Wölfersheim dürfte den meisten Lesern kein Begriff sein, genauso wie die wenigsten mit dem Wort Bembel heute noch was anzufangen wissen. Warum man die 40 km nördlich von Frankfurt in der Wetterau liegende Stadt rot auf der Landkarte markieren sollte und was das Ganze mit dem Bembel zu tun hat – der im Übrigen nichts anderes als ein mit Apfelwein, dem hessischen Nationalgetränk, gefüllter Tonkrug ist –, haben wir im Gespräch mit Henric, dem Frontmann von Heinrich XIII and the Devilgrass Pickers, geklärt. DYNAMITE: Rein äußerlich betrachtet erfüllt ihr nicht unbedingt das Klischee der typischen Countryband mit Cowboyhut und Westernboots, sondern wirkt doch eher wie eine Metalband. Gibt’s dafür einen Grund?
Henric: Country hab ich schon als Kind gerne gehört. Hank Williams, Johnny Cash, Willie Nelson und sogar Truck Stop waren meine Helden. Im jugendlichen Alter ging’s dann mit Metal weiter, bis ich 1996 meine eigene und bis heute existierende Metalband Escalationunit Chaos Engine gegründet habe. So ab circa 2001 wurde Metal allerdings ziemlich langweilig für mich, da der ganze weinerliche Metalcoregesang Einzug gehalten hat. Also hab ich mich wieder zurück Richtung Country orientiert und Künstler wie David Allan Coe, George Jones und Jimmie Martin für mich entdeckt. Country zu hören war zu der Zeit ziemlich rebellisch. Um mich herum gab es nur Metal und Techno und ich fasste damals schon den Entschluss, bis spätestens zu meinem 50. Lebensjahr in meiner eigenen Countryband zu spielen. 2006 wurde Hank Williams III die Initialzündung für mich, denn ich erkannte, dass ich nicht alt und grau sein musste, um meine Country-Songs zu spielen. Bis 2008 hatte ich schon so viel Songs zusammengeschrieben, dass man ein ganzes Album damit hätte aufnehmen können, nur fehlte noch die Band dazu. Was lag also näher, als meine Jungs von der Metalband zu fragen, ob sie sich vorstellen könnten, mit mir in einer Countryband zu spielen. Von Beginn an war klar, dass da mehr Dampf als bei einer normalen Countryband dahinterstecken würde – das Problem bestand nur darin, dass keiner von uns eines der typischen Countryinstrumente beherrschte, die zudem auch erst mal angeschafft werden mussten.
Eigene Konzertreihe
DYNAMITE: Anfang 2009 ist eure erste Promo-CD erschienen, die komplett in Eigenregie entstanden ist. Im darauffolgenden Sommer kam es zu eurem ersten Auftritt gemeinsam mit Bob Wayne – und dazu noch in eurer Heimatstadt Wölfersheim. Das Konzert dürfte wohl als Startschuss für eine lange Reihe von Gigs mit internationalen Künstlern gelten ...
Henric: Du sprichst die „Rebel meets Bembel“-Reihe an. Das war eigentlich ein Himmelfahrtskommando. Wir hatten zwar unsere Promo-CD einigermaßen anständig aufgenommen, allerdings noch nie alle zusammen wirklich für ’nen Liveauftritt geprobt. Im Sommer 2009 hab ich im Internet gelesen, dass Bob Wayne zusammen mit Hank III auf Europatour sein wird. Er hatte damals gepostet, dass er noch viele freie Tage hätte und überall spielen würde, solange es Strom gibt. Ich hab natürlich nicht lang gefackelt und ihn sofort angeschrieben. Er hat auch noch sofort zugesagt und somit konnten wir am 30. August 2009 den ersten Rebel meets Bembel bei uns in Wölfersheim veranstalten. Scheinbar waren wir dann doch nicht so schlecht, denn es sollten bis heute noch 21 weitere folgen und die nächsten sind auch schon für das kommende Jahr geplant.
Echte Outlaws
DYNAMITE: 2011 wurdet ihr von Outlaw-Country-Musikern zu wahren Outlaws. Was ist passiert?
Henric: Jaja, die Amerikageschichte. Das war ein wahres Highlight. Von unten betrachtet. Durch die „Rebel meets Bembel“-Veranstaltungen lernten wir natürlich die ganzen US-Bands, die bei uns auftraten, auch privat kennen. Also planten wir eine zweiwöchige US-Tour, um als Vorband von Bob Wayne, Black Jake And The Carnies und The Henhouse Prowlers aufzutreten. Gagen versprachen wir uns keine. Die Tour sollte komplett auf unsere Kosten laufen, insgeheim bestand vielleicht noch die Hoffnung, eventuell das ein oder andere Trinkgeld mitzunehmen. Genau das glaubte uns allerdings weder der amerikanische Zoll noch die Homeland Security. Wir wurden also kurzerhand noch am Flughafen der Steuerhinterziehung beschuldigt und auf Lebenszeit vom amerikanischen Boden verbannt. Die Aktion hat uns nicht nur einen Haufen enttäuschter Freunde eingebracht, sondern auch noch jeden ungefähr einen Tausender gekostet. Ob sich die Verbannung jemals durch Behördengänge aufheben lässt, wird die Zukunft zeigen. Durch den entstandenen finanziellen Schaden mussten wir natürlich die Veröffentlichung unseres ersten offiziellen Albums „13: The Devil’s Dozen“ weiter nach hinten verschieben. Im Herbst war es dann endlich so weit und wir sind stolz darauf, alles komplett in Eigenregie geleistet zu haben. Das macht es vielleicht nicht perfekt, lässt aber immer Raum für Verbesserungen offen. «
Diese CD stellt ein Vermächtnis dar. Weil Gitarrist "Dimebag" Darrell bei einem Damageplan-Konzert im Dezember 2004 auf der Bühne erschossen wurde, wird die Band so nicht weiter existieren.
Rock/Metal mit weiblichen Vocals ist immer wieder interessant. Im Gegensatz zu den meisten Vertretern dieser Gattung spielen The Flaw weder kitschigen Bombast-Sound noch brutalen Death Metal.
In Ljubljana hat die Belgierin Inneke mit ihren Lippenstift-Malern das zweite Album aufgenommen. Darauf findet ihr wieder Country Rock der anderen Sorte.
Eurovision Song Contest hin, „Dittsche" her, der Erfolg von Texas Lightning hat ganz andere Gründe. Die Band aus Hamburg beweist: Es gibt eine Haltung, mit der auch eine deutsche Truppe Oldschool-Country spielen kann, ohne peinlich, aufgesetzt und oder schmierig zu sein. Üblichen Marktgesetzen folgen sie dabei eher nicht. Der hauptberufliche Deichkind-Gitarrist Malte und die australische Sängerin Jane Comerford stellten sich dem Dynamite-Interview kurz vor ihrem erst vierten gemeinsamen Auftritt in der Worpsweder Music Hall.