Bloodlights: Captain Poon im Gespräch


2005 entschied die Band Gluecifer überraschenderweise sich aufzulösen. Dennoch verkündete Captain Poon, seines Zeichens Gitarrist der Band, relativ zügig, dass er mit einem neuen Projekt zurückkehren würde: Nur ein Jahr später rief er die BLOODLIGHTS ins Leben. 2013 sind wir nun bei deren mittlerweile drittem Full-Length-Release angekommen. Ab 17. Mai ist "Stand Or Die" im Handel erhältlich. Rock'n'Road sprach im Vorfeld mit dem Captain himself:

RNR: Stimmt es, dass "Stand Or Die" eigentlich schon komplett fertig war, du aber alle Songs wieder verworfen und von vorn angefangen hast?

BloodlightsCaptain Poon: Ja, das stimmt. (lacht) Ich hatte plötzlich irgendwie ein schlechtes Gefühl dabei. Es klang, als wüssten wir selber nicht, wer wir eigentlich sind. Das Album war zu soft und es fühlte sich einfach nicht richtig an, weißt du was ich mein'?

Es ist natürlich schon traurig, wenn man sich selber eingestehen muss "Oh, fuck. Das geht so nicht." Wir haben über ein Jahr an dem Album gearbeitet und mussten dann alles in die Tonne treten. Aber manchmal muss man eben schwere Entscheidungen treffen und oft sind die neuen Sachen, die daraus entstehen, einfach viel besser.

Ich bin einfach mal so viel glücklicher mit dem Album, das wir jetzt auch tatsächlich releasen, als mit dem, das wir verworfen haben. Von daher ... alles gut!

RNR: Das heißt, du hast auch keinen der Songs aufgehoben, um noch mal daran zu arbeiten oder ihn eventuell doch noch zu veröffentlichen?

Captain Poon: Nicht wirklich, nein. Alles oder nichts. (lacht)

Stand Or Die heißt das neue Album RNR: Ok, und wenn du wählen müsstest: Wäre es dir wichtiger, dass du selbst mit deiner Musik zufrieden bist oder wärst du auch bereit, Sachen zu veröffentlichen, die dir selbst nicht, aber den Fans gefallen?

Captain Poon: Weißt du, ich geh nicht gerne Kompromisse ein. Und wenn man etwas macht, nur wegen potentieller Fans, wird man ohnehin scheitern. Zumindest, wenn man nicht gerade Popsongs für Britney Spears schreibt. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wenn du aber in einer Band spielst und die Leute erreichen möchtest, etwas Gutes abliefern willst, dann ist es glaube ich wirklich wichtig, dass man 100% zu sich selbst steht. Um jeden Preis.

Und im Fall mit der verworfenen CD war genau das das Problem. Ich konnte zwar durchaus hinter den Songs stehen, aber ich dachte: Wenn man sich als energiegeladene Rock'n'Roll- oder Punkband oder was auch immer präsentieren will, dann passen diese Songs einfach nicht dazu. Die Kombination ging einfach nicht klar. Es funktionierte nicht. Die Songs mussten einfach verschwinden.

RNR: Was ist denn der Hauptunterschied zwischen den Songs, die jetzt auf dem Album sind und denen, die ihr weggelassen habt?

Captain Poon: Das Album ist einfach härter. Es ist einfach härter und aggressiver. Es hat mehr Kanten und mehr Attitude. Ja, ich denke, das ist es: mehr Attitude und Kanten. Das sind wohl die beiden Sachen, von denen diese Songs einfach so viel mehr haben, als die anderen.

RNR: Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf "Stand Or Die" und wenn ja, welchen?

Captain Poon: Das eigentlich Geile ist, dass ich sogar mehr als nur einen Lieblingssong habe! Ich würde aber am ehesten sagen: "Arms Around It", "10 Times" und "Roll With Me". Das sind so meine absoluten Favorites.

Stand Or Die kommt am 17. Mai in den HandelRNR: Aha, und warum genau die? Was macht gerade diese Songs so besonders für dich?

Captain Poon: Na ja, was sie besonders macht ist unter anderem die Tatsache, dass unser neuer Bassist (Chris Banjo, Anm. d. Red.) daran mitgearbeitet hat. Er kam zu uns, als wir gerade mit den Aufnahmen des Albums anfingen und er hat direkt eigene Ideen beigesteuert. Und bei "10 Times" und "Roll With Me" hat er sich eben am meisten mit eingebracht.

Für mich war das einfach irgendwie eine geile Sache, von jemand anderem Input zu kriegen und das in die Band einfließen zu lassen, und dass daraus dann noch großartige Songs entstehen.

RNR: Der Titel vom neuen Album ist "Stand Or Die". Das klingt schon viel ... nun ja, aggressiver oder provokanter als "Simple Pleasures". Was ist der Gedanke oder die Botschaft hinter dem Namen "Stand Or Die"?

Captain Poon: Das Ironische an der ganzen Sache ist, dass wir den Albumtitel schon hatten, bevor wir die Songs fertig hatten, die wir nachher verworfen haben. Der Titel war "Stand Or Die" und als ich dann die Songs anhörte, dachte ich nur: "Das ist nich das 'Stand Or Die'-Album. Wir müssen ein neues Album aufnehmen, das dann auch wirklich 'Stand Or Die' ist."

Und die Bedeutung ... im Grunde steht er für das Überleben und in diesem Fall könnte er kaum besser auf uns als Band zutreffen. Viele andere Bands hätten unter diesen Bedingungen aufgegeben, du weißt schon, dass du machst und tust und am Ende will's einfach nichts werden. Du fühlst dich einfach scheiße.

Aber im Fall des Titels haben wir uns irgendwie durchgebissen. Wir haben uns durchgekämpft und eine Platte daraus gemacht. Was das angeht, ist "Stand Or Die" ein sehr passender Titel.

RNR: Ist das immer deine Herangehensweise an den kreativen Prozess, das Schreiben und Komponieren? Dass du zuerst einen Arbeitstitel oder direkt den TItel überlegst für einen Song oder das Album und dann den Rest so schreibst, dass er dazu passt?

Captain Poon: Ich glaube, der Titel stand deshalb sehr früh fest, weil er genau das wiedergibt, wie ich zu den Dingen stehe. Zu meiner Karriere und irgendwie zu meinem Leben insgesamt. Es passiert nicht oft, dass man den Titel vor den Songs fertig hat. Diesmal war es bei mir aber so und ich denke, der Titel hat das Album irgendwie hingeführt zu allem, was es ausmacht.

Aber eigentlich funktioniert es nicht so herum. Der Albumtitel kommt eigentlich erst in den letzten Schritten des ganzen Prozesses zur Sprache. So auf die Art "Fuck, wir brauchen ja auch noch einen Namen für die Platte". In dem Fall war es jetzt anders herum. Also muss ich im Grunde dem Titel dankbar sein.

RNR: Für die Aufnahmen eures letzten Albums, "Simple Pleasures", seid ihr damals nach Berlin gekommen. Wo habt ihr "Stand Or Die" aufgenommen?

Captain Poon: Dafür sind wir zurück nach Skandinavien. Nach Oslo. Und aufgenommen haben wir es bei dem Typen, der damals der Drummer bei Gluecifer war. Ich wusste ja, dass er ein eigenes Studio hat und ich kenne seine musikalische Vorgeschichte und seine Herangehensweise an Musik und all das, und so dachte ich, mit den Songs könnte es richtig gut sein, zu ihm zu gehen und aufzunehmen.

Also sind wir zu ihm, haben dort aufgenommen und dabei gar nicht viel Zeit mit Firlefanz verbracht. Er hat das dann gemischt und wir haben's ganz genau so gekriegt, wie wir es wollten. Es war ein sehr müheloser und geschmeidiger Prozess. Das aber eben auch der einzige Teil, der einfach war. Alles davor war ziemlich schwer und anstrengend. (lacht)

Bloodlights kommen auch auf Tour - mehr dazu bald!RNR: Ja, offensichtlich. Ich meine, wenn ihr ein komplettes Album neu schreiben und komponieren müsst, das ist schon jede Menge Arbeit ...

Captain Poon: Eine Menge Arbeit und du kommst unglaublich oft an einen Punkt, an dem Du dir denkst: Ich schmeiß' hin, ich will das nicht mehr!

RNR: Was ist denn der ... ich weiß auch nicht ... interessanteste oder spaßigste Teil: der Entstehungsprozess mit all dem Texten und Komponieren, das Aufnehmen oder das Touren hinterher?

Captain Poon: Ich glaube, es gibt zwei Dinge, die die Band am Leben halten: Das ist zum einen tatsächlich das Proben, das Ausprobieren, Ideen sammeln und zu sehen, wie alle gemeinsam daran arbeiten, das Ding in die richtige Richtung zu lenken. Man sitzt einfach mit einer kleinen Idee zu Hause rum und kommt in den Proberaum und die Jungs wissen sofort, was man meint, greifen es auf und es entsteht etwas. Das ist schon ein mächtiger Kick!

Wenn das nicht wäre, hätte ich das alles gar nicht machen können, denn alles hätte sich irgendwie total bedeutungslos angefühlt.

Der nächste Schritt ist dann zu sehen, wie die Leute draußen, in der "echten Welt" darauf regieren. Das ist genau so aufregend.

Und das sind die beiden Dinge. Wie gesagt: Wenn man mit einer Idee in den Proberaum kommt und wenn man das Ergebnis den Leuten live präsentiert, das sind die beiden wichtigsten Sachen.

Und ich glaube niemandem, der sagt, dass er nur in einer Band ist, um Frauen zu kriegen und sich zu besaufen. Wenn das der Grund für ihn ist, dann ist derjenige einfach nur dumm. (lacht)

RNR: Wo wir gerade beim Entstehungsprozess sind - wie gehst du einen neuen Song an? Hast du zuerst die Musik und schreibst dann die Lyrics oder schreibst du eher Textideen oder Songtexte auf und komponierst dann quasi die Musik darum herum?

Captain Poon: Eigentlich ist es eine Mischung aus beidem. Als ich Songs für Gluecifer geschrieben habe, war das natürlich so: Du hattest die Gitarrenriffs und hast nach etwas Passendem gesucht, das man dazu singen könnte. Im Grunde war es wirklich mehr so, dass man sich mit der Gitarre hingesetzt hat und das war's dann.

Jetzt ist das anders. Es gibt so viele Wörter und Sätze und so weiter, die ich zusammensetzen und dann irgendwie einen Song daraus konstruieren kann. Es ist wohl ein bisschen was von beidem, würde ich sagen.

RNR: Habt ihr eine Tour geplant? Wisst ihr schon, wo's hingehen wird?

Bloodlights Logo Captain Poon: Haben wir. Wir werden ab Juni auf Tour gehen, wahrscheinlich auch direkt auf dieser Tour durch Deutschland kommen. Im Sommer spielen wir dann vor allem Festivals, ein bisschen hier, ein bisschen da und gegen Ende September gehen wir noch mal auf Tour. Wir werden versuchen so lange zu touren, wie wir Auftrittsmöglichkeiten haben und Städte, die uns da haben wollen.

RNR: Habt ihr vor, wieder nach Japan zu gehen oder vielleicht in die USA?

Captain Poon: Wir haben eigentlich sowieso noch gar keine konkreten Pläne. Natürlich Interesse, das schon. Und es gibt auch Leute, die uns fragen, wann wir denn - vor allem - endlich mal in die USA kommen. Aber das ist auch eine logistische Frage.

Du brauchst die richtigen Leute um dich herum, die für dich arbeiten. Wenn du die nicht hast, brauchst Du jede Menge Geld und musst viel selber aufwenden, und in dieser Situation befinden wir uns einfach nicht. Wir brauchen also definitiv eine gute Booking-Agentur und ein gutes Label, um das auf die Beine gestellt zu kriegen.

Obwohl wir mittlerweile Anfragen aus zehn verschiedenen Städten haben, reicht das alles einfach noch nicht aus, um hinzufliegen. Ich möchte aber wirklich gerne. Ich war lange nicht mehr in den Staaten. Es ist großartig dort zu touren und macht jede Menge Spaß.

RNR: Irgendwelche abschließenden Worte oder irgendetwas, was du noch gerne loswerden möchtest?

Captain Poon: Nein, nicht wirklich, ich denke, es ist alles gesagt.


In diesem Sinne bedanken wir uns bei Captain Poon, dass er sich die Zeit genommen hat, mit uns zu sprechen! Wir freuen uns auf das kommende Album, "Stand Or Die", das am 17. Mai in den Handel kommt und natürlich auf die bevorstehende Tour!

Rock on!



Text: RNR
Bilder: © PLY Rec. / Bloodlights




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24.04.2013
Text: RNR Bilder: © PLY Rec. / Bloodlights
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Stand:26 August 2016 05:07:38