Udos Bomber ? Udo Kohses Privatbike


Udo Kohse und seine Custombikes kennt in der Szene annähernd jeder. Der Südhesse ist seit über zwei Jahrzehnten im Custom-Geschäft und hat sich einen sehr guten Namen gemacht. Hier zeigen wir mal, was solche Burschen privat fahren

Angefangen hat alles 1992. Damals erwarb der blutjunge Udo in der Nähe von Milwaukee für 6.000 Bucks eine Shovelhead-E-Glide aus dem Baujahr 1976. Zuhause hat er das Teil erst einmal abgespeckt, einen neuen Lenker und einen Solositz montiert und los ging’s. Im Jahr darauf gab es dann die erste volle Dröhnung. Totalrestaurierung inklusive Überholung des Rahmens und ein Umbau auf einen 200er-Reifen hinten. Schon damals ließ er sich neue Räder bei TTS machen und ist der Firma seither treu geblieben.

Seine ersten eigenen Blecharbeiten betrafen den Heckfender. Den baute er zwar in der originalen Optik, allerdings waren die Fenderstruts unsichtbar integriert. „Ich war damals megastolz auf mein cleanes Heck“, lächelt der inzwischen zum Blechprofi gereifte Udo. Der Motor wurde damals nur aufgehübscht, es gab viele neue Chrom-Teile, einen „Sirenen“-Luftfilter und eine mausgraue Lackierung. So ist er sie ein paar Jahre gefahren. Irgendwann später hatte er dann einen Unfall mit dem Bike, weil die originalen Bremsen totaler Dreck waren. Es folgte der Umbau auf gute Brembo-Zangen und ein neues Heck. Dieses Mal legte Udo den Fender mitschwingend aus. Und auch für vorn gab’s ein neues Schutzblech, und, einfach um zu schauen, ob es klappt, die erste selbst hergestellte vorverlegte Fußrastenanlage. Die erste Motorrevison ging er erst im Winter 1996/97 an.

1997 war ein wichtiges Jahr für den damals gerade mal 28 Jahre alten Udo. Er eröffnete seinen Laden für Motorradumbauten. Zeit fürs eigene Bike hatte er kaum noch, der nächste Umbau bestand aus ei­nem neuen Öltank mit integriertem Filter und einer neuen, rechtsseitig verlegten 2-in-2-Auspuffanlage. Der Fender vorn wurde kürzer und der Lack war ein Olivgrün. Im Jahr 2000 kam dann das dritte angefertigte Heck. „Und mein erstes LED-Rücklicht. Dafür musste ich noch selbst die Platine löten, damals ein Riesending für mich. Und mein erster komplett selbstgemachter, im Rahmen verlegter Kabelbaum. Bestimmt hundert Mal habe ich seinerzeit meinen „Elektro-Mentor“ und guten Kumpel Tommy Klein angefunkt. Inzwischen macht mir Elektro richtig Spaß. Kommt gleich nach den Blecharbeiten.“
 
 

Etliche Jahre und viele Kundenbikes später entschloss sich Udo, auch einmal richtig Zeit in seine eigene Shovel-FLH zu investieren. Im ersten Stadium zur Saison 2009 veränderte sich die Optik dramatisch. Neu gedengelter Tank (Udo: „Sieht aus wie ’ne Bombe, seitdem heißt das Bike bei mir auch ,Bomber‘“), passend zum Tank ein neuer ovaler Öltank mit integriertem Ölfilter, Umbau auf Springergabel, neue Räder. Diesmal 16-Zöller, wie immer von TTS. Für das breite Ballon-Hinterrad baute Udo eine originale Rundrohrschwinge um, darüber die Heckfendervariante Nummer 4 mit integriertem LED-Rücklicht. Hinzu gesellten sich ein selbst gefertigter Lenker, ein in die Lampe integrierter Tacho und eine neue Fußrastenanlage aus Eigenproduktion („die erste hat immerhin zehn Jahre lang gehalten“). 2012 bekam dann der Motor so richtig Fett weg, Bernd Kramer machte im ordentlich Dampf. „Irgendwann war ich mit der 16-Zöller-Bereifung nicht mehr im Einklang. Ich hatte mir zusätzlich einen schönen schmalen Pan-Chopper gebaut, um auch zu zweit fahren zu können, und die Shovel trat etwas ins zweite Glied.

Udo hat sich dann sehr lange mit der Suche nach den für ihn ultimativen Reifen beschäftigt. Er suchte was Spezielles, hinten nicht ganz so schmal mit hohem Querschnitt. Über ein Jahr später hat er seine Wunschreifen in den USA gefunden. Obwohl er die Durchmesser vom Papier her kannte, wurde ihm erst bei Ankunft der Reifen bewusst, welch abgefahrene Dimensionen das waren (siehe Bild). Wegen der immensen Durchmesser der Reifen (vorn 770, hinten 720 Millimeter) musste einiges an der Shovel umgebaut werden. In die Räder mit den Dimensionen 2,15 x 21” und 4,5 x 16” wurden die innenliegenden Scheibenbremsnaben der Honda CBX 550F eingespeicht. Das machte eine Anpassung der Vorderradbremse auf die Springergabel notwendig, denn die Ankerplatten müssen gelagert sein. Doch weil der Platz für die Bewegung der Bremssättel in der Springer nicht ausgereicht hat, musste Udo eine neue Aufnahme für die Gabel-Rocker bauen. Komplettiert wurden die Räder, na wo wohl, in Westerkappeln.

Udo baute unterdessen das Heck Nummer 5 für seine 76er FLH. Der Heckfender ist in Handarbeit gerollt und mit zwei Sicken versehen, die genau auf den Ecken des Reifenprofils laufen und am Ende in zwei Mini-LED-Rücklichter übergehen. Dafür hat sich der Tüftler extra ein Werkzeug gebaut, das Sicken in zwei Radienrichtungen fahren kann. Der Heckfender hat die gleiche Form wie der Reifen: In der Mitte schmal, dann geht er im Radius nach außen, macht sozusagen dicke Backen. Die Schwinge wurde unter Verwendung originaler Gussteile von Harley-Davidson gebaut. Die Stoßdämpfer sind eine Sonderanfertigung. Auch wurde ein neuer Sattel mit integriertem Sozius und Gepäck-Haltesystem angefertigt. Aus der vormaligen 2-in-2-Auspuffanlage entstand eine halbhoch liegende 2-in-1-Anlage. Der Endtopf der alten Crossover-Anlage wurde zum Gitter-Shorty. (Stäbe gebogen und einzeln am Ende eingeschweißt). Der seitliche Kennzeichenhalter enstand aus Blech. Durch die ovale Form der Haltestreben und die aufgebrachten Sicken konnte der Halter sehr filigran ausfallen. „Und den halbhohen Ape hab ich gebaut, weil es geiler ist. Und sooo bleibt sie jetzt … für immer … glaube ich …“, sprach er, der Erbauer. Und nicht umsonst heißt es: Wer’s glaubt, wird selig!
Basis: 1976 FLH Harley-Davidson

MOTOR
Typ: orig., Bj. ’76, 1442 ccm, modif. v. Bernd Kramer
Zylinderköpfe: orig. H-D, bearbeitet
Pleuel/Kolben: S&S/BK JE Piston
Kipphebel: Jims Roller
Stößelstangen: Jims, Öl durch Stößel
Rollenstößel: Jims
Nockenwelle: S&S 450
Kurbelgehäuse: orig. H-D, bearbeitet
Kurbelwelle: S&S Stroker
Vergaser/Zündung: S&S Super E/Craine HI4
Luftfiltergehäuse: BikeProject „Sirenen“-Luftfilter
Auspuffanlage: BikeProject

GETRIEBE
Typ: orig. H-D Viergang; Bj. 1976
Primärcover: orig. H-D/Inspektioncover Eigenbau
Kupplung: BDL
Primär-/Sekundärtrieb: BDL/Rollenkette

FAHRWERK
Rahmen: orig. H-D, bearbeitet
Gabel: Springer H-D Retro
Schwinge: Eigenbau BikeProject
Federbeine: Hagon Sonderanfertigung
Räder: Speiche TTS, vo. 2.15 x 21”;  hi. 4.50 x 16”
Bereifung: vo. 4.40 x 21; hi. 6.00 x 16
Bremsen vo.: versteckte Doppelscheibe von Honda CBX 550F;
Bremsen hi.: versteckte Einzelscheibe Honda CBX 550F/BikeProject

ACCESSORIES
Benzin-/Öltank: Eigenbau BikeProject
Fender vo./hi.: Eigenbau BikeProject
Lenker/Lenkerschalter: Eigenbau BikeProject
Lenkergriffe/Handhebel: Kustom Tech
Fußrastenanlage: Eigenbau BikeProject
Frontlampe/Rücklicht: Eigenbau BikeProject
Anzeigeinstrumente: motogadget
Sitz: Eigenbau BikeProject

KONTAKT
www.bike-project.com

Text: Dr. Heinrich Christmann, BP
Bilder: Volker Rost




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12.03.2017
Text: Dr. Heinrich Christmann, BP Bilder: Volker Rost
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