Es ist angerichtet! Nahrungsmittel als Tattoo-Motive sieht man immer öfter. Und es gibt sie für jeden Geschmack!
Ein elementares Bedürfnis
Tattoos drücken oft in symbolischer Form Emotionen, Bedürfnisse und Gemütszustände aus: Liebe und Trauer, Selbstbewusstsein, Zorn, Freundschaft, Mut und Schmerz. Also ganz elementare Gefühlsregungen. Dass auch Nahrungsmittel es unter diesem Aspekt verdienen, in Form von Tattoos gewürdigt zu werden, ist eigentlich nur naheliegend. Doch unter den »klassischen« Tattoo-Motiven findet man erstaunlicherweise kaum Lebensmittel-Motive – Schnitzel, Karotten und Kuchenstücke suchte man in den Vorlagen bis zum Ende des letzten Jahrhunderts vergebens. Und das trotz der unbestreitbaren Wichtigkeit von Nahrung. Denn ohne Nahrung können wir nicht existieren, sie ist der Brennstoff, der uns am Leben erhält.
Kochen kann Hobby oder Berufung sein. Das Ergebnis, eine gute Mahlzeit, ist für viele Menschen mehr als ein notwendiges Übel, sondern ein sinnlicher Genuss. Tattoo von Moro Tattoo aus Genua (IT).
Zudem ist Nahrung in unserer reichen Industrie-nation auch weit mehr als nur Energiezufuhr und Mittel zum Zweck, das Hungergefühl zu stillen; Nahrung ist für uns Genuss, kann Beruf und Hobby sein oder sogar eine Lebenseinstellung widerspiegeln. Und letzten Endes bieten viele Speisen nicht nur lukullischen, sondern auch optischen Genuss: In Form von Stillleben finden sich seit der Antike Früchte und Gemüse als attraktive Objekte in verschiedensten Kunstwerken von altrömischen Mosaiken bis zu üppigen Ölgemälden der Renaissance. Lebensmittel-Motive bieten also alles, was ein gutes Tattoo-Motiv braucht: sie sind meist optisch interessant und bieten zudem unterschiedlichste Bedeutungsansätze von tiefschürfend-philosophisch bis spaßig-albern.
Ein Motiv-Favorit: Süßes auf der Haut. Das unheimlich appetitliche Schokotortenstück stammt von Ivan, Spiny Tattoo, Sevastopol.
»Dann sollen sie doch Kuchen essen!«
Auffällig ist zunächst, dass Grundnahrungsmittel kaum unter den Food-Motiven zu finden sind; ein Brotlaib, Kartoffeln, Reis – sind diese Motive optisch zu wenig ansprechend? Oder geschmacklich zu uninteressant? Rein vom Symbolgehalt ist das Brot gerade in unserem christlich-abendländischen Kulturkreis extrem ergiebig, sei es als Leib Christi oder als sprichwörtlich karges »Wasser und Brot«, doch als Tattoo-Motiv spielt es keine Rolle. Mit anderen Backwaren sieht es da schon anders aus: Kuchenstücke und Torten, Cupcakes und Donuts sind momentan äußerst gefragt als Tattoo-Design.