweifellos die Gitarre, die »Six String«, der Bryan Adams in seinem Song »Summer of ’69« huldigt. Verschiedene Modelle gelangten durch herausragende Spieler zu Ruhm und Ehre: Wer an Jimi Hendrix denkt, kann ihn sich kaum ohne seine linkshändige Fender Stratocaster vorstellen. Slash von Guns n’ Roses oder auch Jimmy Page (Led Zeppelin) spielten vorwiegend auf der legendären Gibson Les Paul, deren Schöpfer und Namensgeber, der auch als »Vater der E-Gitarre« gilt, erst vor wenigen Wochen im Alter von 94 Jahren starb. Manche Musiker wie Eric Clapton spielten auf beiden Instrumenten, doch viele Gitarristen entscheiden sich für eine Marke, der sie ewig treu bleiben. Beispielhaft für die Treue und Wertschätzung, die viele Musiker ihrem Instrument entgegen bringen ist der Bluesgitarrist B. B. King, der seiner Gitarre, mit der er wahrscheinlich tatsächlich mehr Zeit verbrachte als mit einer Frau aus Fleisch und Blut (und mit der er sicher ein intensiveres Verhältnis hatte), den Namen »Lucille« gab, nachdem er sie unter Lebensgefahr aus einer brennenden Konzerthalle gerettet hatte. Andere Gitarren, die beinahe synonym für bestimmte Musiker stehen, sind beispielsweise die Gibson Flying V die gern von den Brüdern Michael und Rudolf Schenker (U.F.O. und MSG bzw. Scorpions) gespielt wird oder natürlich die exotisch geformte Dean-Guitar des Pantera-Gitarristen Dimebag Darrell.

Drum TattooDudelsack, Pipe Tattoo
 Pipes & Drums sind die traditionellen Instrumente schottischer Regimenter. Die Deutschen nannten die schottischen Soldaten in ihren Kilts »Ladies from Hell«.
Tattoos von Peter, Hot Ink (Frankenthal, D), links; Lenny Renken (Nashville, USA), rechts


Während E-Gitarren das wichtigste Instrument des Hard & Heavy-Rock sind, ist der Kontrabass zentrales Element der Rockabilly- und Psycho-Musik. Während in den meisten Bands dieses Genres der klassische Kontrabass zum Einsatz kommt, wird das Instrument bei manchen Combos auch gern mit Szene-typischen Hotrod-Flammen aufgemotzt. Der Bassist der Psycho-Band Nekromantix hat sich sein Instrument passend zum Logo der Band in der Form eines Sarges zurechtgezimmert – funktionieren tut’s dennoch ordentlich. Das ursprünglichste Instrument des Menschen ist zweifellos seine Stimme, und die Tiefe der Empfindungen und Gemütsregungen, die eine schöne Stimme auslösen kann, können durch kaum ein anderes Instrument in solcher Intensität hervorgerufen werden. Auch das Spektrum der Möglichkeiten, die die menschliche Stimme bietet, ist unerschöpflich: Von gregorianischen Gesängen über Opern-Arien bis zu den Rock ’n’ Roll-Songs eines Elvis Presley reicht ihr Einsatzbereich. Bildlich lässt sich die Stimme freilich nicht darstellen, symbolisch kommt daher als Tattoo-Motiv – zumindest für den Rock ’n’ Roll-Bereich – das Mikro als Platzhalter zum Einsatz. Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt, erkannte schon Napoleon. Es gibt tatsächlich wohl kaum eine so universelle Kunst, die in ihrer Vielfalt auf die eine oder andere Art doch jeden Menschen anrührt und denjenigen, die in der Lage sind ein Instrument zu spielen, die Möglichkeit eröffnet, andere Menschen in einer Art anzusprechen und emotional zu berühren, wie es mit Sprache allein nicht möglich ist. Kaum verwunderlich, dass auch heute noch viele Musiker und Musik-Fans ihren »Kultobjekten« huldigen – mit Tattoos, die der Liebe zur Musik einen Ausdruck von Ewigkeit verleihen!

Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Oktober Ausgabe 09


Text: Dirk-Boris
Bilder: TM-Archiv


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TätowierMagazin 25.09.2009
Text: Dirk-Boris Bilder: TM-Archiv
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Stand:23 May 2013 20:10:20