Reisen: Entlang der Donau (D)
Erst beschaulich, dann grandios und immer wieder für Überraschungen bereit – so gibt sich die Donau auf ihrem Weg von den Quellflüssen bis Passau. Nicht minder abwechslungsreich sind die Landschaften und Fahrstrecken entlang ihrer Ufer.
Perfekte Schwarzwaldidylle: Wir befinden uns auf über 1.000 Höhenmetern inmitten des hügeligen, dunkel bewaldeten Hochlandes. Die Hitze ist gewichen und ein mildes, spätsommerliches Lüftchen bläst uns um die Nasen. Vorbei an Kuhherden auf saftig grünen Hochlandweiden, vorbei an urigen Bauernhäusern mit tief herabgezogenen Walmdächern und riesigen Werbetafeln für „Cuckoo clocks“, die berühmten Kuckucksuhren, haben uns ungemein schmale, kurvige Landsträßchen an diesen abgeschiedenen Ort bei Furtwangen geführt.
Was aber hat das mit der Donau zu tun? Diesem zweitgrößten europäischen Strom? Nun, in einem schattigen Hain zu unseren Füßen beobachten wir, wie ein zartes Bächlein aus dem Felsen hervorsprudelt, um dann recht abrupt bergab zu fließen. Es ist die Breg, einer der Quellflüsse der Donau. Ein paar Schritte weiter erinnert die kleine Martinskapelle daran, dass schon der römische Kaiser Tiberius vor 2.000 Jahren nach dem Ursprung der Donau forschte. Heute ist klar erwiesen: „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg.“
Am Fuße des Schwarzwaldes, ein ganzes Stück hinter Donaueschingen, kommen die beiden Quellflüsse zusammen und lassen so die Donau entstehen. Dennoch existiert eine historische Donauquelle, die Quelle des Donaubaches. Elegant in Stein gefasst, bewundern wir sie direkt neben dem barocken Fürstenbergischen Schloss Donaueschingen. In Stein gemeißelt steht da die beeindruckende Fließlänge der Donau geschrieben: „Bis zum Meere 2.840 Kilometer“. Und darüber weist die Marmorskulptur der „Mutter Baar“ ihrer Tochter, der „jungen Donau“, den Weg gen Osten.
Naturphänomene
Da nun die Ursprungsfrage des Flusses geklärt ist, kann die Fahrt beginnen! Die lange Strecke der Donau bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer haben wir vorerst nicht im Sinn. Ihren Verlauf in Deutschland jedoch wollen wir im Detail unter die Lupe, und die Umgebung in Flussnähe unter die Räder nehmen. Wir ziehen durch eine weite Ebene, um bald auf zahlreichen Kehren in das immer enger werdende Tal im „Naturpark Obere Donau“ einzutauchen. Und plötzlich ist die Donau weg. Abgetaucht! Zwischen dichtem Laub sehen wir nur noch ausgedörrten Boden. Die Donauversinkung, so lesen wir nach, ist ein weltweit einmaliges Phänomen. Etwa zur Hälfte des Jahres versickert das Wasser im karstigen Untergrund und fließt in einem unterirdischen Höhlensystem in den Aachtopf und damit in den Bodensee und in den Rhein. Faszinierend! Doch einige Kilometer flussabwärts ist die Donau, gespeist durch weitere Nebenflüsse, wieder da.
Mühlheim, unser heutiges Tagesziel, ist ein kleines, hoch über der Donau platziertes Städtchen. Durch die Altstadt führen zwei parallel verlaufende, von schmucken Fachwerkhäusern gesäumte Straßen auf zwei prächtige Schlösser zu. Wir mieten uns im sympathischen Gasthof Hirsch ein und lassen uns die typischen regionalen Köstlichkeiten schmecken: Leberspätzlesuppe, Maultaschen mit Fleisch- und Gemüsefüllung, Rinderzunge in Burgundersoße mit hausgemachten Spätzle – echt schwäbisch lecker! Dicker Nebel hüllt früh das Städtchen ein, doch bis wir aus den Betten gekrabbelt sind und ausgiebig gefrühstückt haben, hat er sich aufgelöst. Die Morgensonne lässt das Donautal erstrahlen, es wird nun richtig idyllisch. Kurvenreich ziehen wir durch den Naturpark Oberes Donautal, wo sich die Donau durch Kalkfelsen und begrünte Hänge windet. Bemerkenswerte Bauten säumen unseren Weg wie das Benediktinerkloster Beuron und eine ganze Reihe spektakulär auf Felsspornen platzierte Burgen: Burg Wildenstein, Schloss Werenwag und Ruine Hausen. Bei Hausen queren wir die immer noch junge Donau unter dem Schutz des Brückenheiligen Nepomuk. Die „Hohenzollernstraße“ ist hier die Hauptroute und diese bringt uns schließlich nach Sigmaringen mit seinem prunkvollen Hohenzollernschloss und zu einer kleinen Überraschung: In den Räumen der traditionsreichen Brauerei Zoller-Hof residiert ein Zündapp-Museum, piekfein eingerichtet, und die Sammlung ist umfassender als die Präsentation in Nürnberg, der Heimatstadt der Zündapp-Werke.
In schwungvollem Rhythmus geht
es auf lichter Hochebene oberhalb der Donau weit zurück in die Vergangenheit. Bei Heuneburg siedelten einst die Kelten. Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert erbauten sie hier eine mächtige Festungsanlage mit Fürstensitz und kleinen Reet gedeckten Wohnhäusern. Von den Wehrgängen aus blicken wir auf …

Hoch oben im Schwarzwald entspringt das Quellflüsschen Breg (links). Eine der schönsten Fährfahrten ist die bei Stausacker nahe der Weltenburger Enge.
Den vollständigen Bericht lesen Sie in REISE MOTORRAD 3/2012.Text: Dr. Ingrid Gloc-HofmannBilder: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann