Der Hannoveraner Rapper Daniel Gun hat sich selbst therapiert. Mit Musik, Tattoos und Straight Edge bekam er sein Leben in den Griff. Sein neues Album kommt ohne Beleidigungen aus – echter Rap braucht das nicht, meint Daniel.
»Fuck ya all«, »Life is Pain« und »My Life, My Rules« ist auf Daniels Schädel zu lesen. Er ist es gewohnt, angestarrt zu werden.
TM: Daniel, du sagst ja von dir selbst, dass du dich als Jugendlicher nicht im Griff hattest, sehr aggressiv warst gegen Lehrer und Mitschüler. Woher kam die Wut und diese Aggression?
Daniel: Ich war einfach unzufrieden als Jugendlicher … perspektivlos und angepisst von vielen Menschen.
TM: Du warst auch noch während deiner Ausbildung gewalttätig, gegen einen Lehrer, wie du selbst schreibst. Du bist, wie du offen zugibst, auch vorbestraft. Was hattest du zu der Zeit, als du deine Ausbildung abbrechen musstest, für eine Zukunftsperspektive?
Daniel: Ja, leider bin ich mehrfach vorbestraft. Ich wollte meine Ausbildung eigentlich durchziehen, aber dann hat der Lehrer mich mit einem Schlüsselbund beworfen und ich habe ihn angegriffen. Heute lache ich über diese dummen Taten, aber das alles gehört trotzdem zu mir.
»Ich brauche einfach keine Drogen, Alkohol und Zigaretten … es schmeckt mir nicht und ich hasse es, keine Kontrolle zu haben.«
TM: Irgendwann hast du ja gemerkt, was bei dir schiefläuft und hast an dir gearbeitet. Gab es einen bestimmten Punkt oder ein Ereignis, einen Auslöser, an dem dir klar wurde, dass du dich und dein Verhalten ändern musst?
Daniel: Ich wurde an dem Tag als meine Oma verstarb aufgrund einer unsinnigen Aktion von der Polizei festgenommen und musste zusehen wie meine Mama und Schwester mit Tränen in den Augen zu dem Sterbebett meiner Oma fuhren. Da ist der erste Schalter umgeklappt und ich habe mal über all diese dämlichen Aktionen nachgedacht.