Die London Tattoo Convention ähnelt jedes Jahr aufs neue einer Tattoo-Oscar-Verleihung: Jeder möchte dabei sein, stylt sich auf bis zum Geht-Nicht-Mehr, zeigt was er hat und kann, und wer als Tätowierer eingeladen ist, weiß, dass er vorne mit dabei ist. Sollte dann dabei noch eine Trophäe heraus springen, ist die absolute Spitze erreicht! Zum sechsten Mal war diese Convention der Nabel der Tattoo-Welt!
»Wir sind nicht amüsiert«, nörgelt Queen Victoria aus der Nadel des Engländers Leigh von Cosmic Tattoo.
Es gibt einfach kein Drumherumreden: London ist ein Muss! Wenn es einen Event im Jahr gibt, den der internationale Tattoo-Fan auf keinen Fall verpassen darf, dann handelt es sich um diese Veranstaltung, das wahre Hochamt des Tätowierens.
Von persönlichen Präferenzen einmal abgesehen, hat die London Convention die besten Inker und einflussreichsten Persönlichkeiten der weltweiten Szene. Wenn es unter Tätowierern, Händlern, Veranstaltern, Suppliern und Fachjournalisten aus fünf Kontinenten etwas Wichtiges zu besprechen gibt, dann wird das unter höchster Wahrscheinlichkeit am ersten Herbstwochenende über einer Tasse Kaffee im Frühstücksraum des Convention-Hotels erledigt, oder bei Bier und Curry beim Inder um die Ecke in der Brick Lane.
Besucherzahlen rückläufig?
Während der vergangenen Jahre haben sich die Tobacco Docks als ausgezeichnete Location bewährt, da die gläsernen Decken und Wände viel Licht in das Raum-Labyrinth streuen, in denen die Künstler – nach Stilrichtungen sortiert – arbeiten. Während sie nur ebenerdig tätowieren, ist das gewaltige Untergeschoss mit Bars, Restaurants, Konzertbühnen, sowie unzähligen Verkaufsständen und Shops besetzt.
Die Chicano-Welle macht sich bereit über Europa einzubrechen.
Obwohl es morgens und am Samstag- und Sonntagnachmittag
die übliche Besucherschlange am Eingang gab, setzte sich über das Wochenende das Gefühl durch, dass die Besucherzahlen gegenüber den vergangenen beiden Jahren etwas zurück gegangen sind. Solche Eindrücke mögen oft subjektiv sein, zumal auch Ausstellungsfläche und Öffnungszeiten wieder erweitert worden waren, aber es scheint so, dass sich auch in London die Spitzenbesucherzahlen nicht mehr ganz halten können. Dies hatte die angenehme Folge, dass die Anwesenden sich eigentlich nie durch die Gänge zwängen mussten. Die Wartezeiten an Bar und Toilette waren erträglich und es herrschte eine ausgeglichene, immer fröhliche Atmosphäre.
Wie Lady Gaga in Concert
Gute alte Tradition bei englischen Spitzen-Conventions ist es, sich in die teilweise abgefahrensten Kostüme zu zwängen, um so Individualität und Spaß am Leben auszudrücken. Die Menge freut sich über die bizarren Outfits; eine Toleranz, die es auf mehr Conventions weltweit geben sollte. Bereits die bahnbrechenden Dunstable Events in den 1990er Jahren waren für ihre ganz spezielle Besucherschar bekannt.
»Fuck it. Let's go bowling.« Ultracooles Lebowski-Tat des Zwickauers Randy.
Aber England, und speziell London, zieht eben die Extreme an. Sogar unter den Künstlern, wie die gesichtstätowierten Jungs von Xed LeHeads Studio Divine Canvas, zeigten. Tätowierer Woody wechselte seine schrillen Klamotten öfters als Lady Gaga in Concert!
Fans belagern Tattoo-Stars
Die meisten Besucher, die bereits in den Morgenstunden die Eingänge zu den Docks belagerten, strömten direkt in den ersten Raum, in dem üblicherweise die berühmtesten unter allen Hautkünstlern sitzen. Auch in diesem Jahr sammelte sich innerhalb von Minuten eine Menschenmenge rund um den fantastischen Shige von Yellow Blaze, dessen Stand drei Tage lang von Fans belagert wurde. Direkt um die Ecke hatten sich Adrian Lee und Ron Earhart von Analog niedergelassen und tätowierten psychedelische Fraktale, während Oberkubist Bugs, sowie Boris den Gang hinunter, direkt bei den Dotwork-Giganten Jondix und Tas zu finden waren.
Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der November-Ausgabe 2011 …