Wegen der größeren Fläche fühlte es sich nicht voller an als in den vergangenen Jahren, aber während dieser drei besonderen Tage war das riesige Schiff auf alle Fälle von mehr Gästen besucht als sonst. Long Beach in Kalifornien liegt am Pazifik, südlich von Los Angeles, und ist der zweitgrößte Seehafen der Vereinigten Staaten und der zehntgrößte der Welt. Wegen der engen Verbindung zur Schiffsindustrie wird es hier immer Seeleute geben, und wo Matrosen sind, da gibt es normalerweise auch Tattooläden.

Stilvoll bis zum Abwinken: Die festlich beleuchtete Queen Mary.
Natürlich sieht die Szene heute ganz anders aus als in den 50er und 60er Jahren, der Blütezeit der Seemanns-Tattoos. Aber auch heute hat Long Beach immer noch einen beständigen Einfluss auf die Tattoogemeinschaft, sowohl durch das jährlich stattfindende International Iron-N-Ink Festival, als auch durch das älteste, durchgehend bestehende Tattoostudio in den Vereinigten Staaten. 1927 eröffnete ein kleines Studio am 1st Block South of Ocean Boulevard, an der Ecke des damals berühmten »Pike«. Das Pike war ein am Ozean gelegener Vergnügungspark, etwa im selben Stil wie das weltberühmte Coney Island bei New York City. Leute aus allen Gesellschaftsschichten kamen hierher, um eine der hölzernen Achterbahnen auszuprobieren oder ins Salzwasserschwimmbecken des Badehauses einzutauchen, Maiskolben und Popcorn zu essen oder sich manchmal eben auch tätowieren zu lassen. Der Vergnügungspark existierte von 1902 bis 1979, als der Vertrag mit der Stadt auslief. Nun läuft er unter dem Namen »The Pike at Rainbow Harbor« und ist ein modernes Areal mit einer Menge Restaurants, einer Mega-Anlage mit 14 Theatern und einem kleinen Riesenrad als Erinnerung an die Vergangenheit.

Indiana Jones, gestochen von Nikko Hurtado
Bert Grimm ist vielleicht der bekannteste Name im Tattoogeschäft in diesem Teil der Welt. Er führte den Tattoo-Laden im Nu-Pike von den 1950ern bis in die späten 60er Jahre. Die Tätowiererin Kari Barba kaufte im März 2004 den Laden, dessen Wände nun mit alten Tattoozeichnungen, Flash Cards und Photos geschmückt sind, die aus der Zeit stammen, als es die Bezeichnung »Old School Americana« noch gar nicht gab.
So haben wir also einen der ältesten Tattooläden hier in Long Beach, Kalifornien, und wir haben ein jährliches Tattoofest an Bord eines der größten Luxusliner, die je gebaut wurden. Das Festival wächst jedes Jahr und wird als größtes (man bedenke: in Kalifornien bedeutet groß = gut!) der amerikanischen Westküste angesehen. Dieses Jahr sahen wir viele große Namen, ebenso wie Bands, von denen die Organisatoren noch vor ein paar Jahren nur träumen konnten.

Eine wahre Augenweide: Die Teilnehmerinnen des Pin-up Contests
Um nur einige der bekannten Namen zu nennen, die auf einem der drei Decks einen Stand hatten: Robert Hernandez (Tattoo Vittamin) aus Spanien, Shad (Tattoo by Shad) aus Belgien, Uncle Allan (Conspiracy Ink) aus Dänemark, Bugs aus Los Angeles (gerade aus London zurück), Hata (Ink Rat Tattoo) aus Japan, Drew Horner (Living Art Tattoo) aus Schweden, Rick Walters von Realistic Tattoo, Stephane Chaudesaigues (La Bete Humaine) aus Frankreich, Jack Rudy von Tattoo Land, Paul Stottler von True Tattoo und der unglaublich talentierte Dr. Claw a.k.a. Matt Verseput von Psycho City Tattoo. Die Liste umfasste insgesamt ca. 280 Tätowierer aus 30 Staaten und 25 Ländern, die alle während der drei Tage auf dem Ink & Iron Festival beschäftigt waren.
Den vollstendigen Artikel findet ihr in der September Ausgabe 2008 …