Zoo-Zeit mit Susanne König


Susanne König liebt Tiere. Echte genauso wie tätowierte. Die Stuttgarterin ist Spezialistin für Tier-Tattoos in traditioneller Ausführung. Keine Realistic, sondern dicke Outlines und klare Formen. Alte Werte, keine veralteten. Ihre Arbeiten kreativ zu nennen, würde der Sache nicht gerecht. Geistreich trifft es besser. TM-Redakteur Jan ist mit ihr durch den Zoo spaziert.

Susanne König aus dem Black Thorn Tattoos in Stuttgart.
Redakteur Jan Burger begleitete die Stuttgarter Tätowiererin Susanne König in die Wilhelma.


Die Stuttgarterin Susanne König wuchs in München neben einem Bauernhof auf. Wer die Menschen kennt, der liebt die Tiere? Klingt in ihren Ohren zwar pathetisch, hält sie aber dennoch für wahr. »Tiere verstellen sich nicht, deswegen lassen sich durch Tierbilder authentische Emotionen transportieren. Okay, meine Kater Vito und Buzz Light Year benutzen mich manchmal schon, um Leckereien zu bekommen. Aber wenigstens machen sie keinen Hehl daraus.« Die 33-Jährige wuchs mit Haustieren auf, die sie konstant in ihre Arbeiten einfließen ließ: Hamster, Katzen, Hunde – und einen Wellensittich, der in einem Marmeladenglas starb. Zu spät entdeckte sie, dass er da reingefallen war.

Vogelnest  von Susanne König, Black Thorn Tattoos (Stuttgart) »Hier unten ist es dunkel.« Tattoo von Susanne König, Black Thorn Tattoos (Stuttgart)
Mops  von Susanne König, Black Thorn Tattoos (Stuttgart)
Reduziertes mit viel Ausstrahlung – um den Tieren Charakter einzuhauchen braucht es keinen Bling Bling!  


Naturstudien sind gesund
Wir treffen Susanne in der Wilhelma, dem Zoo der  württembergischen Landeshaptstadt. Sie geht gerne dorthin und plant, die dort heimischen Tiere vor Ort zu zeichnen. »Naturstudien sind gesund«, sagt sie überzeugt. »Und ich mag diese Anlage und ihre Atmosphäre.« Schon als Kind gefiel ihr der Zoo, und er gefällt ihr heute noch, genauso wie den Grundschülern, die ausgestattet mit Plan und Rucksack die an einen Berghang gebaute Wilhelma abspazieren. Es ist ein goldener Oktobertag, an dem die Sonne blendet und es einen trotzdem fröstelt. Die ersten Kastanien fallen zu Boden und Susanne – auch Susa, aber »niemals, niemals (!) Susi«, genannt –  trägt wie zum Schutz eine schwarze Melone auf dem Kopf. Ihr Coffee-to-go, den sie am Hauptbahnhof gekauft hat, ist längst lauwarm, mal wieder. Ständig lässt sie die auch an ihrem Arbeitsplatz, kalt werden, bemalt dann allerdings die Pappbecher mit akkuraten Bleistiftgemälden und stellt diese aus.
 

»Manchmal schau ich mir ein Tier an und denke: Alter, den kenn’ ich dch« Susanne König
»Manchmal schau ich mir ein Tier an und denke: Alter, den kenn’ ich doch«


Boah! Opulente Tiere!
Sie ist so ordentlich gekleidet, wie vermutlich an ihrem ersten Schultag: Schwarze Stiefel, kurze Blue Jeans, schwarze Strumpfhose, schwarzes Jacket. Die Blackwork auf ihren Händen, und ihr anschmiegsames Halstattoo von Gerd Wiesbeck, kontrastieren stark mit ihrer hellen Haut. Diese Tattoos trug sie damals natürlich noch nicht, auch nicht das goldene Septum-Piercing durch ihre Nase. Doch auch hinter all diesem Körperschmuck wirkt die junge Frau immer noch zierlich und mädchenhaft.
 

Geometrischer Widder  von Susanne König, Black Thorn Tattoos (Stuttgart) Geometrisches von Susanne König, Black Thorn Tattoos (Stuttgart)

Klare Flächen, Schraffur und eine gute Idee. Widder und Hirsch wirkt ohne zusätzliche Hilfsmittel.


An Temperament fehlt es ihr aber nicht. »Boah! Opulente Tiere!«, entfährt es ihr als sie am Bisongehege entlangschlendert. »Viele Tiere sehen ja aus wie Menschen. Manchmal schau ich mir ein Tier an und denke: Alter, den kenn’ ich doch.«
Im Restaurant, am höchsten Punkt der Wilhelma, bestellt sie sich Pommes mit Ketchup. Von dort aus hat man gute Sicht auf das Kamelgehege. Das Diktiergerät macht sie nervös. Lieber wäre es ihr, der Redakteur würde mitschreiben. Sie macht sich schon mal warm und rappt »Mic check. One, two« ins Micro. Wir sprechen über Tiertattoos.

Lama-Tattoo von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart) Taubenpaar von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart)
Das ist Kurt. Tattoo von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart)
Susanne ist nicht auf Blackwork festgelgt. Bei der Farbauswahl dominiert die klassische Kombination aus Grün, Rot und Blau.


Subtraktion und Addition
»Das Tierrepertoire hat sich extrem erweitert. Die Leute wollen heute nicht mehr nur Tiere die Ehre und Mut verkörpern, sondern auch mal andere Eigenschaften symbolisieren wie Behäbigkeit, Hektik, Schlafsucht und Faulheit, und die menschlich und unperfekt wirken. Ich find’s gut, dass sich die Leute nicht mehr ganz so ernst nehmen. Aber es darf auch nicht zu albern werden.« Die Kunden kommen nur mit der Idee eines Tieres zu ihr. Oft soll es dann eine Klamotte tragen. Susanne auf Dauer zu langweilig. Sie will über den Ausdruck transportieren. Durch Mimik und Pose. Ihre Zeichnung eines zotteligen Heavy-Metal-Bisons bringt das auf den Punkt. Und wer nach einem Scheißtag im Büro auf ihr Porträt eines gestresst-traurigen Büro-Hamsters blickt, der identifiziert sich mit dem kurzlebigen Nager und wird sich bewusst, dass es auch andern so geht. So sind ihre Motive oft mitten aus dem Leben gegriffen, mit seinen schönen und abgefuckten Seiten. Susa hat den momentan überstrapazierten Neo-Traditional-Stil im Tierbereich um seine bedeckenden Accessoires subtrahiert und mit menschlichen Attributen wie Würde, Witz und Charme aufgefüllt. So hebt sie ein ganzes Genre auf die nächste Stufe.

Das erste Handtattoo von von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart) Knaller Motten-Mandala von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart)

Da staunt der Waschbar nicht schlech: Das Mottenmandala ist ein echter Hingucker.


Der zweifelhafte Druck steigenden Zuspruchs
Das könnte auch anstrengend werden, denn es ist vorstellbar, dass sie innerhalb der nächsten Jahre zu einer der gefragtesten Tätowiererinnen reift. Innerhalb von vier Jahren hat sie ihren von Kupferstichen, Illustrationen, Punktierungen und Schraffierungen beeinflussten eigenen Stil kreiert, den es bis dato kein zweites Mal gibt. Schon jetzt spürt sie den zweifelhaften Druck steigenden Zuspruchs. Allerdings fühlt es sich auch angenehm an, gefragt zu sein.
Nicht selten findet veganes Publikum wegen ihrer tierischen Verbundenheit, die über die Haut ihrer Kunden Verbreitung findet, an ihren Arbeitsplatz, der ebenfalls an einem der vielen Hänge Stuttgarts liegt. »Meine Veggie-Kunden sind oft  junge, kreative, alternativlebende Individualisten. Die sind superinformiert und auf der Suche nach einem andern Style. Und wenn die das wünschen, halte ich mich auch an eine aktuelle Liste für vegane Farben.« Ihre Kunden selbst entscheiden also, ob sie mit veganen oder anderen zugelassenen Farben ihre Motive, angelehnt und inspiriert von Büchern wie »Der Wind in den Weiden« oder »Ente, Tod und Tulpe« tätowiert werden wollen.
 
Susanne Königs Hand mit Katze
»Die Leute wollen Tiere, die menschlich und unperfekt wirken«


Wie meinschen du das?!
Auf die Frage, wie es ist, als Tätowiererin die Lebenspartnerin eines der respektiertesten Tätowierer Deutschlands, nämlich Kelu, zu sein, ertönt im schwäbischen Dialekt ein leicht empörtes »Wie meinschen du das?!«, während sie ihre Hände in ihrem Jackett vergräbt, dann kurz lacht und dann bedeutsam erklärt: »Wenn du einen großen Namen an deiner Seite hast, bist du für die Leute immer Der-Lehrling-von. Bei uns gibt es aber keinen Schatten in dem ich stehe. Ich bin Kelu sehr dankbar, dass er sein über viele, viele Jahre hart zusammengetragenes Wissen mit mir teilt und mich so geduldig begleitet hat. Aber er stellt sich nicht vor mich und ich verstecke mich nicht hinter ihm. Partnerschaft, kein Wettbewerb.«

Vom Leben inspiriert:  Der ein oder andere Metaler erinnert Susanne auch mal an ein Bison. Streetart von Susanne König, Black Thornes Tattoo (Stuttgart)

Streetart! Wie ein Hamster im Rad: Deprimierende Tage im Büro kennt Susanne noch aus ihren Zeiten in einer Werbeagentur. Vom Leben inspiriert: Der ein oder andere Metaler erinnert Susanne auch mal an ein Bison. 


2014 wird sie in Brighton ihre erste Convention absolvieren. Ein Event, der die frühere Street-Art-Künstlerin vielleicht nochmal ein Stückchen weiterbringt. Ähnlich wie ihr erster Stammkunde damals. Der People-Fotograf Christian Metzler, den sie als »Schlüsselkunde« bezeichnet, klärt uns weiter auf: »Susannes erster Entwurf passt für mich zu 99,9 Prozent. Es gab zwar eine Zeit, da hat sie sehr lange gebraucht – das wurde dann schmerzhaft – aber sie ist sehr bedacht beim Tätowieren, weil sie weiß, sie arbeitet auf einem Menschen. Ich würde ihr meinen Handrücken jederzeit wieder anvertrauen.«
Einen Tag später in der TM-Redaktion erreicht uns eine E-Mail. Susanne schreibt: »Als ihr nicht hingeschaut habt, hab ich ein kleines Erdmännchen mitgehen lassen, das jetzt für immer bei mir wohnt.« Humor und Tiere sind deshalb die Essenz ihrer Tattoos, weil sie beides liebt und lebt – und somit auch das Tätowieren. Oder, um ihre Fingerrücken-Tattoos sprechen zu lassen: WITH LOVE.



Text: Jan Burger
Bilder: Christian Metzler, König




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04.02.2014
Text: Jan Burger Bilder: Christian Metzler, König
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