Das AKA in Berlin ist mehr als nur ein Tattoo-Studio, es ist eher eine Anlaufstelle für kreative Künstler, die vor allem – aber eben nicht nur – tätowieren. Wir haben dem interdisziplinären Kunst- und Aktionsraum, wie die AKAler ihre Location selbst bezeichnen, einen Besuch abgestattet.
Jon John versteht sich als Agent für die Tattoo-Künstler, erstellt aber auch eigene Kunstwerke.
Jon John: der Tattoo-Promoter
Heute ist mein Interview mit AKA, einem von Berlins angesagtesten Studios in Neukölln. Jon ist der Gründer und Besitzer von AKA, neben seinem Geschäftspartner Valentin A-Minus, einem Musiker.
Gleich zu Beginn macht Jon mich darauf aufmerksam, dass das AKA anders ist als traditionelle Studios: »AKA ist kein Tattoo-Studio, sondern versteht sich als interdisziplinärer Kunst- und Aktionsraum, ein Ort für Kunstformen jeglicher Art.« Er hofft, dass AKA den Blick auf neue Formen der Tätowierarbeit öffnet, indem verstärkt unterschiedliche Künste mit einbezogen werden.
Vögel mit Händen oder auch gänzlich abstrakte Motive: Die Tattoos von Madame Chän sind keine Prêt-à-porter-Designs.
Zeit für Kunden, Zeit für Mitarbeiter
Das AKA gibt es seit November 2009. Neben einer Galerie mit monatlich wechselnden Ausstellungen verfügt das AKA über professionelle Tattoo- und Piercing-Ateliers mit nationalen und internationalen Gast-Tätowierern. Für Jon ist es wichtig, dass die Künstler bei AKA sich weiterentwickeln, ihren Stil verstärken, neue Techniken erlernen und sich austauschen. Er selbst sieht seine Rolle als »Agent« für die Tattoo-Künstler. Neben konkreter Hilfestellung arbeitet er im Bereich PR und Öffentlichkeitsarbeit, um die Tätowierer optimal zu promoten. Genauso wie er sich Zeit für seine Mitarbeiter nimmt, gilt dies auch für seine Kunden: »Für mich ist es sehr wichtig zu verstehen, welchen Stil die Kunden suchen. Nach dem Gespräch empfehle ich ihnen den meiner Meinung nach geeignetsten Tätowierer für sie«. Ich frage Jon, einen gebürtigen Franzosen, wie seine Standortwahl auf Berlin fiel? »Berlin ist einfach so dynamisch. Es ist eine Stadt die sehr viel Freiheiten und Toleranz bietet. Ich mag das Motto der Stadt: arm und sexy!«


Sarah B Bolen tätowiert nostalgisch wirkende Traditionals mit einem skurrilen Twist.
Madame Chän: von Brüssel nach Berlin
Madame Chän ist eine Tattoo-Künstlerin aus Belgien, die seit mehreren Jahren ihren Hauptwohnsitz in Berlin hat. Ihr Künstlername ist, wie mir sofort auffällt, eingedeutscht, wie man unschwer am Ä erkennt. Auf ihrer Webseite bezeichnet sie sich als »Grafik-Künstlerin und Tattooist auf Papier, Textil und Fleisch«. Sie erklärt dazu: »Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich auf Papier, Textil oder Haut arbeite. Es sind nur unterschiedliche Medien, auf die ich mich umstellen muss.« Gibt es Tabus im Bereich Tätowierung? Dinge, die sie nie stechen würde? Stellen am Körper, die sie nie antasten würde? »Ich habe meine Grenzen. Beispielsweise wenn ich mir nicht sicher bin, warum Leute sich an einer bestimmten Stelle tätowieren lassen wollen. Nehmen wir mal an, vor dir steht ein ganz junges Mädchen, das sich ihren gesamten Bauch tätowieren lassen möchte. Dann würde ich versuchen, noch einmal mit ihr darüber zu sprechen. Ich möchte, dass die Leute sich Zeit nehmen, das richtige Motiv und den geeigneten Ort zu wählen. Ich möchte kein negatives Karma bekommen, wenn jemand nachher sein Tattoo bereut. Wenn ein Kunde schon sehr viele Tattoos hat, ist es etwas anderes, aber beim ersten Tattoo muss man besonders sorgsam sein.« Ein Tabu sind natürlich auch faschistische Motive. »Aber ich denke, wenn du ein Rassist wärst, würdest du dich nicht bei mir tätowieren lassen. Ich liebe Menschen«, meint die Belgierin.
KONTAKT
AKA Berlin
Pflügerstraße 6
12047 Berlin
Tel: 49 30 56 73 54 22
www.akaberlin.com
ichliebeaka@googlemail.com
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Mai-Ausgabe 2012 …