Beschichtungen auf dem Kolbenhemd verlängern das Motorenleben. Selbst gebrauchte Kolben lassen sich durch Maßbeschichtungen retten. Märchen oder Realität?

ein schwäbischer Kleinbetrieb hatte ihn maßgefertigt. „Er“ war ein aus einem Mahle-Rohling hergestellter Kolben für einen 600er NSU Einzylinder-Motor. Und er war beileibe kein günstigeres Zubehörteil. Trotzdem, die Richtung stimmte! Doch dann ging’s beim Maßhohnen des Zylinders voll daneben: Die Zylinderschleiferei nahm zu viel Material heraus! Anstatt des gewünschten Maßes von sechs Hundertstel (0,06) Millimeter, war nun ein Laufspiel von fast vierzehn Hundertstel (0,14) Millimeter zusammengekommen. Mal ehrlich, messt ihr die vom Fachmann bearbeiteten Teile vor dem Einbau nach? Der nun sehr stark kippelnde Kolben, machte sich im Fahrbetrieb mit lautem Klappern bemerkbar. Nochmaliges Zerlegen bestätigte die Vermutung: Ein Laufspiel jenseits von Gut und Böse! Was tun? Noch mal einen neuen, noch größeren Kolben, machen lassen? So eine Sonderanfertigung kostet ja locker um die 300 Euro das Stück!
Wie es der Zufall wollte, beim Durchblättern eines dreißig Jahre alten US-Chopper-Magazins zog es den Blick auf eine

Annonce: Belt-Drive Spezialist Karata bot eine „Karata-Kote“ genannte Leichtlauf-Beschichtung für das Kolbenhemd an! Und dann fiel der Groschen: Haben nicht auch die Kolben der Harley-Davidson-Motoren seit einigen Jahren eine dunkle Beschichtung am Kolbenhemd? Ja, und vielleicht gibt’s da sogar jemanden, der Kolben mit einer Spezialbeschichtung versieht, die eventuell den Kolbendurchmesser um die nötigen 0,08 Millimeter vergrößert? Die Fragerei am Oldtimer-Stammtisch brachte zunächst nur Grinsen und ungläubiges Kopfschütteln. Doch dann … einer warf den Namen Kexel ins Spiel. Die Firma soll angeblich Motoreninnereien mit Teflon beschichten; auch Kolben! Und tatsächlich: Auf deren Website werden explizit die Vorteile ihrer „Temperflon“-Gleitlack-Beschichtung aufgeführt. Die telefonische Nachfrage ergab jedoch, dass die Temperflon-Beschichtung maximal 0,03 Millimeter im Durchmesser aufträgt, was bei normalen Kolben eigentlich als zusätzliche Gleitbeschichtung ideal ist, aber in unserem Fall nicht ausreichte. Also wurde weiter nachgeforscht, bei der Web-Suche nun allerdings mit dem Begriff Gleitlack gearbeitet. Was erstaunliche Ergebnisse brachte: Vor allem die Firma „Picoatec“ (was für Piston-Coating-Technologie steht) überzeugte.
CUSTOMBIKE erklärt in der Ausgabe 03/12 ausführlich, wie man Kolben selbst beschichtet und welche Vorteile das im Biker-Alltag bringt
Text: Horst HeilerBilder: Horst Heiler