Reisen: Schottland
Äußerlich uniformiert und doch verschieden: Fünf Biker, die gemeinsam nach Schottland fahren, erleben noch lange nicht das Gleiche. Was dem einen das Erdbeertörtchen, ist dem anderen der Nieselregen im Hochtal.
Peter Beck (50) - BMW R 80 GS Basic
„Lange habe ich diese Reise geplant und bin nun mit meinen Freunden Richtung Ardrossan unterwegs, dem Fährhafen zur Isle of Arran. Traumhaftes Wetter erleichtert die Eingewöhnung an den Linksverkehr, Aufkleber an Spiegeln und Bremsflüssigkeitsbehälter erinnern an die ,verkehrte Welt‘. Die Motorradtruppe wächst allmählich zusammen, Fahrstile passen sich an, spontane Fahrmanöver werden eingetauscht gegen Rücksicht, Nachsicht und Kontrolle, ob der Hintermann noch dran bleiben kann.
Die Überfahrt nach Arran versetzt uns beinahe in Trance: Das Meer ist glatt, tiefblau, fast schwarz. Der Himmel so strahlend blau und tief, dass wir fast den Weltraum dahinter zu erkennen meinen. Arran schält sich aus dieser Kulisse heraus als grün bepuderte Gebirgskulisse, auf der wir fast noch Dinosaurier vermuten. Emotional schweben wir mindestens 30 Zentimeter über dem Boden.
Die Fahrt entlang der Westküste von Arran bis nach Kildonan hält uns tatsächlich in diesem Schwebezustand. Ein schmales Asphaltband, es hält nicht für 50 Meter einmal still, erlaubt ständig wechselnde Perspektiven auf mal steinige, mal sandige Buchten und in gläsernem Meer und Luft vorgelagerte Inseln. Chrom blitzt im strahlenden Sonnenschein, am Straßenrand kleine, oft weiß getünchte Häuschen mit blühenden Vorgärten. Wir tuckern durch diese Hochglanz-Prospekt-Vorzeigelandschaft mit niedrigst möglicher Drehzahl und erweisen so diesem Panorama die Referenz.
Die Campingwiese von Kildonan ist ein optimaler Übernachtungsplatz vor fast mediterraner Kulisse. Wir campen keine zehn Meter vom Meer entfernt, gegenüber liegt auf einer Insel ein malerischer, schneeweißer Leuchtturm, nebenan ein kleines Hotel mit Bar-Meal. Überhaupt die Bar-Meals: Wir bestellen direkt an der Theke, bezahlen sofort und holen das Essen auch dort ab. Anschließend suchen wir einen Platz auf der Terrasse mit Blick auf Leuchtturm und Küste. Das geht nicht nur fix, sondern ist auch preiswert, kommunikativ und eben typisch englisch.“
Karsten Schröder (51) - Honda Africa Twin
„Ich bin ,Derderimmerhinterherfährt‘. Nicht, dass ich mich nicht trauen würde, vorneweg zu fahren, nein, das ist es nicht. Es hat halt nur wahnsinnig viele Vorteile, wenn man immer hinterherfährt. Ich freu mich einfach riesig, dass die anderen vor mir ausprobieren müssen, wo denn die richtige Straßenseite ist, und wenn das dann entschieden ist, fahre ich einfach hinterher. Und ob Geschwindigkeit und Radius stimmen, sehe ich ja an den Voranfahrenden. Wenn’s dort passt, komme ich auch durch. Allerdings hätte es vorhin beinahe doch nicht mehr gepasst. Wer konnte denn ahnen, dass es hier so steile Kuppen gibt und dass es nach kurzem steilem Anstieg aber auch so dermaßen steil wieder bergab geht, dass ich für kurze Zeit gar keine Straße mehr unter den Rädern hatte!
Die Rast an den Standing Stones von Tormore hab ich mir zwar nicht rausgesucht (das ist der einzige Nachteil, ,Derderimmerhinterherfährt‘ kann nicht bestimmen, wo man rasten sollte!), aber meine ersten Standing Stones waren …

So mediterran ist es selbst am Mittelmeer selten (links). Impressionen wie in Kanada nördlich von Ullapool.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in REISE MOTORRAD 4/2012.Text: P. Beck, U. Harnisch, C. Gebhardt, K. Schröder, M. BeckBilder: P. Beck, U. Harnisch, C. Gebhardt