Wohin man nicht segeln kann, muss man rudern! - Flo Mega & the Ruffcats


Flo MegaAls ich Flo Mega anrufe, erwische ich ihn mitten im Touralltag irgendwo auf Deutschlands Straßen. Höflich fragt er, ob er sich erst mal ’ne Kippe drehen darf und legt den Hörer zur Seite, im Hintergrund rauschen Autos vorbei. Warum nicht? Der lässige Soulmusiker aus Bremen pfeift auf Scheuklappen und klingt dabei authentischer als so mancher Artgenosse. Wie er sich fühlt, wenn man ihn als Soulman bezeichnet, was er von Puristen hält und wieso sein neues Album später als geplant in den Läden steht, erfahrt ihr hier.

Fast zeitgleich mit dieser Ausgabe erscheint dein neues Album „Mann Über Bord“, die Veröffentlichung wurde ja verschoben – wie kam es dazu?
Wir haben es einfach noch optimiert, uns mehr Zeit genommen. Ich hätte das schon raushauen können, aber das hätte keinem was gebracht.

Und wie groß ist deine Vorfreude jetzt?
Ach, ich bin entspannt. Ich freu mich einfach. Ins neue Jahr mit einem neuen Album starten – das passt doch.

Im Oktober und November fand ja schon der erste Teil der Tour zum Album statt. Wie lief es denn bisher so?
Das Touren macht Spaß, ist alles ganz geil soweit. Es kommt natürlich darauf an, wo man spielt. Ich habe in Konstanz zum Beispiel in einem leeren Laden gespielt, aber dann waren wir in Berlin und in Frankfurt, dort ging es geil ab. Es ist nicht übermäßig voll, aber das stört nicht, das bin ich gewohnt.

(K)ein Sympathieträger?

Du hast ja bereits neue Songs live gespielt und die EP „Ich Bin Raus“ im November veröffentlicht. Wie waren denn die Reaktionen darauf?
Die waren gut, aber was das Album angeht, warte ich einfach erst mal die Promo ab. Schaue, ob die Leute mein Album annehmen und ob es sich dann verbreitet. Vielleicht wächst dadurch ja auch die Sympathie gegenüber meiner Person, die ja sehr umstritten ist. Schon allein wegen der Ausstrahlung ... (lacht)

Produziert hast du wieder mit Kraans de Lutin; wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Die Texte der neuen Scheibe machen einen noch persönlicheren Eindruck. Wer schreibt die Songs?
Ich habe die Songs alleine geschrieben, aber manchmal schreibt Kraans sie dann nochmal um. Manche Sachen bemerke ich einfach nicht, wenn ich so drin bin, in meinem emotionalen Schreiben, wegen der ganzen Dramatik und so.

Es heißt, besonders der Song „Hinter Dem Burnout“ sei sehr persönlich, da du selbst damit bis vor Kurzem zu kämpfen hattest. Woraus schöpfst du denn in so einer Zeit Kraft?
Ach, jetzt ist ja alles wieder in Ordnung. Ich lass es mir einfach gutgehen. Mache zum Beispiel Sauna, gehe schwimmen und lass mir ein bisschen die Seele streicheln.

Wir bringen öfter auch News aus der Nor-thern-Soul-Szene, deren Anhänger mit deutschsprachiger Soulmusik wie du sie machst sicher nicht viel anfangen Flo Megakönnen. Wie hältst du es mit der Soul-Szene? Machst du dir da ’nen Kopf drüber?
Nee, überhaupt nicht. Ich komm aus der Hip-Hop-Szene und weiß, wie Puristen drauf sind. Klar, es gibt da auch coole Socken drunter, viele meiner Freunde sind Puristen. Ich glaub, ich war selbst mal einer. Aber ich steh einfach nicht mehr drauf. Kritik aus der Ecke kümmert mich nicht.

Du hast früher Hip-Hop gemacht; man sagt, das hätte für dich aber den Reiz verloren, sodass du dich auf deine Wurzeln, den Soul, besonnen und darin dann Erfüllung gefunden hast. Wie war das, wo kamst du mit Soul in Berührung?

Ganz klassisch: Mein Vater hat Nor-thern Soul gehört. Und im Hip-Hop wurde auch viel Soul gesamplet. Ich komm noch aus der Zeit, wo eben gesamplet wurde. Wenn du da ʼne geile Platte hattest, warst du da auch echt stolz drauf. Da gab es noch kein Internet, wo sich die Sachen so schnell verbreitet haben und jeder gleich auf allem rumhacken konnte. Da war es noch viel wunderbarer, einen Sound für sich zu entdecken.

Ist es nur ein Zufall, dass bei deinen neuen Songs die Hip-Hop-Künstler Sammy Deluxe und Chakuza gefeatured werden oder spielst du bewusst mit deren Stilrichtungen?
Mein Vibe und meine Sympathie liegen noch ganz klar beim Hip-Hop. Sammy hat sein Studio auf dem Land und da häng ich gerne ab. Es ist ja auch einfach so: Du triffst Leute und hast Bock, was mit denen zu machen. Da geht’s dir nicht ums Genre, sondern rein um die Sympathie.

Dein Sound klingt sehr authentisch, er erinnert an die Musik von damals und ist dennoch völlig neu. Hast du denn musikalische Vorbilder, nach denen du dich richtest?
Nicht mehr so wirklich, ich höre ganz viel durcheinander. Ich höre auch echt Sachen, die kein Schwein ertragen kann.

Zum Beispiel?
Na, das Mahavishnu Orchestra oder so. Ich höre alles Mögliche, aber Vorbilder im Soul? Da sind’s dann eher die, die nicht so perfekt sind. Leute, die wirklich was in der Stimme transportieren, zum Beispiel Schwäche, und trotzdem weitermachen. Die Frage ist doch: Wie stark ist schwach?

Sind das die Fragen, die dich für deine eigene Musik inspirieren?
Auf jeden Fall. Ich meine, ich bin selbst kein guter Sänger, aber ich habe viele Emotionen und darum geht’s.


 
Flo MegaAlles, nur kein Soulman

Man liest immer wieder, du seist ein richtiger „Soulman“. Was hältst du von solchen Titulierungen?
Ach, die Leute, die das sagen, denken an einen „Soulman“ und haben da ein bestimmtes Bild im Kopf: Die sehen einen James Brown rumhampelnd vor sich und sagen dann so was. Ich mag das nicht … Also da fehlt mir bei den Leuten dann schon ein bisschen Purismus, und vor allem auch Knowledge. Wenn denen nichts anderes einfällt, sollen sie lieber nichts sagen.

Ich habe gehört, richtig angefangen hat alles, als du den Bandleader der Ruffcats, Uwe Breunig, getroffen hast. Wie habt ihr gemerkt, dass es mit dir und der Band was werden könnte?
Ich war zu dieser Zeit noch echt frisch, hatte wohl ’nen innovativen Sound. Zu der Zeit war der noch nicht so inflationär. Die haben mich tierisch gefeiert, ich hab die gefeiert. Und vor allem wollt ich endlich mal richtig anfangen und mit einer guten Band arbeiten. Ich habe die Fahrt zu den Ruffcats nach Berlin als richtungsweisend empfunden, der Horizont ist seitdem ein anderer.

Sieht aus, als wärst du da auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Was hast du denn vor der Musik gemacht? Gab es einen Plan B oder war dir klar, früher oder später machst du nur Musik?
Ich hatte nie einen Plan. Ich bin immer einem inneren Ruf gefolgt und wenn der unkonventionell war, dann war mir das egal. Ich hab mich immer ziehen lassen, bin ein Beobachter, ein Läufer, Sitzer und Gucker – von mir aus einer, der das Leben studiert.

Ehrliches Herzblut

2011 kam dein erstes Studioalbum „Die Wirklich Wahren Dinge“ raus. Was hat sich für dich in der Zeit musikalisch verändert, wie unterscheiden sich die beiden Platten aus deiner Sicht?
Ich bin jetzt mehr bei mir, ich bin ehrlicher geworden und schrei nicht mehr so viel rum. Die Ruffcats und ich haben mittlerweile Routine und wir haben uns echt gut entwickelt. Außerdem haben wir dazugelernt und lassen uns jetzt mehr Zeit. Für mich bedeutet das, ich habe meinen Stil verfeinert. „Mann Über Bord“ hat einfach viel Herzblut, weil die Zeit sehr dramatisch war, in der es entstanden ist, als zuerst noch auf der Kippe stand, ob ich es überhaupt fertigbringe. Da steckt viel ehrliches Blut drin.

Gib uns doch zu guter Letzt einen Vorgeschmack auf dein neues Album: Hast du unter den Tracks einen persönlichen Liebling?
Der Titeltrack „Mann Über Bord“ ist cool, der ist schon so ein bisschen krautrockig. Inspiriert hat mich die nordische Region, aus der ich komme. Krautrock und Ostfriesland passen echt super zusammen.

Du spielst als Bremerjung also gern mit deiner Herkunft?
Ja, voll. Ich bin wirklich ein weltoffener Mensch, aber ich steh total auf meine Heimat. Die Gegend erfüllt mich.
 

www.flomega.de


Text: Jula Reichard
Bilder: Robert Winter, Benya Weller (live)




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Text: Jula Reichard Bilder: Robert Winter, Benya Weller (live)
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musik ska und soul

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