Als die »Hauptstadt Skandinaviens« wird Stockholm gerne bezeichnet – und es wird diesem Anspruch in vielen Punkten gerecht. Es ist nicht nur die größte Stadt in den nordischen Ländern, auch was den Arbeitsmarkt und das kulturelle Angebot angeht, liegt Stockholm ganz weit vorne. Kein Wunder also, dass hier auch Subkulturen wie die Tattoo-Szene prächtig gedeihen. Besonders spürbar wird dies Ende August, während des Ink Bashs. Seit 13 Jahren ist diese grandiose Veranstaltung Skandinaviens Tor zur internationalen Welt der Tätowierung, und auch in diesem Jahr war das TM wieder für euch vor Ort!

TM Redakteur Heiko (links), JP (mitte) und Pontifex Maximus OL (rechts) am besten Ort der Welt, der Bank vor dem CALM Bodymodification.
Keinem Tattoo Event hatte ich bisher so entgegen gefiebert wie dem Ink Bash. Schließlich würde ich in Stockholm viele gute Freunde wieder sehen und alles was ich im Vorfeld über die Veranstaltung gehört hatte, ließ darauf schließen, dass mir in Schweden eine großartige Zeit bevorstehen würde. Zu meiner großen Freude flog ich nicht allein, sondern in Begleitung meines gehörnten Stammtischbruders Pontifex Maximus OL, vom Mannheimer Piercing und Bodymodification Studio Trust. Auch Isa und Marcus von der Trust-Family stießen in Stockholm zu uns. Die beiden hatten sich jedoch in einem der teuren Stockholmer Hotels eingebucht (120 € pro Nacht), wohingegen OL und ich bei Freunden, im CALM Bodymodification, in der Hornsgatan 47 untergekommen waren – dem optimalen Standort für den Ink Bash, wie sich noch herausstellen sollte!

Hier seht ihr das Best of Colour. Eine verdiente Anerkennung für die Leistung von Carl, Wicked Tattoo, Molndal, SE
Die Hornsgatan ist nämlich die Hauptstraße von Södermalm, dem Szene-Stadtteil Stockholms, in dem neben vielen Bars und Clubs auch die meisten Tattoo-Studios angesiedelt sind. Unser Quartier war ganze zwei Fußminuten von dem Veranstaltungsort des Ink Bashs, der alten Munchenbryggeriet (Münchner Brauerei), entfernt. Links der Ink Bash, rechts die Metro Station Mariatorget, so ziemlich jeder Convention-Besucher musste auf seinem Weg zur Veranstaltung direkt an uns vorbei. Wir brauchten uns also nur auf der Bank vor dem Laden breit machen und waren schon mittendrin. Da mein Kollege Travelingmic in der Brauerei die Stellung hinter der Kamera hielt, nutzte ich meine Freiheit und studierte die skandinavische Tattoo-Szene auch in freier Wildbahn – von eben dieser Bank aus.

B&G Meisterwerk von Soren Lind, Enter the Dragon, Kopenhagen DK
Die Eindrücke, die sich mir hier boten, waren einfach nur großartig. Im Sekundentakt flogen nicht nur haufenweise bildhübsche Mädels (und das ist noch untertrieben) vorbei, auch nackte Haut, meist großflächig und stets qualitativ hochwertig tätowiert, passierten unsere Bank en mass. Und das obwohl es in Stockholm nur knapp 20° hatte (bei uns waren es in diesen Tagen noch über 30). Ich kam mir vor wie bei einem Tennis Match – Kopf nach links, Kopf nach rechts …

Who's bad? Ein echt »böses« Portrait des King of Pop, mit den Guil Zekri von Reinkarnation in Köln den Best of Saturday abräumte.
Was mir sofort auffiel, war die hohe Dichte an traditionellen Motiven. Old School wohin man auch schaute. Der klassische US amerikanische Stil, dicht gefolgt vom traditionell japanischen, dominierte ganz klar die Hornsgatan. Portraits und Tribals, die auf deutschen Conventions zum gewohnten Erscheinungsbild gehören, sah ich hier so gut wie überhaupt nicht. Ausreißer aus dieser – ich nenn’s mal skandinavischen Tattoo-Norm – fanden sich hauptsächlich bei der jüngeren Generation. Bei den Tattoo-Fans Mitte 20, die in Schweden häufig auch schon auf Armen und Hals mächtig zugehackt sind, erspähte ich auch mal knallig bunte Comic Motive oder abgedrehtes Realistic und Blackwork Zeug.
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Oktober Ausgabe 09 …