Vier Abende im April, vier Läden in allen Himmelsrichtungen und vier Bands in bester Verfassung. Das sind die Eckdaten unserer Tour, an deren Ende der Gewinner unseres diesjährigen Bandcontests gekürt wurde. Nur wenige Tage vor dem Auftakt sagten Tom Twist ihre Teilnahme aus privaten Gründen ab, mit Smart Jekyll and the Hydes stand allerdings ein würdiger Nachrücker in den Startlöchern ...
13. April, Kreativfabrik, Wiesbaden
Im letzten Jahr startete unsere Tour am ersten April, dieses Jahr war es Freitag der dreizehnte. Zufall oder doch höhere Fügung? Wir wissen es nicht. Da unsere vier Bands keine Neulinge auf den Bühnen dieser Welt sind und auch die Kreativfabrik in Wiesbaden als lokaler Veranstalter mittlerweile ein routinierter Haufen ist, lief aber alles nach Plan, bis um 20:00 Uhr die Türen geöffnet wurden. So blieb den Bands vor dem Gig noch Zeit, um sich, die lokale Bierkultur und das DYNAMITE-Team kennenzulernen.

Auch 2012 wurde die Reihenfolge der Kappellen auf der Bühne ausgelost, den Anfang machten die Ray Cats aus Thüringen. Die drei haben sich zwar erst 2010 zusammengefunden, spielten aber zuvor bereits in zahlreichen Projekten. Das zahlte sich auch in der Kreativfabrik aus, als sie das Publikum als eingespieltes, klassisches Rockabilly-Trio mit Stand-up-Drums warmspielten. Mit Racker Jax aus dem Ruhrpott als zweiter Kapelle bekam das Publikum bereits eine musikalische und stilistische Abwechslung: Gekonnt zelebrierten sie ihre außergewöhnliche Mischung aus Psychobilly, Punk und Ska, sodass an diesem Abend auch der Offbeat seine Zeit fand. Und Zeit ist an einem Abend mit Live-Bands immer ein knappes, klar aufgeteiltes Gut: Nur 30 Minuten hatte jede Band, um das Publikum von sich zu überzeugen. Cowboy Bob & Trailer Trash versuchten dies mit ihrer Spielart des Country. Auch hier wurde dem Publikum gezeigt, dass es nicht nur Bass, Gitarre und Drums in einer Band geben kann. Sergio trug mit seiner Pedal-Steel bereichernd zum Sound der Jenaer Band bei, die auch rein optisch einer verruchten Honky-Tonk-Bar aus dem amerikanischen Hinterland entsprungen sein könnte. …
www.kreativfabrik-wiesbaden.de
14. April, Club Vaudeville, Lindau
Während die Wiesbadener Besucher sich in heimischen Betten vom Rocken und Rollen der Nacht erholen konnten, hieß es für unsere Musiker „hit the road!“ – und im Gegensatz zu den Großen des Business haben es unsere Tour-Bands bislang leider nicht geschafft, sich mit ihren Gigs einen luxuriösen Nightliner samt Chauffeur, Massagesesseln und Pool zu erspielen, sondern mussten selbst ans Steuer. „Do it yourself“ hätte der Untertitel unserer Tour lauten können – wenn sie denn einen gebraucht hätte. Rund 400 Kilometer lagen vor unseren Musikern und dem Filmteam des Huber Verlags, das die Tour dokumentieren und Filmmaterial von Szenen sammeln sollte, an die sich sonst niemand mehr erinnert hätte – selbst die Beteiligten.

In Lindau angekommen, musste Tourmanager Helge als Mädchen für alles erst mal in der Jugendherberge die Schlafstätten der ganzen Truppe herrichten und testen, ob alles für die Nacht nach dem Konzert in bester Ordnung ist. Im Club lief dann alles mit der Routine und dem Kater des Vortags. Den Club Vaudeville gibt es bereits seit 1977, seitdem stellt der ehrenamtlich arbeitende Verein neben anderen Veranstaltungen rund 70 Konzerte im Jahr auf die Beine. Klar, dass ein Abend mit vier Rock’n’Roll-Kappellen für die Macher kein organisatorisches Problem darstellt. Allein der erhöhte Bierkonsum stieß auf erstaunte Zweifel, Tourmanager Helge musste alle 30 Minuten einen neuen Kasten ins Backstage karren, um die durstigen Artisten zufrieden zu stellen, und ließ es sich nicht nehmen, die Qualität der regional ansässigen, ersten klimaneutralen Brauerei Deutschlands auch selbst zu testen ...
www.vaudeville.de
Den kompletten Tourbericht und das Gewinnerinterview findet ihr in der DYNAMITE 04/12.Text: Doug Hennig, Michael Niehage, Tilmann ZiegenhainBilder: Ines Reuter, Doug Hennig, Helge Forler