Rothäute? Bleichgesichter? So richtig taugen die angestaubten Bezeichnungen aus alten Western nicht mehr, wenn es darum geht, bunte, mit Indianer-Tattoos geschmückte Haut zu beschreiben. Die Art der Darstellungen von Indianern ist inzwischen vielfältig, von Realistic bis Traditional, doch bei den Motiven dominieren trotz kultureller Vielfalt der amerikanischen Ureinwohner immer noch
die Standard-Bilderbuch-Indianer mit Federschmuck und Kriegsbemalung.
Realistic-Häuptling von Ivan vom Studio Spiny Tattoo aus dem ukrainischen Sevastopol.
Indianer! Mit diesem entsetzten Aufschrei, den wir aus Western kennen, kommt eigentlich schon die geballte Ignoranz und Überheblichkeit der weißen Siedler zum Ausdruck, die über Jahrhunderte immer weiter in das Gebiet der Ureinwohner Nordamerikas vordrangen. Doch der überraschte Ausruf war ja wohl kaum angebracht; denn es ist genau genommen nur wenig verwunderlich, in einem Gebiet, in dem man selbst eben erst neu angekommen ist, auf Menschen zu treffen, die dort schon seit tausenden von Jahren leben.

Klassische Oldschool-Indianer von Fördl, Vienna Electric Tattooing (Wien) und Skull mit Häuptlings-Federschmuck von Chicano-Experte Steve Soto, Goodfellas Tattoo Ar (Orange, USA).
Zum Zweiten ist der Begriff »Indianer« völlig ungenau: Diese Bezeichnung soll auf Columbus zurückgehen. Im Irrglauben, einen Seeweg nach Hinterindien gefunden zu haben, soll er dieser Logik folgend die Einwohner als »Indians« – Indianer – bezeichnet haben. Aber auch ungeachtet der geografischen Fehleinschätzung taugt der Name nicht als Oberbegriff für die Ureinwohner Nordamerikas. Ebenso wie der von den Römern geprägte Begriff »Germanen« für die Völker Nordeuropas zur Völkerwanderungszeit, erweckt der Oberbegriff »Indianer« den Eindruck einer Homogenität, die es nie gab.
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der August-Ausgabe 2012 …Text: Dirk-Boris RödelBilder: TM-Archiv