Weiß-blaues Wunder


BMW Spezial: Alle Modellreihen im Überblick
So langsam wird es unheimlich: 2011 hatte hierzulande jede vierte Neumaschine einen weißblauen Propeller auf dem Tank. BMW Motorrad ist mittlerweile in 16 Ländern Marktführer. Wo soll das noch hinführen?

Spätestens mit dem Erscheinen des Überfliegers S 1000 RR hat BMW die Wandlung vom Anbieter biederer Gummikühe zum rasant wachsenden Vollsortimenter mit sportlich-dynamischem Image endgültig vollzogen. Und den japanischen Herstellern einen heftigen Leberhaken verpasst.

Wollen wir die Maßstäbe aber nicht verzerren: Weltmarktführer Honda verkauft jedes Jahr mehr als zehn Millionen Bikes, BMW trotz neuerlichem Allzeit-Hoch nur wenig mehr als 100.000 Maschinen. Auch wenn die Japaner ihre Millionen vor allem in 50er und 125er Mopeds und Rollern für die mobilen Grundbedürfnisse von Dritte-Welt- und Schwellenländern machen: BMW muss weiter Vollgas geben, um auf der ­Erfolgsspur zu bleiben. Die E-Mobilität klopft bereits stark unter Strom stehend an die Pforte und auch der Chinese wird sich nicht ewig damit zufriedengeben, den 650er Eintopf für die Einsteiger-GS zusammenzubauen.

Nicht ohne Grund hat sich BMW mit Husqvarna eine emotional belegte Zweitmarke als Spielwiese für technische Grenzgänge zugelegt. Mit den beiden brandneuen Maxi-Scootern (Fahrbericht ab Seite 102) wagt man das Comeback im Rollersegment – Stichwort „Urban Mobility“ … Und wir sind uns sicher:

In absehbarer Zeit wird BMW einen ­dicken Cruiser aus dem Hut zaubern ­(siehe Interview ab Seite 106). 
Noch immer steht der Boxer im Zentrum der Modellpalette. Es ist einmalig in der Geschichte des Motorrads, dass ein Hersteller der Grundkonzeption ­seiner ersten Maschine auch bald 90 Jahre nach ihrem Debüt die Treue hält. Der luftgekühlte Zweizylinder-Boxer, der seine Kraft via Kardanwelle an das Hinterrad überträgt – es ist das BMW Motorrad. Und es ist wirklich erstaunlich, mit wie viel Leidenschaft die betagte Konstruktion von Generation zu Generation optimiert und den Ansprüchen der jeweiligen Zeit angepasst wurde. So hatte die R 32 von 1923 bescheidene achteinhalb Pferdestärken während die HP 2 Sport des Jahrgangs 2011 über das mit 133 PS stärkste luftgekühlte Motorrad-Triebwerk aller Zeiten verfügt.

Der Boxer lebt – und wird in naher Zukunft einen kühlenden Wassermantel erhalten, um der leistungsstarken Konkurrenz Paroli bieten zu können.

Dabei hat BMW natürlich weit mehr auf die Räder gestellt als den legendären Boxer: Motorräder mit luft- und wassergekühlten Einzylinder-Motoren, Reihen­zweizylinder, längs und quer eingebaute Drei-, Vier- und Sechszylinder-Aggregate, Kabinenroller und neuerdings auch Maxi-Scooter. Heute gibt es kaum ein Marktsegment, in dem BMW nicht erfolgreich vertreten ist. Wurden noch ­Anfang der 1990er Jahre nur etwa 30.000 BMW-Motorräder im Jahr produziert, hingen 2006 erstmals mehr als 100.000 Maschinen an den berühmten gelben Montagehaken in Berlin-Spandau.

Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, als das große Sterben der ­Motorradmarken und der Siegeszug des Automobils einsetzten, hielt BMW trotz aller Widrigkeiten am motorisierten Zweirad fest. Und ist bis heute der einzig ernst zu nehmende deutsche Anbieter von Motorrädern und der erfolgreichste Hersteller Europas.

Doch ohne die florierende Autosparte gäbe es längst keine BMW-Motorräder mehr. Zum Vergleich: 2011 konnten die Bayern 1,7 Millionen Autos verkaufen. Dagegen kann die Abteilung Zweirad einpacken. Dennoch: Mit 104.286 Motorrädern lieferte BMW Motorrad im Jahr 2011 mehr Fahrzeuge aus als jemals zuvor in seiner knapp 90-jährigen Geschichte. Zwölf Monate in Folge konnten mehr Fahrzeuge verkauft werden als im jeweiligen Vorjahresmonat. Im relevanten Marktsegment der Hubraumklassen über 500 ccm konnte BMW ­Motorrad seinen Weltmarktanteil im vergangenen Jahr auf über zwölf Prozent ausbauen und somit innerhalb von nur vier Jahren nahezu verdoppeln. Die E-Mobilität der Zukunft wird dem motorisierten Zweirad gänzlich neue ­Optionen bieten – und es womöglich zu neuer Blüte treiben. Und jede Wette …


Mit der S 1000 RR auf ­Reisen? zumindest bis zur nächsten rennstrecke (links). BMW legt bei seinem Tourensportler sichtlich Wert auf exklusive Details.


Den vollständigen Bericht lesen Sie in REISE MOTORRAD 3/2012.

Text: Carsten Heil
Bilder: Carsten Heil


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REISE MOTORRAD 10.04.2012
Text: Carsten Heil Bilder: Carsten Heil
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Stand:18 May 2013 18:11:29