
»Ich möchte mein Leben lang Tattoos sammeln« (Lights)
Wie bist du denn zu deinem Künstlernamen gekommen?
Das war lange Zeit mein Spitzname, abgeleitet aus meinem Nachnamen, und ich fühlte mich irgendwie verpflichtet, ihn als Künstlernamen beizubehalten. Ich hab dann ziemlich schnell bemerkt, wie schwer es ist, mit zwei Namen zu leben, insbesondere da meine Musik auch so von meinem Leben beeinflusst ist. Ich wollte mich nicht wie zwei verschiedene Personen fühlen, auf der Bühne und privat, also ließ ich offiziell Lights als meinen Vornamen eintragen. Deshalb werde ich jetzt oft gefragt ob meine Eltern Hippies sind.
Dein Familienname, Poxleitner, klingt ziemlich deutsch. Kommt deine Familie von hier?
Poxleitner ist österreichisch, die Familie meines Großvaters stammt aus einem kleinen Ort namens Poxleiten in der Nähe von Kirchdorf. Meine Oma kommt aus Lengenfeld in Deutschland. Ich hab immer ein bisschen das Gefühl nach Hause zu kommen, wenn ich nach Deutschland oder Österreich reise, das ist irre, es liegt mir im Blut.


Das Wonderwoman Tattoo auf ihrem Rücken wurde vom ersten Tätowierer beinahe verpfuscht – Derek Lewis aus Toronto konnte es noch retten.
Wie würdest du denn deine Musik beschreiben?
Mein neuestes Album »Siberia« würde ich wohl bei Electro-Rock einordnen.
Du hast mal in einem Interview Björk als wichtigen musikalischen Einfluss angegeben. Was ist für dich das Besondere an ihr, gibt es etwas an Björk das du auch gern hättest?
Björk ist ein völlig eigenständiges Genre. Es ist offensichtlich, dass sie uneingeschränkten Einfluss darauf hat wie ihre Musik geschrieben, umgesetzt und aufgenommen wird und sie scheint auch keinerlei Interesse daran zu haben Hits zu schreiben oder Geld mit ihrer Musik zu verdienen. Björk ist Björk, niemand kann so sein wie sie, das finde ich sehr inspirierend. Man muss einfach sein eigenes Ding machen, und das gut, dann kann einem niemand sagen, dass es falsch ist.
| WORD CUP |
Music-Business? Ein Haifischbecken.
Fast Food? Ganz schlechte Idee.
Familie? Die einzigen Menschen auf der Welt.
Schlaf? flüchtig
Schuhe? Stiefel
Religion? Hat nichts mit Glauben zu tun.
Kanada? Groß und schön.
Glück? Nicht so schwer zu finden.
Terence und Philip? Liebenswert
un-kanadisch. |
Wann hast du gemerkt, dass du professionell Musik machen möchtest? Oder war das einfach eine natürliche Entwicklung?
Ich hab eine Menge anderer Sachen ausprobiert, aber die Musik war immer da und ich bin immer wieder bei der Musik gelandet. Ich kann da so viel draus ziehen, sie ist reinigend, emotional. Sie half mir in den schwierigsten Phasen und bescherte mir die schönsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich glaube, ich hatte gar keine andere Wahl als mich kopfüber hinein zu stürzen und zu hoffen, dass es klappt.
Stimmt es, dass du alle Instrumente auf deinen Alben selbst spielst?
Ich kann alles ein bisschen spielen, das reicht für meine Aufnahmen. Auf meinem ersten Album spielte nur ich und der Musiker mit dem ich das schrieb und produzierte. Das beinhaltete Bass, Gitarre, Keyboard, elektronische Drums und sogar Banjo. Ich hab gelernt, wie ich den Sound umsetzen kann, den ich mir vorstelle, aber wenn man noch andere Leute mit ins Boot holt wird das ganze Projekt dadurch um einiges vielfältiger und schöner. Das hab ich zum Beispiel jetzt bei der Zusammenarbeit mit Holy Fuck und Shad auf »Siberia« gemerkt.
Du hast bereits eine umfangreiche Tattoo-Sammlung. Wann und wie hast du angefangen?
Mein erstes Tattoo bekam ich kurz nachdem ich zuhause ausgezogen bin, da war ich gerade 18 und zog auf die andere Seite von Kanada um meiner Musik-Karriere nachzugehen. Es waren Spatzen, die ich mir in einem Walk-in Shop in Toronto stechen ließ, auf meine Hüften. Spatzen können um die ganze Welt reisen und finden immer nach Hause zurück.
Hast du einen Lieblingstätowierer oder sammelst du Tattoos von verschiedenen Künstlern?
Ich war schon bei einigen Tätowierern, aber mein Haupt-Tätowierer ist Derek Lewis von Hartless Tattoos in Toronto. Er hat eines meiner Tattoos gerettet, das beinahe eine Katastrophe geworden wäre als der ursprüngliche Tätowierer es versaute und sich danach aus dem Staub machte. Jetzt ist es eines meiner Lieblings-Tattoos, es ist die Wonderwoman auf meinem Rücken, seitdem gehe ich regelmäßig zu Derek.

Ihre persönliche Entwicklung spiegelt sich in ihren Tätowierungen wider.
Haben deine Tattoos bestimmte Bedeutungen oder lässt du dich auch mal einfach tätowieren, weil dir ein Bild gut gefällt?
Ein Tattoo sollte schon ästhetisch sein, sonst wäre ich wohl nur mit Schriftzügen bedeckt. Aber ich denke, dass man für ein Tattoo auf alle Fälle einen guten Grund haben sollte, es sollte eine Erinnerung an etwas sein, dann wird man es auch nie bereuen.
Was steht denn da auf deinen Unterarmen? Das ist deutsch, oder?
Ja, der Satz auf meinen Unterarmen ist in deutsch; ich hab meine Oma angerufen und wir haben zusammen an der Übersetzung einer Textzeile gearbeitet, die mich sehr inspiriert. Aber es ist schon lange her, dass sie das letzte Mal in Deutschland war und als Resultat sind jetzt zwei Grammatik-Fehler drin! Aber das ist okay, das ist jetzt für mich eine schöne Erinnerung an meine Oma.
Hast du Pläne, was für Tattoos du als nächstes möchtest, oder lässt du das einfach auf dich zukommen?
Ich möchte mein Leben lang Tattoos sammeln. Sie erzählen meine Geschichte. Ich werde mich mit 50 noch tätowieren lassen, ich muss es mir nur ein wenig einteilen, damit ich noch genug Platz habe, wenn ich älter bin.
Was war das schönste Erlebnis, das du mit deinen Tattoos hattest?
Mein Tätowierer hatte speziell für meine Hochzeit etwas gezeichnet, was wir uns gleich beide stechen ließen. Wir haben uns sogar gegenseitig jeweils eine Linie gestochen.
Und hattest du auch schon negative Erlebnisse?
Es gibt immer irgendwelche super-konservativen Menschen die einen sofort nach dem Äußeren beurteilen. Und am Flughafen werde ich beinahe jedes Mal »zufällig« für eine komplette Durchsuchung ausgewählt.
Wie wichtig sind dir deine Tattoos?
Es geht mir weniger darum, wie wichtig sie sind, sondern in welcher Beziehung sie zu meinem Leben stehen. Jedes Tattoo trägt etwas zu mir bei, formt mich mehr zu meiner ganz individuellen Persönlichkeit. Das ist unbezahlbar.