Im Interview mit Kenny Wayne Shepherd


Wer im Alter von gerade mal 7 Lenzen in Eigenregie das Gitarrespielen lernt, mit 13 von Stevie Ray Vaughan den Weg zur Karriere als Bluesgitarrist geebnet bekommt und mit Erreichen der Volljährigkeit schon sein erstes Full-Length-Release über ein Majorlabel vorweisen kann, kann der überhaupt noch anders als seine musikalische Leidenschaft zum Beruf zu machen!?

Kenny Wayne ShepherdNach acht Alben in der Vergangenheit, legt Kenny Wayne Shepherd im Mai sein neuntes Solowerk in die Ladenregale. Auf "Goin' Home" besinnt er sich auf seine musikalischen Wurzeln. Nicht nur der Titel verrät das, auch, dass er ein Album vollgepackt mit Coverversionen von Songs seiner eigenen Idole herausbringt, ist ein mehr als offensichtlicher Hinweis darauf.

Im Vorfeld der Veröffentlichung am 02.05.2014 hat Rock'n'Road mit dem fünffach grammynominierten Bluesrocker über sein neues Album "Goin' Home" und die darauffolgende Europatour gesprochen:

RNR: Wie geht's Dir?

Kenny: Gut. Und selbst?

RNR: Danke der Nachfrage. Ich kann nicht klagen.

Kenny: Sehr schön.

RNR: Ja, nicht wahr!? Hör mal, Du veröffentlichst ja Anfang Mai dein nächstes Album, "Goin' Home". Darauf sind ja im Grunde genommen Bluescovers zu hören, von Songs, die dich in der Vergangenheit inspiriert haben. Wie kam's dazu?

Kenny: Ich hatte irgendwie das Gefühl, es wäre mal wieder an der Zeit für mich, ein klassiches Bluesalbum zu machen. Ich glaube, auch meine Fans freuen sich, nach dem Letzten, "10 Days Out" von 2007, mal wieder ein straightes, taditionelles Bluesalbum von mir zu hören. Naja, und wenn ich Alben mache, möchte ich, dass jedes etwas ganz eigenes hat. Und bei diesem Album dachte ich, es wäre doch eine gute Idee, zurückzugehen zu der Musik, die mich seit frühester Kindheit an beeinflusst hat.

Also, im Grunde, da hast Du recht, sind es schlicht Coversongs. Aber ich habe die Songs sehr bewusst gewählt, Songs die nicht die unmittelbarste Wahl sind. Deshalb ist es zwar ein Coveralbum, aber es klingt eben nicht unbedingt wie ein Bluescoveralbum, weil es nicht mit den offensichtlichsten und bekanntesten Songs vollgepackt ist. Ich glaube, der mainstreamigste Song, den wir mit drauf genommen haben, ist "Born Under A Bad Sign". Und selbst den wollte ich ursprünglich sogar nochmal verwerfen.

Kenny Wayne Shepherd BandRNR: Warum hat er's nun aber doch auf's Album geschafft?

Kenny: Nun, als klar war, dass Keb’ Mo’ genau bei diesem Song als Sänger und Gitarrist gefeatured würde und so einen großartigen Job dabei gemacht hat, konnte ich gar nicht mehr anders, als den Song doch noch auf's Album zu packen.

RNR: Könnte man also schon sagen, dass das Album eine Hommage an deine Idole ist, oder!?

Kenny: Ja, es ist definitiv ein Tribute-Album. Ich zolle damit den Musikern Respekt, die mich inspiriert haben, überhaupt mit der Musik anzufangen. Es ist ein bisschen, als würde ich den Soundtrack meiner eigenen Kindheit nochmal nachspielen.

Es war wie eine reflektierende Reise für mich, als ich die Diskografien all dieser Musiker durchsucht habe, um die richtigen Songs für dieses Album zu finden. Das hat mich wirklich in meine Kindheitstage zurückversetzt.

Und während ich durch all diese Songs gegangen bin, hatte ich so viele lebhafte Erinnerungen, dass ich irgendwann dachte: "Hey, der beste Ort, um dieses Album aufzunehmen, ist in meiner Heimatstadt, in der ich aufgewachsen bin und wo ich all diese Erfahrungen ja gemacht habe". Also sind wir zurück nach Shreveport in Louisiana gefahren, um diese Platte zu machen.

RNR: Hatten dann diese aufkommenden Erinnerungen während der Songauswahl irgendwie auch ihren ganz eigenen Einfluss auf die Aufnahmen? 

Kenny: Ja, ich glaube schon. Und auch, dass ich in meiner Heimatstadt recorded habe, hat da sicher auch seinen Beitrag zu der Energie des Albums geleistet. Weißt Du, ich war umgeben von Familie und Freunden, war zurück in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin und diese Art von Musik kennen und lieben gelernt habe, wo ich das Gitarrespielen gelernt habe. Ich glaube, diese Freude kann man auf jeden Fall auf der Platte hören. Das alles macht den Sound dieses Album aus.

Goin Home Cover (VÖ: 02.05.2014)RNR: Ok. Und warum gerade jetzt? Was war der Anlass, dieses Album gerade zum jetzigen Zeitpunkt rauszubringen?

Kenny: Ehrlich gesagt, hätte es schon letztes Jahr erscheinen sollen. Aufgenommen hatte ich es da schon. Aber dann war ich mit meiner neuen Band, THE RIDES, im Studio und habe mit Barry Goldberg und Stephen Stills ein Album aufgenommen, dass dann eben 2013 raus kam. Deshalb habe ich "Goin' Home" bis dieses Jahr zurückgehalten.

Aber! Irgendwie habe ich das Gefühl, das Timing für so ein klassisches Bluesalbum ist schon genau richtig jetzt. Und während das jetzt gerade alles anläuft, arbeite ich auch schon wieder an neuen Stücken. Das nächste wird also wieder aus Eigenkompositionen bestehen. Ich mag es, auf jedem Album etwas anderes zu machen.

RNR: Und was unterscheidet "Goin' Home" von deinen bisherigen Veröffentlichungen? 

Kenny: Naja, zum einen ist es das erste Mal, dass ich in meiner Heimatstadt aufgenommen habe. Dann sind einige fantastische Jazzmusiker darauf gefeatured, wie Ringo Starr, Keb’ Mo’, Warren Haynes, usw. Und auch die Art, wie wir das Album eingespielt haben, ist sehr old-fashioned: wir haben alles live im Studio aufgenommen, in gemeinsamen Sessions im gleichen Raum. Da war nichts mit Autotune oder Clicktracks oder sonstiger moderner Technik.

RNR: War bestimmt aufwendig, oder!?

Kenny: Ach, weißt Du, ich habe ja mit erfahrenen und sehr guten Musikern zusammengespielt. Wir versuchen eigentlich auch bei all meinen Alben so viel wie möglich live aufzunehmen. Aber heutzutage benutzt jeder ProTools und es gibt einfach bestimmte Technikstandards, die heute nicht mehr wegzudenken ist, aber auf dieser Platte wurde nichts davon verwendet.

Genau, wie bei meinem allerersten Album. Als ich das aufgenommen habe, gab es ProTools noch nicht einmal. Ich habe also ein wenig Erfahrung damit, so aufzunehmen. Aber es war toll, es mal wieder so zu machen.

RNR: Gibt es auf "Goin' Home" einen oder mehrere Songs, die dir besonders wichtig waren, dass sie darauf vertreten sind?

Kenny Wayne ShepherdKenny: Yeah, für mich es großartig, den Magic-Sam-Song "Everything's Gonna Be Alright" zu machen. Ich wollte schon immer einen Magic-Sam-Song recorden, und gerade diesen Song liebe ich wirklich. Darüber bin ich wirklich glücklich, dass er auf der Platte ist. Und über "Done Lost Your Good Thing Now" von B.B. King freue ich mich auch.

Denn ich hatte seit meinem ersten Album keinen richtig langsamen Bluessong mehr aufgenommen. Ich weiß, dass auch meine Fans auf so einen schon lange gewartet haben. Ja, diese beiden Songs, darüber bin ich echt froh, sie auf dem Album zu haben.

RNR: Du gehst ja eigentlich direkt nach dem Release auf Europatour. Freust Du dich darauf? 

Kenny:
 Absolut, ja! Sehr sogar. Wir haben in der Vergangenheit wirklich viel versucht, um öfter nach Europa zu kommen und dieses Jahr klappt es endlich. Und wenn alles klappt, können wir sogar noch während der laufenden Tour eine weitere für dort ankündigen.

RNR: Gibt es einen Unterschied zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Publikum?

Kenny: Ach, weißt Du, im Endeffekt ist es doch so, dass es Leute sind, die Musik lieben. Darauf kommt es doch an. Und es fühlt sich einfach immer gut an, wenn du ein Publikum hast, das toll auf dich und deine Musik reagiert.

RNR:
 Ja, dann....würde ich sagen, ich danke dir, dass Du dir die Zeit genommen hast für unser Gespräch! Ich wünsche dir viel Spaß auf der Tour und viel Erfolg mit dem neuen Album! 

Kenny: Kein Problem. Ich danke dir! 



Die Europatour-Dates:
06.05.        Hamburg, Fabrik
07.05.        Worpswede, Music Hall
08.05.        Berlin, Kesselhaus
09.05.        Dresden, Tante Ju
11.05.        München, Backstage
12.05.        Frankfurt, Batschkapp
13.05.        Nürnberg, Hirsch
14.05.        Karlsruhe, Tollhaus
15.05.        Köln, Kantine
17.05.        Winterbach, Lehnbachhalle



Text & Interview: JF
Bilder: ©Mark Seliger




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03.04.2014
Text & Interview: JF Bilder: ©Mark Seliger
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