Marco Lucky 6 Tattoo


 »Lucky Six« sind sechs glückliche Körperkünstler. Einer von ihnen ist der 32-jährige Marco Wagner. Auch ohne Hypen durch Tattoomedien ist sein Talent gereift.  Jetzt ist er ein anerkannter Tätowierer in Berlin.


Tattoo von Marco, Lucky 6, Berlin

Grelle Farben und dicke Outlines gießen Marcos Tattoos in eine feste Form. Bold with hold!


Auf Island bricht ein Vulkan aus und legt mit Aschewolken den Flugverkehr lahm. Auch Marco war Mitte April davon betroffen: Kurzfristig musste Stammkunde Ringo aus der Schweiz seinen Termin bei dem Berliner Tätowierer absagen. Kein Grund für Marco, sich an diesem Freitagvormittag zu ärgern. »Seit ich nicht mehr so verbissen bin und unbedingt irgendwohin will, es einfach fließen lasse, läuft alles gut«, sagt er. Marco, als DDR-Kind Leistungsboxer auf einer Kinder- und Jugend-Sportschule. Marco, der »Proll«, wie er sich selbstironisch, mit trockenem Humor, nennt. Aber er sagt auch: »Es geht bei mir eher in die esoterische Richtung.«
Marco boxt immer noch, dreimal in der Woche. Aber er geht auch zu Reiki-Meistern und Heilpraktikern. »Nur dem Materiellen hinterher zu rennen, bringt nichts. Das letzte Hemd hat keine Taschen.« Seine Erkenntnis: »Bist du nett, freundlich und locker, hast du auch ein entsprechendes Umfeld. Es entsteht von innen heraus nach außen, nicht umgekehrt.«  
Und zu welchen Erkenntnissen ist er gelangt, nach neun Jahren als Tätowierer? »Lässt man seiner Kreativität freien Lauf, kommen auch kreative Kunden, die entsprechende Arbeiten wertschätzen.«
Zum Beispiel Versicherungs-Vertreter Philipp, er ist 31. Die Tätowierung auf seinem linken Arm ist von seltener Schönheit. Eine Old School-Symphonie aus Schlange, Hand, Totenschädeln, Frauenköpfen, einem Adler und Blüten – plastisch und farbsatt umgesetzt. Old School-Realismus, sozusagen.
René, ein 27-jähriger Bauingenieur-Student, trägt ein von zwei Dolchen durchbohrtes Herz auf seiner Brust, mit Rosenblüten links und rechts. Das Tattoo wirkt kraftvoll, während das mächtige Segelschiff auf seinem linken Oberarm grafisch reduziert ist.

Tattoo von Marco, Lucky 6, Berlin

Marco taucht religöse Motive in anmutige Stimmung


Die Oberarm-Tätowierungen des Catering-Mitarbeiters Gordon, Mitte zwanzig, beweisen, dass Marco auch schwarzgraue Arbeiten umzusetzen versteht. Die Motive sind christlicher Art. Von sich aus ist Gordon mit 14 Jahren in die katholische Kirche eingetreten und praktiziert sein Glaubensbekenntnis auch. Jeden Sonntag besucht er die Heilige Messe.
Aber Marco ist kein Phönix aus der Asche. Er wurde nur lange Zeit von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wohl auch, weil er außerhalb seines Studios nur auf der Dresdner Convention regelmäßig zu erleben ist. Doch sein Tätowierer-Kunsthandwerk ist im Laufe der Jahre gereift. »Wir haben alle unsere Leichen im Keller«, sagt er, und meint damit verhunzte Tattoos in seiner Anfangszeit als Tätowierer. »In den ersten Jahren habe ich Blut und Wasser geschwitzt. Für die Steißbein-Tribal-Zeit bin ich dankbar. Die Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte, sind so wertvoll für mich.«
Aufgewachsen ist Marco in der DDR, im brandenburgischen Oranienburg. Doch dann zog die inzwischen geschiedene Mutter mit dem damals Zehnjährigen und seiner Schwester nach Berlin ins Viertel Prenzlauer Berg, das vor der Wende noch ein Arbeiterviertel war. Dort herrschte DDR-Großstadt-Tristesse: »Wir wohnten im Hochparterre. Habe ich aus dem Fenster geschaut, konnte ich die Ratten sehen.« Heute leben im Trend-Bezirk viele zugewanderte und wohlhabende Westdeutsche. Früher kannte Marco dort noch jeden Keller und jeden Dachboden genau. »Alles war damals grau. Das erste Bunte, was ich gesehen habe, waren Graffiti.«

Tattoo von Marco, Lucky 6, Berlin

Seltenes Tattoo-Motiv: Ein Faultier!


Marco sprühte selber welche – während er die Oberschule mit der zehnten Klasse abschloss und eine Malerlehre absolvierte. »Ich wechselte dann zum Airbrush-Painting. Da kann man auf kleinerer Fläche detailreicher arbeiten.« Marcos erster Schritt zu einer stärker plastischen Auffassung von Designs. Er lernte Typen  kennen, die Nachtclubs und Tätowierstudios besaßen. Er lacht: »Damals war das noch ein Brei.« Bei Kalle von »Classic Tattoo Design« im Ostberliner Stadtteil Hohenschönhausen lernte er ein Jahr lang zu tätowieren.
Marco hat etliche Studio-Stationen durchlaufen. Die »All Style«-Läden in Strausberg und Berlin-Friedrichshain, sowie eine Tätowierer-Arbeits-WG in der Danziger Straße am Prenzlauer Berg gehören dazu. Im Januar 2008 machte er zusammen mit seinen Kollegen Nico und Bobby »Lucky Six Tattoo« in der Frankfurter Allee in Friedrichshain auf. »Mit Gasttätowierer sind wir sechs. Und Glück kann jeder gebrauchen.« Schlicht wirkt das Studio von außen. Umso schöner und weitläufiger ist es innen, mit dunklen Holzwänden  die eine gemütliche Atmosphäre erzeugen. Genau richtig, um sich hier unter die Nadeln zu begeben und sich dabei wohlzufühlen.

Tattoo von Marco, Lucky 6, Berlin

Asiatische Tätowierungen stehen bei Marco hoch im Kurs. Bei deren Umsetzung kommen bunte Farben nicht zu kurz. Vielleicht liegt das auch an Marcos grauer Vergangenheit in der DDR.


Sein Handwerk beherrscht Marco. Mit dem Kunstanspruch, den Tätowierer mit so genannten grafischen Tattoos verfolgen, hat er dagegen seine Schwierigkeiten: »Ich habe Respekt vor allen, die etwas Neues machen. Mein Ding ist es nicht. Da bin ich wohl zu prollig für. Lieber fahre ich mit meinem Sohn eine Stunde lang Fahrrad, als mich zu einer Vernissage in eine Kunstgalerie zu stellen.« Sohn Edgar ist sechs. Das zweite Kind folgt demnächst.
Nicht nur von Marco, Bobby und Nico kann man sich bei »Lucky Six« stechen lassen. Zwei Wochen im Monat arbeitet auch Sascha aus Köln im Laden. Die Sascha. Für den freundlichen Empfang und fürs Piercen sorgt Zippi. Genau genommen kriegt man die »Glücklichen Sechs« auch ohne Gasttätowierer zusammen: mit Marcos Lehrling André. Der junge Jurist hat ein Jahr lang als Anwalt gearbeitet und sich dann fürs Tätowieren entschieden. »Er gibt sich dem Tätowieren genauso akribisch hin, wie vorher dem Studium. Da ziehe ich den Hut vor«, lobt ihn Marco. Keine Frage, bei »Lucky Six« lebt die Leidenschaft für Tattoos.

KONTAKT
Lucky 6 Tattoo & Piercing
Frankfurter Allee 6
10247 Berlin
Tel.: 030 – 50 91 61 32
www.myspace.com/lucky6tattoo

Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der September-Ausgabe 2010


Text: Volker MV
Bilder: Volker MV, Marco


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TätowierMagazin 27.08.2010
Text: Volker MV Bilder: Volker MV, Marco
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